Davis-Cup: Doppel verpasst Matchball

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Martin Emmrich (r) und Daniel Brands (l) haben ihr Spiel gegen Brasilien verloren

Ulm - Der Tag der vertagten Entscheidungen: Nach der Doppel-Niederlage gegen Brasilien braucht das Davis-Cup-Team noch immer einen Punkt zum Klassenerhalt.

Die Städte Neu-Ulm und Ulm sind von der Donau und einer Landesgrenze getrennt. Auf der einen Seite ist bayerisches Hoheitsgebiet, auf der anderen Seite liegt Baden-Württemberg. An beiden Ufern bahnte sich am Samstag eine Entscheidung an, links und rechts der Donau wurde sie vertagt. Doch während das deutsche Davis-Cup-Team nach der Niederlage im Doppel gegen Brasilien beim Stand von 2:1 noch immer große Aussichten auf den Klassenerhalt in der Weltgruppe besitzt, ist die „Palastrevolution“ im Deutschen Tennis Bund (DTB) vorerst gescheitert.

Die Landesfürsten hatten wieder einmal zur Attacke geblasen, ihr erklärtes Ziel bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung im Maritim-Hotel in Ulm war DTB-Präsident Karl Altenburg. Eine Satzungsänderung sollte den Verbandsboss schwächen und wenn möglich sogar zum vorzeitigen Rücktritt bewegen. Der Antrag, der dem Bundesausschuss und damit den Landesverbänden mehr Mitspracherecht bei den Entscheidungen des DTB-Präsidiums einräumen sollte, scheiterte jedoch an der nötigen Zweidrittel-Mehrheit.

Beschlossen wurde lediglich, dem Bundesausschuss gewisse Rahmenkompetenzen zu gestatten, deren genaue Inhalte bis zur turnusmäßigen Mitgliederversammlung am 10. November in Frankfurt/Main gemeinsam mit dem Präsidium diskutiert werden sollen. „Es wurde alles hochgespielt, es gibt keinen Rücktritt, das war auch nie Thema“, sagte Präsident Altenburg, räumte allerdings ein, dass das Thema „unglücklich vorgetragen“ worden sei.

Zum Mittagessen hatten sich die Wellen im Saal Köln des deutschen Teamhotels auch schon wieder geglättet. Pünktlich zum sportlichen Höhepunkt des Tages saßen Revoluzzer und Präsidiumsmitglieder einträchtig nebeneinander auf der Ehrentribüne im fünf Kilometer entfernten Neu-Ulm - auf der anderen Seite der Donau.

Dort feierte ein Duo seine Davis-Cup-Premiere, war gegen das brasilianische Weltklasse-Doppel Bruno Soares/Marcelo Melo jedoch chancenlos. Martin Emmrich, Nummer 35 der Doppel-Weltrangliste aus Magdeburg, und der Deggendorfer Daniel Brands verloren 3:6, 4:6, 4: 6. Damit liegt die Verantwortung, den ersten Abstieg seit neun Jahren zu vermeiden, wieder in den Händen der Routiniers Philipp Kohlschreiber (Augsburg) und Florian Mayer (Bayreuth).

Die beiden Einzelspieler hatten am Freitag mit deutlichen Erfolgen für die 2:0-Führung gesorgt, nun müssen sie ihre Vorstellungen am Sonntag bestätigen. Kohlschreiber trifft im Spitzeneinzel auf Thomaz Bellucci (ab 13.00 Uhr/Sat1 Gold), Mayer spielt zum Abschluss der Begegnung gegen Rogerio Dutra Silva. Teamchef Carsten Arriens kündigte bereits vor dem Doppel an: „In den drei kommenden Spielen werden wir mindestens noch einen Punkt holen.“

Emmrich und Brands verbuchten ihren ersten Auftritt im Nationaltrikot in der Kategorie „lehrreiche Erfahrung“. Besonders Linkshänder Emmrich deutete jedoch an, dass er im Doppel ein Gewinn für das Team von Bundestrainer Arriens sein kann. Der Sohn des DDR-Rekordmeisters Thomas Emmrich flitzte am Netz entlang und beeindruckte mit Reaktionen, starken Returns und Übersicht.

Vater Thomas, der die Partie in Österreich am Rande der Senioren-WM verfolgte, sah sich bestätigt. „Martins Potenzial ist sehr gut, jedoch muss er noch weitere Erfahrungen sammeln und sich am Weltklassetennis im Doppel orientieren. Dann wird er fester Bestandteil des Teams in der Zukunft sein“, sagte er dem SID.

Brands, mit 26 Jahren jüngster Spieler im DTB-Team, brauchte dagegen mehr Anlaufzeit bei seinem Debüt. Dem 1,96 Meter großen Einzelspieler, der bislang die beste Saison seiner Karriere spielt und derzeit auf Platz 60 in der Weltrangliste steht, war die Nervosität anzumerken. Kaum ein Return flog übers Netz, besonders mit der Rückhand offenbarte Brands Defizite.

SID

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