ALBA-Geschäftsführer Baldi: "Das geht an die Eingeweide"

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Marco Baldi übt Kritik an der Liga. Foto: Ole Spara

Nach der verpassten Sensation in der Euroleague richtet ALBA Berlin den Fokus auf das Pokal-Wochenende. Im Halbfinale kommt es zum Spitzenduell mit Bamberg. ALBA-Geschäftsführer Baldi übt deutliche Kritik an der Liga.

Berlin (dpa) - Fragen an ALBA Berlins Geschäftsführer Marco Baldi nach dem Zwischenrunden-Aus in der Euroleague gegen Titelverteidiger Maccabi Tel Aviv. Bereits am Samstag steht das nationale Pokal-Halbfinale gegen die Brose Baskets aus Bamberg an.

Was bleibt nach dieser Euroleague-Saison?

Marco Baldi:Nach so einem Spiel ist die Enttäuschung riesig. Man hatte nicht das Gefühl, dass Maccabi so weit weg ist, dass man da nicht rankommt. Unter dem Strich war es eine fantastische Saison. Das Bewusstsein war da, dass diese Chance nicht so oft kommt, deshalb sind jetzt alle ziemlich weit unten. Wir müssen es rausschütteln, es geht gleich weiter. Wir haben nicht die Möglichkeit, es groß zu sezieren.

Ist es eine Chance, dass man direkt das nächste wichtige Spiel hat oder ein Risiko, weil man so weit unten mit dem Kopf ist?

Baldi:Nein, das ist nicht gut. So ein Spiel wie heute, das geht an die Eingeweide. Das Spiel spürt man als Spieler, da zieht's. Du hast Körner gelassen, du musst schnell versuchen, das Objektiv in die andere Richtung zu drehen und das heißt: Bamberg.

Was ist schwieriger - mental oder physisch umzuschalten?

Baldi:Mental. Es kommt ein völlig neuer Gegner, eine völlig neue Situation. Auf die Saison betrachtet wird uns dieses Spiel heute zwar viel geben. Aber vor einem Pokalspiel gegen den Tabellenführer, der eine Sensationsphase hat und eine Woche Zeit zur Vorbereitung hatte - da ist man schon erstmal hin.

Sie werfen der Liga vor, dass ALBA das frühe Halbfinale spielt und Gastgeber Oldenburg um 20.00 Uhr gegen Bonn ran darf. Macht dies wirklich einen Unterschied?

Baldi:Es geht nicht um drei Stunden. Wer Leistungssport betreibt und das nicht nur vom Schreibtisch aus, sondern aktiv, weiß, dass ein 17.00-Uhr-Spiel vom Tagesablauf her ganz anders ist als ein 20.00-Uhr-Spiel. Dann kann ich kein halbintensives Training am Vormittag machen. Wenn man nur einen Tag Zeit hat, macht das einen gigantischen Unterschied. Wenn man sich wünscht, dass deutsche Clubs international hohe Ziele anstreben, kann ich sie am Ende nicht bestrafen. Jeder, der sagt, drei Stunden machen keinen großen Unterschied, der hat sich offensichtlich mit Leistungssport nicht beschäftigt.

Vor zwei Jahren gewann ALBA als erstes deutsches Team ein Spiel im Top 16, jetzt steht die bislang beste Bilanz. Inwiefern ist im deutschen Basketball ein positiver Trend zu erkennen?

Baldi:Ich weiß nicht, ob das ein Trend ist. Natürlich ist noch Luft. Wenn wir wollen, dass deutsche Teams international nachhaltig erfolgreich sind, müssen wir auch Weichen stellen. Die BBL kann nicht sagen, wir wollen das, sondern sie muss es auch tun. Ich will nicht wieder die Diskussion mit Ligagröße und so anfangen. Aber man stelle sich mal vor: Wir kommen tatsächlich unter die letzten Acht. Da hat es keiner vorgesehen spielplantechnisch. Ich kann mich nicht hinstellen und sagen: Wir sind überall in der Spitze, nur sportlich noch nicht, das müssen die Clubs mal hinkriegen. Ich muss die Voraussetzungen schaffen. Diesen Spießrutengang, den wir dieses Jahr hatten - das ist jetzt keine Beschwerde - aber es ist ungewöhnlich.

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