Paralympics

Radfahrer Hans-Peter Durst trägt die Tokio-Verschiebung  wegen Corona mit Fassung

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Training auf der Sonnenterrasse: Para-Athlet Hans-Peter Durst.

Aufgrund der Coronakrise muss der Para-Athlet auf die Teilnahme an seinen dritten Paralympics erst einmal verzichten. Der 61-jährige Dortmunder trainiert derzeit auf der Sonnenterrasse.

Dortmund - Die Trainingsfläche von Hans-Peter Durst misst derzeit knapp 20 Quadratmeter, was für einen Radsportler geradezu absurd klingt. Doch der 61-Jährige Dortmunder beherzigt den Hashtag #stayathome mit großer Konsequenz. Das Rollentraining mit seinen beiden Dreirädern findet auf der Balkonterrasse seiner Stadtwohnung in der zweiten Etage statt. „Wir sind als Athleten schließlich auch Vorbild“, sagt der zweifache Goldmedaillengewinner von Rio de Janeiro 2016, wo er das Straßenrennen und das Einzelzeitfahren gewonnen hatte.

Die Entscheidung, die nächsten Olympischen Spiele in Tokio und damit auch die Paralympics 2020 um mindestens ein Jahr zu verschieben, trug Durst am Dienstag mit Fassung. „Jetzt, wo es offiziell ist, gibt es schon ein kleines Tränchen in meine Augen. Aber wir haben bereits am vergangenen Donnerstag im Kreise meines Teams, meiner Familie und meiner Mediziner, die mich betreuen, beschlossen, nicht zu den Paralympics zu fahren. Einfach aus Gründen der Verantwortung. Die Weltgesundheit steht auf dem Spiel und wir machen fröhliche Spiele - wir hätten das niemandem verkaufen können“, glaubt der Dortmunder Para-Athlet: „Das wäre nicht zu vertreten gewesen. Von daher bin ich da jetzt relativ entspannt. Und wenn es tatsächlich nur bei dem einen Jahr Verzögerung bleibt, könnte ich 2021 als ältester paralympischer Athlet mich noch einmal aufraffen. Wenn es allerdings erst 2022 nachgeholt wird, was ich derzeit eher glaube, dann wird es wahrscheinlich für mich zu spät.“ Durst wäre dann 64 Jahre. Aber wenn man ihn heute so sieht, kann man guten Gewissens prognostizieren: 64 Jahre jung.

Durst hätte sich die Entscheidung "früher gewünscht"

Der gebürtige Allgäuer hätte sich die gestern getroffene Entscheidung „früher gewünscht“, doch weiß er auch um die Tragweite und Komplexität eines solchen Entschlusses „Das ist oftmals nicht so einfach“, sagt Durst, der 1994 nach einem Autounfall seinen Gleichgewichtssinn verloren hatte. So seien zum Beispiel die Wohnungen im Olympischen Dorf mitten in Tokio bereits verkauft und sollen im Oktober den neuen Besitzern übergeben werden. „Das sind ja Ebenen, die kann man nicht einfach ignorieren“, sagt Durst, der als ehemalige Führungskraft in der Brauereibranche auch diese Dinge im Blick hat.

Hans-Peter Durst gewann bei den Paralympics 2016 zwei Goldmedaillen.

Kritik übt er trotzdem. „Ich hätte mir etwas anderes gewünscht: Nämlich dass die Kommunikation der Verbände mit den Athleten früher eingesetzt hätte.“ Durst hätte sich vorstellen können, dass die Verbände erfahrene Athleten in den Prozess mit einbezogen hätten. „Außerdem hätte ich mir vom Nationalen Paralympischen Komitee gewünscht, dass es früher seine Stimme erhoben und gesagt hätte: Wir sind aus Gründen der Verantwortung nicht dabei.“ So wie es beispielsweise auch die Norweger und Kanadier getan hätten, die frühzeitig ihren Verzicht erklärt hatten.

Großes Lob an Fechter Max Hartung

Wichtig sei aber, dass jetzt die Entscheidung nun getroffen worden wäre. Als wichtige Signalgeber auf dem Weg dorthin hätten nach Meinung von Durst nicht nur Kanada und Norwegen gedient. Sondern im eigenen Land auch Max Hartung. Der Fechter und Athletensprecher hatte am vergangenen Wochenende den eigenen Start in Tokio ausgeschlossen, auch wenn es ihm „das Herz breche“. „Das war für uns alle überraschend, aber gut“, sagt Durst: „Dieser Mut ist ihm hoch anzurechnen. Damit hat er an anderen Stellen einiges bewegt.“

Durst selbst will jetzt auf seiner Sonnenterrasse beim täglichen vierstündigen Training „weiter Vitamin D tanken“ und hofft, dass es „alles gut ausgeht“ mit dem Coronavirus. - Jens Greinke

Quelle: wa.de

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