Doping-Studie veröffentlicht

Nahmen unsere DFB-Helden Aufputschmittel?

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War unsere DFB-Elf bei der WM 1966 gedopt? Laut der Doping-Studie wurden offenbar bei drei deutschen Fußballern am Ende des Turniers "feine Spuren" des Aufputschmittels Ephedrin nachgewiesen.

Berlin - Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hat am Montag seine Studie zum Doping in Westdeutschland veröffentlicht. Nun fragen sich Fußball-Fans: War die DFB-Elf bei den WM-Turnieren 1954 und 1966 gedopt?

Die Geheimniskrämerei um die lange unter Verschluss gehaltene Studie zum Doping in der Bundesrepublik Deutschland hat ein Ende. Auf Druck der Öffentlichkeit ist am Montagnachmittag der brisante Abschlussbericht auf der Homepage des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) publiziert worden.

Link zur Studie

„Die vielfach formulierte These, das Dopingproblem in der Bundesrepublik sei erst mit dem Konsum von Anabolika in den 1960-er Jahren offen zutage getreten, lässt sich jedenfalls eindrucksvoll widerlegen“, heißt es in dem 117-seitigen inhaltlichen Abschlussbericht der Berliner Humboldt-Universität. Die Geschichte des Dopings in der Bundesrepublik beginne demnach nicht erst 1970, sondern bereits 1949. Bis 1960 seien im deutschen Sport Amphetamine „systematisch zum Einsatz gekommen“. Auch die Elite des deutschen Fußballs hätte die aufputschenden Amphetamine genommen.

Die Studie erwähnt auch einen Brief des FIFA-Funktionärs Prof. Dr. Mihailo Andrejevic an den Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Dr. med. Max Danz, aus dem Jahr 1966, der sich mit den Dopingkontrollen des Weltfußballverbandes bei der WM 1966 in England auseinandersetzte. Wörtlich heißt es in der Studie: "Dieses Schreiben belegt, dass drei deutschen Fußballern am Ende des Turniers 'feine Spuren' Ephedrin nachgewiesen wurden."Schon damals sei Ephedrin ganz klar ein verbotenes Dopingmittel gewesen.

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Weiter heißt es in der Studie: "Auch der Vorwurf des Sportmediziners Dirk Clasing aus dem Jahre 1970, wonach es keine Fußball-Elf gebe, 'die nicht in irgendeiner Form gedopt ins Spiel' gehe, deutet auf einen verbreiteten Amphetamin-Konsum in der 1963 gegründeten Fußball-Bundesliga hin."

Valide Zahlen zum Amphetamin-Problem im deutschen Fußball existierten allerdings nach bisheriger Kenntnis nicht. Sollten sich diese Vermutungen allerdings erhärten, dann müssen Fußball-Fans sich ernsthaft fragen, ob das Wunder von Bern 1954 und der Vize-WM-Titel 1966 nicht nur auf deutschen Tugenden, sondern auch auf chemischer Unterstützung beruhten.

Meistens ohne klare Namensnennung wird auch die Mitwisserschaft von damaligen Verantwortlichen im Sport angeprangert. „Es stellt sich mithin die Frage, wie ernsthaft Verantwortliche in der deutschen Sportlandschaft den Kampf gegen das Doping tatsächlich betrieben haben und mit welcher Ausdauer sie die (zum Teil sich selbst gesetzten) Grundsätze und Ziele in dieser Hinsicht verfolgt haben“, hieß es. „Nach den Projektergebnissen zu urteilen, erscheint dies zweifelhaft.“

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So sei zum Beispiel der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in der Anabolika-Frage in mindestens zwei Lager zerfallen. „Während die damals beteiligten Sportmediziner (Steinbach, Mellerowicz) sich gegen den Anabolika-Einsatz aussprachen, hatte DLV-Präsident Max Danz, ebenfalls ein Mediziner, gegen die Anwendung nichts einzuwenden. Seiner Aussage nach habe er sich selbst regelmäßig diese Präparate verschrieben - „unklar blieb, an wen: Gesunde Olympiakader? Kranke oder Verletzte?“

Unterstützung habe Danz durch den bekanntesten und einflussreichsten deutschen Trainer, Karl Adam, erfahren. „Es tobte also hinsichtlich der Anwendung der anabolen Steroide nicht nur ein Kampf zwischen den Athleten, wie unser Projekt für die Phase um 1970 herausgearbeitet hat, sondern auch unter den Funktionären in der Leichtathletik“, schreiben die Forscher um Projektleiter Giselher Spitzer.

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Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) als Initiator des Projektes und das BISp hatten eine Verzögerung der Veröffentlichung des Abschlussberichts wegen Datenschutzbedenken begründet. „Es ist erschütternd, wie damals um Gold gekämpft wurde! Diese abstrakten Hybridwesen und deren Leistungen, haben für mich keine Bedeutung! Wichtig ist, dass es heute - nicht nur durch mich - möglich ist, annähernd die alten Leistungen zu bezwingen... sauber!“, sagte Diskus-Olympiasieger Robert Harting.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich soll nach Willen der SPD bei der geplanten Sondersitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages Rede und Antwort zur pikanten Studie stehen. Wie die SPD am Montag mitteilte, sollen auch der an der Studie beteiligt Giselher Spitzer, BISp-Direktor Jürgen Fischer und DOSB-Präsident Thomas Bach zur Sitzung eingeladen werden. Möglicherweise wollen die Parlamentarier schon am 29. August zusammenkommen, alternativ könnte sie am 2. oder 3. September stattfinden.

dpa/fro

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