Andy Schleck erobert Gelb - Contador dran

Andy Schleck bei seiner Ankunft im Ziel
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Andy Schleck bei seiner Ankunft im Ziel

Saint-Jean-de-Maurienne - Der Luxemburger Andy Schleck hat auf der 9. Etappe der Tour de France das Gelbe Trikot erobert. Nur ein Fahrer konnte ihm auf der schweren Alpenetappe folgen.

Sie spielten Katz und Maus mit der Konkurrenz und degradierten Lance Armstrong und den mit gebrochenem Arm gestarteten Cadel Evans zu geschlagenen Statisten: Die 97. Tour de France hat sich auf das Duell Andy Schleck gegen Alberto Contador reduziert. Auf der letzten große Alpenetappe dominierten die beiden Kletterspezialisten das gesamte Fahrerfeld und sorgten am Dienstag für ein weiteres Favoritensterben.

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

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Diesmal erwischte es den Australier Evans, der krachend einbrach und sein Gelbes Trikot an Schleck verlor. Der 25-jährige Luxemburger führt jetzt mit 41 Sekunden vor Vorjahressieger Contador das Gesamtklassement an. “Das sieht sehr vielversprechend aus“, sagte sein treuer Helfer Jens Voigt. Evans hatte für seinen 8:09-Minuten- Verlust auf Tagessieger Sandy Casar eine Entschuldigung: Er war am Morgen in Morzine trotz eines diagnostizierten Armbruchs gestartet.

Den Tagessieg auf der verrückten 9. Etappe sicherte sich nach 204,5 Kilometern der Franzose Casar einen Tag vor dem Nationalfeiertag. Er war von einer zwölfköpfigen Ausreißergruppe übriggeblieben und siegte vor Luis-Leon Sanchez aus Spanien und dem Italiener Damiano Cunego. “Ich habe die letzten 30 Kilometer an nichts anderes mehr gedacht als an die Ziellinie“, meinte der glückliche Tagessieger.

“Es ist wunderschön zu wissen, dass Andy ins Gelb fahren wird“, schilderte Voigt seine Gefühlslage unterwegs, der sich einmal mehr für seinen Kapitän in den Kampf warf. “Er hat unglaubliche Arbeit geleistet“, lobte ihn Schleck. “Wir sind heute nicht gegen Evans gefahren, wie wollten das Gelbe Trikot und es hat geklappt. Andy und Contador waren heute die Stärksten“, freute sich Schlecks Saxo-Bank- Teammanager Bjarne Riis.

Vor zwei Tagen hatte die Tour die Götterdämmerung des Rekordsiegers Lance Armstrong erlebt. Der einstige Dominator ist inzwischen zum blassen Mitläufer geworden. In diese Kategorie gehört jetzt auch Evans, in dessen Gesicht sich vor der abschließenden Abfahrt über 32 Kilometer Wut, Verzweiflung und Schmerz spiegelten. Vor zwei Tagen hatte der 33-Jährige noch von seiner “bisher besten Tour“ geschwärmt. Im Ziel war er in Tränen aufgelöst.

Der große Schlagabtausch zwischen den Topfahrern aus Spanien und Luxemburg spielte sich auf dem grausamen Col de la Madeleine ab, dem letzten von fünf Anstiegen. Bei der 25 Kilometer langen Klettertortur auf 2000 Höhenmeter zündeten Schleck und Contador auf der Verfolgung einer Spitzengruppe ein Feuerwerk, an dem sich fast alle die Finger verbrannten.

Auch Armstrong musste 48 Stunden nach seinem Debakel von Morzine wieder erkennen, dass er nicht mehr zur ersten Wahl gehört und verlor weiter an Boden. Allerdings hielt sich sein Rückstand mit 2:50 Minuten gemessen an Evans noch im Rahmen.

Auf der Abfahrt vom Startort Morzine hatte sich eine zwölfköpfige Spitzengruppe gebildet. In ihr fuhren auch die deutschen Profis Jens Voigt und Johannes Fröhlinger vom Milram-Team. Nach anstrengenden Führungsarbeiten für seine Kapitäne Fabian Cancellara und Andy Schleck fand der 38-jährige Voigt zum ersten Mal bei dieser Tour zu alter Leidenschaft zurück und versuchte sein Glück in der Flucht nach vorne.

In der entscheidenden Schlussphase unterstützte er noch für einige Kilometer den von hinten mit Contador kommenden Schleck. Dann waren die beiden entwischt und Voigt musste abreißen lassen.

Der jüngere der Schleck-Brüder wird trotz seiner bekannten Schwäche im Zeitfahren nicht erst seit Dienstag allgemein als ärgster Widersacher des Vorjahressiegers gehandelt. Er fühle sich “in der Form meines Lebens“ und könne “alle schlagen“, hatte der Luxemburger vor dem Start der 9. Etappe zu Protokoll gegen. In den folgenden Stunden hatte er daran kaum Zweifel gelassen.

Das kurze Aufbäumen von Fröhlinger, der im Finale wie viele andere einbrach, konnte die Mienen im Milram-Team kaum aufhellen. Der Sponsor Nordmilch bestätigte laut Teamchef Gerry van Gerwen noch einmal unmissverständlich, im nächsten Jahr keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung zu stellen. Van Gerwen hofft jetzt auf andere Geldgeber.

dpa

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