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Ausnahmezustand in Vancouver - Sonne in Sicht

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Die olympischen Ringe leuchten am Mittwoch in Vancouver - die Stimmung steigt © AP

Vancouver - Eine Woche vor Eröffnung der XXI. Olympischen Winterspiele herrscht in Vancouver der Ausnahmezustand, das deutsche Team hat am Donnerstag offiziell die Operation Olympia gestartet.

Anfang kommender Woche soll die Sonne das triste Grau an der kanadischen Pazifik-Küste verdrängen. In der Olympia-Metropole haben rund 16 000 Soldaten und Polizisten das Kommando in der Luft, zu Wasser und an Land übernommen. Straßen werden gesperrt, kriminelle Gang-Mitglieder festgenommen und Olympia-Kritiker in zugewiesene Protestzonen verbannt. “Das Level der Bedrohung für die Winterspiele ist gering, es gibt keine ernsthaften Hinweise auf Aktivitäten“, erklärte Bud Mercer, Chef des olympischen Sicherheitsdienstes. “Es gibt aber einen Plan B, da können wir schnell hochschalten.“

Wenn die knapp 5500 Athleten, Trainer und Betreuer sowie rund 350 000 Besucher in den kommenden Tagen in der kanadischen Olympia- Region eintreffen, können sie sich sicher fühlen. Die Marine kontrolliert die Küste mit Schiffen und Tauchern. Soldaten patrouillieren auf Skiern und Motorschlitten in den Bergen, der Luftraum ist um die olympischen Dörfer in Vancouver und Whistler in einem 50-Kilometer-Radius gesperrt, und 50 deutsche Schäferhunde schnüffeln nach gefährlichen Stoffen. Erste große Bewährungsprobe wird die Eröffnungsfeier am 12. Februar mit rund 40 Staatsoberhäuptern aus aller Welt sein. Sportminister Thomas de Maizière (CDU) wird Deutschland vertreten.

Mit wenigen Minuten Verspätung, aber voller Zuversicht ist das deutsche Team nach Vancouver gestartet. Vor allem auf den Zubringer- Flügen nach Frankfurt/Main mussten Sportler und Offizielle Wartezeiten in Kauf nehmen. Der Optimismus bei Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), war dennoch ungetrübt: “Wir freuen uns, dass es los geht. Unsere Sportler und Sportlerinnen werden erfolgreiche und sympathische Botschafter unseres Landes sein.“ Bach machte sich mit zwölf Eisschnellläufern, sechs Shorttrackern und einigen Offiziellen auf den Weg nach Vancouver.

Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma wird nach ihrer Ablehnung des Team-Arztes Gerald Lutz vom Mediziner der deutscher Shorttracker, Mario Bottesi, betreut. Das bestätigte ihr Manager Klaus Kärcher am Donnerstag der dpa. “Dies ist ein Kompromiss, aber nicht die optimale Lösung zur Betreuung einer so verdienstvollen Athletin“, sagte Kärcher. Bach sicherte Friesinger-Postma eine hervorragende medizinische Betreuung zu. Gleichzeitig versuchte der DOSB-Chef, die Gemüter zu beruhigen: “Das ist sicher der Aufregung vor den Olympischen Spielen geschuldet. Aber wir können nicht für jeden Athleten einen persönlichen Arzt mitnehmen.“

Der große Gold-Check

Die Olympia-Helden vergangener Tage erwarten einen harten Kampf der deutschen Mannschaft um ihre Spitzenposition als Wintersportnation Nummer eins. “Warum soll Deutschland immer Erster sein? Ein Rang unter den ersten drei Nationen wäre auch nicht schlecht“, sagte Gunda Niemann-Stirnemann, dreifache Olympiasiegerin im Eisschnelllauf, in einer dpa-Umfrage. Skeptisch äußerte sich Ex- Rodlerin Sylke Otto: “Es wird immer härter, die anderen schlafen ja nicht.“ 2006 in Turin hatte das deutsche Team elfmal Gold, zwölfmal Silber und sechsmal Bronze geholt.

Unkalkulierbar bleibt das Wetter, das den Organisatoren nicht nur im nur 930 Meter hoch gelegenen Cypress Mountain, dem Austragungsort für Snowboarder und Ski-Freestyler, Sorgen bereitet. Aber es soll besser werden: Nach regnerischen Wochen soll das Grau über der Olympia-Region Anfang kommender Woche immer mehr durch Sonnenschein aufgeheitert werden. Dies wird vor allem der Präparierung der Pisten in Cypress Mountain erleichtern. Die Temperaturen werden dort aber auch weiterhin bei vier Grad Celsius liegen und in Nächten nur knapp unter den Gefrierpunkt fallen.

Nach Cypress Mountain muss Schnee aus höheren Berglagen herangeschafft werden, um die Pisten optimal für den ersten Medaillenkampf am 13. Februar vorzubereiten. Helikopter und Lastwagen transportieren die weiße Pracht seit Tagen rund um die Uhr, teilweise aus 300 Kilometer entfernten Gebieten. Die Bedingungen für die alpinen und nordischen Skiläufer in der Bergregion von Whistler sind dagegen gut. Am Donnerstag gab es leichten Schneefall bei Temperaturen um null Grad Celsius. In Vancouver herrschen dagegen bei 10 Grad Celsius fast frühlingshafte Verhältnisse.

dpa

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