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In die Wüste geschickt (6): Wracks, Staub und Sand

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Immerhin sitzt kein Geier auf dem Wrack am Eingang der Wüste. Ansonsten sieht der japanische Geländewagen, der allerhöchstens drei Jahre jung ist, bemitleidenswert und nach mehrfachem Überschlag aus. Alle Scheiben zersprungen, die Reifen zerschnitten, das Dach eingedrückt.

Ein paar Meter weiter steht Yazan, weiße Zähne blitzen unter einem schwarzen Schnurrbart. Er lacht und sagt: „Welcome to the desert!“ Dann deutet er aufs Wrack und sagt, dass dieser Fahrer doch etwas übermotiviert gewesen sei.

Die Sonne brennt schon am frühen Morgen herab, auch wenn die Temperaturen erträglich sind. Vor uns stehen drei Touareg. Keine Berber aus der Sahara, die sich verlaufen haben, sondern drei

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Jens Greinke

Geländewagen. Da mir Yazan als sehr gediegener arabischer Herr und wenig übermotiviert erscheint, steige ich vertrauensvoll zu ihm in den Wagen. Dann rollt das bullige Fahrzeug los. Zunächst ein paar hundert Meter über gut befahrbare Sandpiste, dann abseits, dann noch mehr abseits. Der Wagen hüpft und rollt in vertikaler und horizontaler Richtung. „You like it?“, fragt Yazan, während ich den Gurt stramm ziehe und hektisch nicke. Dann lässt er die Maske fallen, sagt, dass er passionierter Rallye-Fahrer ist, gibt Gas und rast eine extrem steile Düne hinauf, sodass in der Frontscheibe nur noch der Himmel zu sehen ist. Hinter uns bleibt eines der beiden weiteren Fahrzeuge stecken. Yazan scheint etwas verärgert über die kleine Zwangspause.

Wir driften und hoppeln durch die Wüste, vorbei an den geliebten Campinglager der Katarer. Wir begegnen Kamelen und sehen große Trinkwasserlaster, die die Vorratstanks der Camper auffüllen. Wir reiten auf den Dünenkämmen oder gleiten steile Rampen herunter. Dummerweise öffne ich bei einem von Yazans Powerslides das Seitenfenster: Ein Schwall von feinstem arabischen Wüstensand fliegt mir entgegen. „Ha, ha, ha“, lacht Yazan, der Motor heult auf wie ein Wüstenlöwe, dem ein Dorn in der Pfote steckt. Dann schleudert er weiter wie ein Derwisch durch den Sand. Nach gut zwei Stunden steige ich leicht vibrierend aus, drücke Yazan dankbar die Hand und denke frei nach Johannes Mario Simmel: Hurra, wir leben noch.

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