"Das war mein bestes Rennen"

Björndalen holt Gold - Deutsche enttäuschen

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Ole Einar Björndalen auf dem Weg zum Gold.

Sotschi - Ole Einar Björndalen hat beim ersten Biathlon-Wettbewerb in Sotschi mit seinem siebten Olympiasieg die Favoriten düpiert. Die Deutschen enttäuschten.

Nach der beeindruckenden Lehrstunde von Altmeister Ole Einar Björndalen wären die deutschen Biathleten am liebsten im Boden versunken. „Das war eine richtige Packung! Mir ist das völlig unerklärlich und ich schäme mich ein bisschen“, sagte Christoph Stephan nach dem Debakel für die DSV-Skijäger beim ersten Biathlon-Rennen bei den Winterspielen in Sotschi.

Während die 40 Jahre alte Legende aus Norwegen im Sprint schon sein siebtes Olympiagold einfuhr und an die Spitze der olympischen Rekordlisten stürmte, enttäuschte das deutsche Quartett völlig. Simon Schempp belegte als Bester nur den 15. Platz.

Björndalen überquerte bei traumhaften Bedingungen unter Flutlicht mit einem Lächeln die Ziellinie. Mit seiner zwölften Medaille bei Winterspielen seit 1994 im heimischen Lillehammer ist er nun mit seinem großen Landsmann Björn Dählie gleichgezogen. Der Rekordweltmeister entschied das Rennen über 10 km bei seiner sechsten Olympia-Teilnahme trotz eines Schießfehlers für sich und geht damit am Montag als Favorit in die Verfolgung.

Sollte Björndalen, der wegen seines Siegeshungers auch „der Kanibale“ genannt wird, auch dort gewinnen, würde er Dählie auch als erfolgreichsten Olympia-Sportler aller Zeiten überholen. „Das war mein bestes Rennen“, sagte Björndalen nach seinem Coup. Silber ging mit einem Rückstand von 1,3 Sekunden an den Österreicher Dominik Landertinger. Bronze holte sich der Tscheche Jaroslav Soukup (5,7 Sekunden zurück).

Eigentlich war vor dem Rennen ein weiteres Kapitel im Gigantenduell zwischen Björndalens Landsmann Emil Hegle Svendsen und dem französischen Gesamtweltcupsieger Martin Fourcade erwartet worden. Doch mit jeweils einem Schießfehler mussten sich die Topfavoriten in den Bergen von Krasnaja Poljana mit den Plätzen neun und sechs zufrieden geben.

Den Sprung in die Top 10 haben die deutschen Skijäger in ihrer erfolgreichsten Olympia-Disziplin (viermal Gold, viermal Silber, einmal Bronze) trotz Medaillenhoffnungen gar nicht erst geschafft. Mit einer fehlerfreien Leistung am Schießstand hatte Simon Schempp 42,9 Sekunden Rückstand. Bei der Sotschi-Generalprobe in Antholz hatte der 25-Jährige aus Uhingen zuletzt seine ersten beiden Weltcupsiege gefeiert - bestätigte diese Leistungen in der Loipe aber nicht. „Ich habe mich nicht ganz frisch gefühlt, auf der Strecke hat es nicht so gut funktioniert“, sagte Schempp.

Erik Lesser (Frankenhain/1 Fehler), Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld/3) und Christoph Stephan (Oberhof/2) landeten auf den Plätzen 21, 34 und 57. Vor allem die extrem anspruchsvolle Laufrunde bereitete dem Quartett große Probleme. „Es war brutal hart vom ersten Meter an. Vielleicht habe ich die zwei Fehler nur geschossen, weil ich nur noch geschielt habe“, sagte Stephan: „Es ist bitter, dass uns so ein Rennen ausgerechnet hier passiert. Einfach blöd.“

Damit droht den deutschen Biathleten bereits nach dem ersten Rennen eine weitere Demütigung wie bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver, als die Männer erstmals in der Geschichte ohne Medaille geblieben waren.

Die Frauen um Medaillenkandidatin Andrea Henkel (Großbreitenbach) starten am Sonntag (15.30/18.30 Uhr MEZ/OZ) im Sprint über 7,5 km in die Winterspiele. Neben Doppel-Olympiasiegerin Henkel treten Evi Sachenbacher-Stehle (Reit im Winkl) sowie die Youngster Franziska Preuß (Haag) und Laura Dahlmeier (Partenkirchen) an.

sid

Maskottchen der Olympischen Spiele

Bilder: Maskottchen der Olympischen Spiele

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