Interview mit Schalke-Talent:

Wechsel hätte für Max Meyer keinen Sinn gemacht

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Max Meyer im Trainingslager in Doha.

DOHA - Vor genau einem Jahr war er in Doha endgültig in die Profi-Kader aufgerückt, zwölf Monate später haben sich sowohl die Erwartungen des Vereins auch als seine eigenen erfüllt: Die sportliche Entwicklung von Max Meyer war sicherlich einer der positivsten Aspekte in 2013, einem für den FC Schalke 04 eher durchwachsenem Jahr.

Jens Greinke sprach mit dem 18-jährigen Talent im Schalker Mannschaftshotel in Doha.

Herr Meyer, Sie sind in Oberhausen aufgewachsen. Welcher Verein war eigentlich Ihre fußballerische Jugendliebe?

Max Meyer: Als ich noch klein war und mit zehn, elf Jahren in Duisburg gespielt habe, war mein Lieblingsverein Bayern München. Aber das hat sich dann in den Jahren gelegt. Mit zwölf, dreizehn war ich gar kein richtiger Fan mehr. Als ich mit 14 in die Schalker Jugendabteilung kam und in der Arena Balljunge wurde, habe ich mich mit dem königsblauen Virus angesteckt. Heute bin ich Schalke-Spieler und Schalke-Fan.

Was assoziieren Sie heute mit dem Namen Schalke 04?

Meyer: Hier wurde ich Profi, ich habe dem Verein viel zu verdanken. Ich spiele jetzt seit fünf Jahren hier. Und es ist, ehrlich gesagt, komisch, dass ich es hier jetzt geschafft habe. Das hatte ich mir erst gar nicht vorstellen können. Jetzt bin ich live dabei mit Spielern, denen ich damals noch als Balljunge zugeguckt habe. Spieler wie Jefferson Farfan. Oder Kevin-Prince Boateng, den ich damals bei der WM 2010 für Ghana habe spielen sehen, als ich noch in der C-Jugend war. Es ist ein Traum, in dem ich gerade lebe, auf jeden Fall.

Wie viel Talent braucht man und wie viel Arbeit muss man aufwenden, um diesen Sprung zu schaffen?

Meyer:  Talent ist das eine. Aber es gehört auch viel Glück dazu. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Es gibt ja den Begriff des „ewigen Talents“. Das soll mir nicht passieren. Ich glaube, dass ich meine Chance am Ende der Bundesliga-Hinrunde erst einmal genutzt habe. Aber es gehört auch weiter harte Arbeit dazu. Ich habe schon als Schüler jeden Tag zwei, drei Mal trainiert, alles drehte sich damals um den Fußball. Heute bringt es mich weiter, dass ich damals so viel trainiert habe.

Was war der größte glückliche Zufall, der Ihnen bislang widerfahren ist?

Meyer: Zum Beispiel die EM 2012 mit der U 17-Nationalmannschaft, als wir erst im Finale gegen die Niederlande verloren und ich zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Danach wurde sehr viel über mich geschrieben. Das war ein kleiner Sprung in die richtige Richtung, ebenso wie die letzten zwei, drei Monate, in denen ich fast jedes Spiel absolviert habe. So kann es weitergehen.

Inwieweit haben Sie von den vielen Verletzungen Ihrer Mannschaftskameraden profitiert?

Meyer: Klar. Ich glaube, jeder junge Spieler bekommt meist dann seine Chance, wenn sich jemand anderes verletzt. Das gehört zum Geschäft.

Sie haben Ihr Talent eine zeitlang mit Futsal, einer Art Hallenfußball, gefördert.

Meyer:  Für offensive Spieler ist das eine gute Schule. Ich habe es damals, mit zehn Jahren, einmal die Woche gespielt, vier Jahre lang. Das hat sehr viel gebracht. Ich habe mich damals mit Kumpels auch für Kleinfeld-Turniere angemeldet, bei den man drei gegen drei gespielt hat. Auch auf dem Schulhof haben wir jeden Pause gekickt. All das zusammen war für meine Entwicklung sehr wichtig.

An welchen Dingen arbeiten Sie momentan am intensivsten?

Meyer: Hauptsächlich sollte ich noch ein bisschen robuster werden. Nach dem Training arbeitet Peter Hermann (Anmerkung d. Red.: Co-Trainer) oft mit uns jungen Spielern, das bringt einen auch weiter.

Was war auf dem Weg zum Fußballprofi bislang das Wichtigste, das Sie gelernt haben?

Meyer:  Dass man auf alle Fälle Geduld mitbringen muss. Es kann lange dauern, bis man seine Chance erhält. Ich war auch schon neun Monate dabei, bis es richtig los gegangen ist. In der Zeit gibt es natürlich Höhen und Tiefen. In Nachhinein ist bei mir aber alles sehr gut verlaufen.

...und Sie haben sich in der Bundesliga mittlerweile akklimatisiert.

Meyer: Ja. Und ich merke, dass sich meine Gegenspieler mittlerweile auf meine Spielweise eingestellt haben. Vorher kannte man mich kaum, da wurde ich nicht so attackiert wie jetzt. Im Spiel gegen Nürnberg zum Beispiel hatte ich es immer direkt mit zwei Mann zu tun, wenn ich den Ball hatte.

Sie haben zuletzt meist auf der Zehn gespielt, bekannterweise Ihre Lieblingsposition.

Meyer:  Ja, klar. Ich freue mich, dass ich dort spielen kann. Aber ist ja kein Problem für mich, wenn Julian Draxler oder Kevin-Prince Boateng dort spielen. Die beiden sind auf dem Platz momentan vielleicht noch variabler und können auch auf anderen Positionen Topleistungen bringen.

Mit Kevin-Prince Boateng ist ein internationaler Star in die Mannschaft gekommen. Wie haben Sie ihn bislang erlebt?

Meyer: Ich komme mit Kevin sehr gut klar. Er hilft mir sehr, auf und neben dem Platz. Er ist wie ein großer Bruder für mich.

Wie schwer wiegt die Nummer 7 noch auf Ihrem Rücken?

Meyer: Gar nicht. Es war eine große Auszeichnung, die Nummer, die Raul vorher hatte, zu erhalten. Aber ich habe mir darum nie einen großen Kopf gemacht. Ich sehe die 7 jetzt als Nummer wie jede andere an.

Ihr Profivertrag wurde im Dezember vorzeitig bis 2018 verlängert. Wie wichtig war Ihnen das?

Meyer: Es war in erster Linie der Verein, der auf mich zugekommen ist. Ich fühle mich hier sehr wohl. Wichtig war, dass die Perspektive stimmt. Ich habe zuletzt viel gespielt. Deshalb fiel die Entscheidung nicht allzu schwer.

Der AC Florenz hatte ein Angebot abgegeben, angeblich war auch der FC Chelsea an Ihrem Engagement interessiert. Waren das ernstzunehmende Alternativen?

Meyer: Nein. Ich bin gerade 18. Das würde es keinen großen Sinn machen, ins Ausland zu einem Top-Klub zu wechseln. Ich bin hier gut aufgehoben. Ich habe hier alles, was ich brauche.

Welche Etappenziele haben Sie sich für 2014 gesetzt?

Meyer: Erst einmal, möglichst verletzungsfrei zu bleiben und so viele Spiele wie möglich zu machen. Und dass wir mit der Mannschaft erfolgreich sind und erneut die Qualifikation für die Champions League schaffen.

Wie groß ist der Wunsch für Sie, nach Ihrer erfolgreichen Zeit in den U-Mannschaften des DFB den Sprung ins A-Team zu schaffen?

Meyer: Groß. Ich bin ja Deutscher und würde später sehr gerne mal für die deutsche Nationalmannschaft spielen. Aber ich bin ja erst 18.

Gab es schon einen Kontakt zu Bundestrainer Jogi Löw?

Meyer: Nein, noch nicht.

Wie werden Sie im Sommer die Fußball-WM in Brasilien verfolgen?

Meyer: Zuhause mit meinen Eltern und Freunden, denke ich. Mal schauen.

Quelle: wa.de

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