Verkorkste Saison und umstrittene Satzungsänderung

Neue Risse: Unruhe vor Schalker Mitgliederversammlung

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Gelsenkirchen - Es gibt am Sonntag viele Gründe, auf die Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 gespannt zu sein. Nach der verkorksten Saison dürfte es nämlich nicht nur zu einer Abrechnung mit Sportvorstand Horst Heldt und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies kommen, die in den zurückliegenden zwölf Monaten nur wenige Sympathien hatten sammeln können.

Zum anderen geht es auch um eine umfangreiche Satzungsänderung. Diese wird in großen Teilen von der Mitgliederschaft zwar als positiv angesehen. Auf Kritik stößt allerdings der Umstand, dass sämtliche Änderungen en bloc abgenickt werden sollen. Denn es gibt zumindest zwei unter den insgesamt zehn geplanten Neuerungen, die auf eine recht große Ablehnung stoßen.

Horst Heldt

Für Irritationen sorgt dabei im Vorfeld insbesondere das geplante neue Wahl- und Ernennungsverfahren für den Ehrenrat. Dieses Gremium, das aus fünf Personen besteht, soll laut Satzung vor allem als Schlichter bei Streitigkeiten zwischen Mitgliedern oder zwischen Mitgliedern und dem Verein oder Vereinsorganen agieren. Für viele Schalker gilt es mittlerweile allerdings als eine Art „Tribunal“, das nicht immer zimperlich mit den vorgeladenen Personen umgehen soll.

Bislang wurden die Mitglieder dieses vereinsinternen Schiedsgerichts in einer Blockwahl alle zwei Jahre vom Aufsichtsrat bestimmt, was vielen ein Dorn im Auge war. Doch auch der neue vorgeschlagenen Wahlmodus geht vielen Schalkern nicht weit genug, weil mögliche Kandidaten für den Ehrenrat weiterhin de facto von den Vereingremien benannt werden und sich erst danach der Wahl auf der Mitgliederversammlung stellen dürfen.

Stefan Barta

So taten sich schon vor der Versammlung Risse zwischen Mitgliederschaft und Verein auf. Nach Informationen unserer Zeitung wurden die sieben Mitglieder des unabhängigen Wahlausschusses, aus dessen Reihen teilweise scharfe Kritik am Wahlverfahren geübt wurde, am Donnerstag und Freitag vor den Ehrenrat zitiert. „Ich habe vor zwei Wochen eine schriftliche Vorladung erhalten. Der Termin sollte unbedingt vor der Versammlung stattfinden. Auf mehrfache Nachfrage, warum ich dort erscheinen sollte, erhielt ich keine Antwort“, sagt Wahlausschuss-Mitglied Stefan Barta im Gespräch mit unserer Zeitung. „Als ich dann sagte, dass ich den Termin in diesem Fall nicht wahrnehmen werde, haben sie mir mit Sanktionen gedroht“, so Barta weiter. Jetzt müsse er eine Geldstrafe oder gar den Vereinsausschluss befürchten.

Nach unserer Recherchen sind vier der sieben Wahlausschussmitglieder der Vorladung gefolgt. Der Verein selbst gab auf Anfrage keine Informationen über den Grund der Vorladung oder die Anzahl der vorgeladenen Mitglieder heraus. „Der Ehrenrat behandelt satzungsgemäß Angelegenheiten, die immer intern gehandhabt werden“, so Schalkes Mediendirektor Thomas Spiegel.

Ebenfalls auf Kritik stößt der Vorschlag von Vorstandsmitglied Peter Peters, die bereits jetzt mögliche Sonder-Umlage vom einfachen auf den dreifachen Mitgliedsbeitrag zu erhöhen. Dies gäbe dem Verein die Möglichkeit, von jedem der über 130.000 Mitglieder zusätzlich 150 Euro einzuziehen, also knapp 20 Millionen Euro zu generieren. Zwar müssten die Mitglieder dann noch einmal gesondert darüber abstimmen, ob die Umlage tatsächlich eingezogen wird. Doch vielen in der Schalker Vereinsfamilie stößt der Vorschlag von Peters sauer auf. Sie befürchten offenbar eine abgespeckte Version der von Clemens Tönnies im Februar vorgeschlagenen freiwilligen Sonderabgabe von 1000 Euro pro Mitglied – damals verspottet als „Tönnies-Tausender“.

Fest steht: Es dürfte mal wieder unruhig werden, am Sonntag ab 13.04 Uhr in der Schalker Arena.

Quelle: wa.de

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