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In die Wüste geschickt (5): Fast im Himmel über der Wüste

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Gerhard Foltin ist ein weltgewandter Mann, der einen guten Schneider hat und schnell eine angenehme Gesprächs-Atmosphäre schaffen kann. Vor gut 40 Jahren kam der Garmisch-Partenkirchener nach Doha und eröffnete ein Hotel mit Tennisplatz. Heute ist er braun gebrannt und General-Direktor von „The Torch“, dem Schalker Mannschaftshotel.

Von Jens Greinke

Man könnte sagen, dass Foltin in seinem Leben hoch hinaus wollte. Und, dass er es geschafft hat.

300 Meter reckt sich dieser Hotelturm in die Höhe, es ist das höchste Gebäude im weiten Umkreis. Nur die Skyline von Doha in gut 15 Kilometern Entfernung, wo die Wolkenkratzer abends wie überdekorierte Weihnachtsbäume blinken und glitzern, hat in vertikaler Hinsicht mehr zu bieten. Torch ist englisch und heißt Fackel. Der Turm, der 2006 anlässlich der Asien-Spiele fertiggestellt wurde, hat auf der obersten Plattform eine überdimensionalen Ölbrenner, der eine riesige Flamme produzieren kann.

Manchen Menschen wird ja schon flau, wenn sie in Hitchcocks „Vertigo“ James Stewart die Treppe zum Glockenturm hochtaumeln sehen. Mir zum Beispiel. Als die PR-Managerin von „The Torch“, eine gewisse Frau Eisenbeiss, zur Besichtigung lädt, stellt sich prompt ein flaues Gefühl im Magen ein.

Die Express-Aufzüge brauchen gut zwei Minuten bis ganz nach oben in den 51. Stock, die enorme Geschwindigkeit macht sich als Druckgefühl in den Ohren bemerkbar. Im 47. Stock Zwischenstopp im Restaurant „Three Sixties“, wo ein pakistanischer Fensterputzer, der draußen über dem Abgrund an einem Seil baumelt, freundlich winkt und lächelt. Der Akrophobiker wendet sich mit Grauen ab. Weiter geht es bis zur obersten Plattform, von wo man eine grandiose 360-Grad-Rundumsicht hat. Zum Glück hinter dicken Glasscheiben. Über einem thront nur noch die gigantische Fackel und der Himmel über der Wüste, der greifbar nahe scheint. „Leider haben wir gerade kein Öl für die Fackel, um sie zu entzünden“, sagt Frau Eisenbeiss. Ölkrise am Persischen Golf? „Nein, nein“, beruhigt die Dame: „Aber die Fackel benötigt ein ganz besonderes Öl, was wir derzeit nicht vorrätig haben.“

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