Interview vor Duell mit Königsblau

VfB-Keeper Zieler: Gegen Schalke erwarte ich einen Fight

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Ron-Robert Zieler wechselte im vergangenen Sommer von Leicester City zum VfB Stuttgart.

Ron-Robert Zieler, Keeper des VfB Stuttgart, spricht über das Duell mit Schalke 04, seine WM-Hoffnungen, England und die Situation bei den Schwaben.

Hamm - Als dritter Torwart feierte Ron-Robert Zieler 2014 mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft den WM-Triumph in Brasilien. Das sechste und bislang letzte Länderspiel bestritt der Schlussmann des Bundesligisten VfB Stuttgart allerdings vor fast drei Jahren.

Vor dem Heimspiel am Samstag gegen den FC Schalke 04 (15.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker) sprach der 28-Jährige mit Marcel Guboff über seine WM-Hoffnungen, die Attraktivität der Premier League, die Lage bei den Schwaben sowie über das anstehende Duell mit den Königsblauen.

Herr Zieler, als gebürtiger Kölner: Mit wie vielen Sorgenfalten schauen Sie auf den FC?

Ron-Robert Zieler: Das ist ja mal eine gute Einstiegsfrage (lacht). In erster Linie liegt der Fokus natürlich auf dem VfB, wir sind auch in einer schwierigen Situation. Aber als gebürtiger Kölner hat man natürlich auch ein Auge darauf, was der FC macht, zumal mit Simon Terodde jetzt auch ein sehr guter Freund von mir dort spielt. Es freut mich, dass sie aktuell diesen Aufschwung haben und dass Simon dort so gut zurecht kommt. Aber da muss man natürlich abwarten, die Rückrunde ist lang.

Wie Sie bereits sagten: Mit aktuell vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz ist der VfB auch nicht allzu frei von Sorgen.

Zieler: Wir wissen um die Situation und wollen da auch nichts schön reden. Wir wussten aber schon vorher, dass wir eine schwierige Saison vor uns haben. Man darf dabei nicht vergessen, dass wir Aufsteiger sind. Wir müssen uns der Situation stellen. Es gibt immer Höhen und Tiefen, die gehören dazu. Damit müssen wir umgehen können – das tun wir auch. Wir gehen konzentriert an die Sache heran. Es wird eine schwierige, lange Rückrunde, aber ich bin mir sicher, dass wir die Qualität haben, um in der Liga zu bleiben.

Das klingt so, als sei Ihre Entscheidung für den VfB nach wie vor die richtige?

Zieler: Ich bereue überhaupt nichts. Ich bin froh, dass ich im Sommer die Möglichkeit hatte, zurück in die Bundesliga zu wechseln. Der VfB ist unbestritten ein großer Verein und hat ein tolles Umfeld mit vielen Möglichkeiten.

Zumal es zuvor bei Leicester nicht so lief, wie Sie sich das vorgestellt hatten?

Zieler: Das ist klar, sonst wäre ich vielleicht gar nicht gewechselt. Ich wollte regelmäßiger spielen, als ich das in Leicester getan hab. Das war ein Hauptgrund für meinen Wechsel. Auch rein sportlich hat es sich gelohnt.

War die Zeit bei Leicester ein kleiner Knick in Ihrer Karriere?

Zieler: Es war trotz allem eine Erfahrung: Ich habe Premier League und Champions League spielen dürfen. Aber aus rein sportlicher Sicht war es natürlich eine schwierige Phase. Aber Höhen und Tiefen gehören zu einer Karriere und zu den Erfahrungen eines Sportlers dazu. Ich denke, dass mich dieses Jahr in England charakterlich und sportlich weitergebracht hat. Ich möchte es nicht missen.

Sie kannten sich ja vorher schon in England aus, waren von der U18 bis zur U23 bei Manchester United. Unterscheidet sich die Ausbildung dort von der in Deutschland?

Zieler: Der Vergleich ist gar nicht so einfach. Manchester United hat damals schon versucht, die besten Spieler aus ganz Europa dorthin zu holen. Es gibt sicherlich ein paar Unterschiede – auch, was die Torhüter-Ausbildung angeht. Die Denkweise ist ein bisschen anders. Sie wollten uns aufs Profi-Geschäft vorbereiten, was in Manchester sehr gut funktioniert hat. Aber auch in Deutschland wird gute Arbeit geleistet, das zeigen auch die Erfolge in den U-Nationalmannschaften. Aber die Engländer haben auch dahingehend aufgeholt und bringen gute, eigene Jungs hoch.

"Fußball ist in England fast schon wie eine Religion"

Warum ist die Premier League denn so reizvoll für viele Spieler?

Zieler: In England wird der Fußball extrem gelebt. Es gibt vier professionelle Ligen, die Stadien haben historischen Charme, die Fans sind unmittelbar am Spielfeldrand. Selbst in der Dritten und Vierten Liga sind die Stadien noch gut gefüllt. Fußball ist in England fast schon wie eine Religion. Hinzu kommt, dass der Fußball sehr attraktiv, direkt, schnell und körperbetont ist. Es geht rauf und runter. Die Spiele sind schön anzusehen, die Premier League ist kult geworden mit all ihren Traditionsvereinen.

Das Niveau ist also ein anderes als in der Bundesliga?

Zieler: In der Breite der Qualität ist die Premier League der Bundesliga voraus. Das hat sicherlich auch mit den TV-Geldern zu tun. Die englischen Vereine haben unheimlich große Möglichkeiten. Aber es ist nicht nur so, dass sie viel Geld haben – sie investieren es auch gut. Daher ist es sehr ausgeglichen, auch wenn Manchester City aktuell mit unheimlich vielen Punkten Vorsprung Tabellenführer ist. Aber das ist eine Seltenheit, normalerweise ist es dort sehr spannend bei immer fünf, sechs Titel-Anwärtern. Vor zwei Jahren gab es dann das Wunder mit Leicester City, so etwas macht die Liga interessant.

Es steht auch die These Raum, dass die Premier League die beste Liga der Welt sei.

Zieler: Mit so einer Bezeichnung tue ich mich schwer, aber sie gehört unbestritten zu einer der besten und interessantesten, eben weil sie so ausgeglichen ist. Es gibt fast jede Woche ein Top-Spiel. Aber auch die Vereine in Deutschland arbeiten gut, das darf man nicht vergessen.

In puncto Torhüter hat Deutschland im Vergleich zu England noch die Nase vorn.

Zieler: Das ist natürlich auch schwierig, wenn sich in der Premier League einige der besten Torhüter der Welt tummeln wenn man etwa auf David de Gea, Thibaut Courtois oder Hugo Lloris schaut. Da haben es die englischen Torhüter nicht einfach. Dabei gibt es auch da einige, die ihren Job sehr gut machen. Ein Joe Hart hat es zum Beispiel nicht so schlecht gemacht, wie es manchmal dargestellt wurde. Aber das stimmt schon: In Deutschland haben wir auch in der Breite sehr, sehr gute Torhüter, deswegen hat Bundestrainer Joachim Löw da die Qual der Wahl – nicht nur auf der Torwart-Position.

Keine Gedanken an die WM 2018 

Dennoch ist der Eindruck da: Es gab eine Generation von Manuel Neuer über Ron-Robert Zieler bis Marc-Andre ter Stegen, die sich um die Plätze streitet, aber aktuell ist von derartigen Überfliegern weniger zu hören.

Zieler: Es fing an mit Manuel Neuer und Rene Adler, darin erinnere ich mich noch sehr gut. Ein, zwei Jahre später habe ich dann die Möglichkeit bekommen – und dann kamen unheimlich viele junge, gute Torhüter dazu, die auf höchstem Niveau spielen können. Ein Torwart lebt ja auch von seiner Erfahrung und wird besser, das macht es für die neue Generation nicht leicht, da nachzuziehen. Wenn ich in der Bundesliga auf die Torwart-Positionen schaue, sind die fast alle sehr, sehr gut besetzt. Daher haben die Klubs wenig Bedarf, dort etwas zu verändern. Aber wir haben in Jugend-Mannschaften auch das ein oder andere Talent dabei, das das Potenzial hat, sich in der Bundesliga durchzusetzen.

Also leiden die jungen Keeper unter Neuer, ter Stegen, Zieler und Co.?

Zieler: Es mag eine Rolle spielen, dass die Positionen da gut besetzt sind. Aber auch wir müssen immer wieder unsere Leistung bestätigen.

Wie sehr beobachten Sie die Lage bei Manuel Neuer?

Zieler: Ich bin viel zu weit weg, um das beurteilen zu können. Ich wünsche Manu gute Genesung und hoffe, ihn bald wieder auf dem Platz sehen zu können.

Im Hinspiel kassierte Ron-Robert Zieler mit dem VfB Stuttgart auf Schalke eine 1:3-Niederlage. Mittlerweile stehen der Torwart und die Schwaben im Abstiegskampf gehörig unter Druck.

Von ihm könnte es abhängen, ob sich Ihre Chancen auf ein WM-Ticket erhöhen.

Zieler: Um ehrlich zu sein, mache ich mir über die Nationalmannschaft aktuell keine allzu großen Gedanken. Der ganze Fokus gilt dem VfB. Es geht darum, die Klasse zu halten. Alles andere liegt ohnehin nicht in meinen Händen.

Sven Ulreich hat jüngst gesagt, dass es Schalkes Ralf Fährmann eher verdient hätte als er.

Zieler: Da sind wir wieder an dem Punkt, dass wir bei den Torhütern in der Breite sehr, sehr gut aufgestellt sind. Ralf Fährmann hat in der Tat in den letzten Jahren in einer sehr guten Mannschaft sehr konstante Leistungen gezeigt, das muss man anerkennen. Am Ende muss der Bundestrainer entscheiden.

Käme es für Sie in Frage, zu einem Verein zu gehen, bei dem Sie wissen, dass Sie die klare Nummer zwei sind und Ihre Aussichten auf Einsätze im Normalfall an einer Hand abzählbar sind?

Zieler: Ich habe im Sommer bewusst den Schritt nach Stuttgart gemacht, auch, um wieder regelmäßig zu spielen und stehe total dahinter. Im Augenblick stellt sich die Frage nicht.

Weil Sie regelmäßig beim VfB spielen, mit dem Sie aus den jüngsten sechs Spielen nur drei Punkte holten.

Zieler: Wirklich?

Zieler: Schalke präsentiert sich als Einheit

So sagen es zumindest die Datenbanken.

Zieler: Dann wird es stimmen (lacht). Wir haben uns zuletzt tatsächlich schwer getan. Vor allem der Dezember ist nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben, auch wenn da ein paar schwieriger Gegner hatten. Wir waren eigentlich auf einem guten Weg, haben in den letzten Wochen aber zu viele Punkte liegen gelassen und uns das Leben dadurch selbst schwerer gemacht. Wichtig ist, dass wir jetzt nicht die Nerven verlieren. Es gilt, an ein paar Schrauben zu drehen.

Welche Schrauben müssen Sie in Stuttgart am meisten nachjustieren?

Zieler: Es gibt immer Bereiche, in denen man sich verbessern muss. Wir müssen versuchen, stabil zu stehen und vor allem nach vorne hin wieder gefährlicher werden. Manchmal waren wir auch gar nicht so weit weg und haben nur die Kleinigkeiten, auf die es aber oft ankommt, nicht für uns entscheiden können. Es war nie so, dass wir total untergegangen sind. Wir müssen einfach weiter dran bleiben, beißen, mutig sein und dürfen unser Selbstvertrauen nicht verlieren.

Auswärts tun Sie sich unheimlich schwer, holten bislang nur einen Punkt in der Fremde. Warum tut sich Stuttgart in der Fremde so schwer?

Zieler: Diese Frage stellen wir uns natürlich auch. Oft sind wir gar nicht so weit weg davon, haben aber nicht das nötige Quäntchen Glück – oder treffen in den wichtigen Momenten nicht die richtige Entscheidung. Dann laufen die Spiele schnell gegen dich. Der Mut und das Selbstbewusstsein, das wir zuhause haben, fehlt uns auswärts einfach teilweise. Es klingt fast schon wie eine Durchhalteparole, aber wir müssen einfach dran bleiben und zusehen, dass der Knoten auswärts platzt.

In der Heim-Tabelle ist der VfB dagegen Fünfter. Warum sorgt Schalke nicht für die dritte Niederlage im eigenen Stadion in dieser Saison?

Zieler: Die Bundesliga ist zu ausgeglichen, um so etwas sicher sagen zu können. Es wird wieder ein schwieriges Spiel. Die Schalker machen es dieses Jahr sehr gut. Mit dem Trainer und dem ganzen Team habe ich das Gefühl, dass sich dort eine Einheit präsentiert. Sie haben auch schon gute Leistung gezeigt. Es wird nicht einfach für uns, ich erwarte ein enges Spiel, einen richtigen Fight. Wir brauchen jeden Punkt, dementsprechend werden wir uns mit unseren Fans im Rücken präsentieren: Wir wollen aus diesem Spiel unbedingt etwas Zählbares mitnehmen.

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Quelle: wa.de

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