Exklusiv-Interview in Doha

Manager Horst Heldt über Giefer, Sam und Psychologie 

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Schalke-Manager Horst Heldt.

DOHA - Das Winter-Trainingslager des FC Schalke 04 ist beendet, vor der Mannschaft steht eine schwere Rückrunde, die möglichst mindestens auf dem vierten Tabellenrang enden soll. Mit welchem Gefühl und welchen Erwartungen Manager Horst Heldt nach Deutschland zurück kehrt, verriet er im Gespräch mit unserem Reporter Jens Greinke.

Herr Heldt, die Spieler haben Muskeln und Taktik trainiert. Was waren Ihre Aufgaben während der zehn Tage in der Wüste?

Heldt: Ich habe intensiv das Training verfolgt. Zudem habe ich viel beobachtet und ausführliche Gespräche mit den Spielern geführt.

Wie fällt Ihr Fazit dieser zehn Tage aus?

Heldt: Im Grunde hatten wir ein sehr gutes Trainingslager, aber was zählt ist, dass wir am Ende der Rückrunde mit unserer Leistung zufrieden sein können. Negativer Höhepunkt hier in Doha war sicherlich die Verletzung unseres Neuzugangs Jan Kirchhoff (Anm. der Redaktion: Riss des Syndesmosebandes). Das war ärgerlich und schade. Andererseits habe ich auch viel Positives hier gesehen. Spieler, die sich wieder heran gearbeitet haben wie Chinedu Obasi. Aber auch die fünf Nachwuchsspieler haben sich sehr gut präsentiert.

Wer von ihnen war besonders auffällig?

Heldt: Das ist schwierig zu sagen. Sie haben es alle sehr, sehr gut gemacht.

Zumindest fällt ein Donis Avdijaj vom Typ her auf, oder?

Aktuelles aus Doha:

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- Interview mit Alexander Jobst

- Interview mit Ralf Fährmann

Heldt (lacht):  Er hat schon recht früh recht viel Selbstverständnis. Es wird unsere Aufgabe sein, ihm gewisse Leitplanken zu setzen, damit er nicht über das Ziel hinaus schießt. Wenn er weiterhin an sich arbeitet und gut zuhört, ist er einer, der in der Zukunft den Unterschied und die Würze ausmachen kann. Kleine Anekdote am Rande:Nach dem Testspiel gegen Eintracht Frankfurt am Samstag saß er etwas geknickt in der Kabine und alle dachten, was ist denn jetzt los? Da hat er gesagt, dass er es noch nie erlebt habe, dass er zwei Spiele hintereinander kein Tor gemacht habe. Das hat ihn völlig fertig gemacht. (lacht)

Die Sportpsychologin Theresa Holst gehörte im Doha erstmals mit zum Betreuerstab. Haben sich Ihre Erwartungen in dieser Beziehung erfüllt?

Heldt:  Mehr als das. Wir haben ein durchweg positives Feedback von den Spielern bekommen. Ich bin zwar neugierig, worum es in den Gesprächen mit den Spielern ging, aber sie verrät uns nichts (lacht). Sie ist auffällig unauffällig. Und das ist genau der richtige Ansatz in ihrer Position.

Horst Heldt: Bilder seiner Karriere als Spieler und Manager

Horst Heldt: Bilder seiner Karriere als Spieler und Manager

Ihr Torwart Ralf Fährmann sagte, es sei für einen modernen, professionellen Fußballverein geradezu Pflicht, einen Sportpsychologen im Team zu haben.

Heldt: Der Vergleich hinkt vielleicht, aber es gibt mit Thomas Hitzlsperger, der sich zu seiner Homosexualität bekannt hat, ein weiteres großes Thema, das in anderen Sportarten selbstverständlich ist, im Fußball aber eine große Aufmerksamkeit auf sich zieht. Auch die Sportpsychologie sollte Normalität werden, sollte zum Alltag gehören.

Sie haben die Verpflichtung von Sidney Sam von Bayer Leverkusen im Sommer soeben bekannt gegeben. War ein Wechsel bereits im Winter angedacht?

Heldt: Nein. Das war es nicht.

Gibt es in der Winter-Transferphase noch weitere Verpflichtungen?

Heldt: Das müssen wir abwarten. Andere Vereine rüsten auf. Aber wir haben ja auch in Jan Kirchhoff investiert. Natürlich überprüfen wir den Markt. Aber wir können das Geld ja nur einmal ausgeben. Wir haben auf der Abgabenseite derzeit nichts vorzuweisen.

Ralf Fährmann hat als Nummer eins im Schalker Tor zuletzt gute bis sehr gute Leistungen gezeigt. Wie planen Sie auf dieser Position?

Heldt: Wir werden werden mit allen Torhütern das Gespräch suchen und über mögliche Perspektiven in der Rückrunde sprechen. Lars ist ja beispielsweise ein junger Torhüter, der sich Spielpraxis wünscht.

Es scheint ein offenes Geheimnis, dass Schalke den Keeper Fabian Giefer von Fortuna Düsseldorf verpflichten wird.

Heldt: Fabian Giefer ist ein interessanter Spieler, mit guten Qualitäten, der aber bei Fortuna Düsseldorf unter Vertrag steht.

Sie haben die Hinrunde analysiert und aufgearbeitet. Worauf wird in der zweiten Serie der Fokus gelegt?

Seit Monaten weisen viele Spieler immer wieder auf die große Qualität der Mannschaft hin, auf dem Platz kommt sie aber viel zu selten zum Tragen.

Heldt:  Im Grunde stimmen diese Aussagen. Wir haben diese Qualität im Kader. Aber es fällt eben schwer, wenn Schlüsselspieler fehlen. Dennoch: Am Ende müssen die Spieler Taten zeigen, da sind sie in der Verantwortung. Das muss und wird auch von uns eingefordert.

In der vergangenen Saison schaffte ihre Mannschaft quasi in letzter Minute den Sprung in die Champions League. Um wie viel schwerer wird die bevorstehende Rückrunde?

Heldt: Die Konkurrenz rüstet auf. Es wird spannend. Jede Mannschaft hat noch 17 Spiele vor sich und ausreichend Zeit, sich zu korrigieren und zu stabilisieren. Es wird schwierig, aber nicht unmöglich. Die Entscheidung wird auch dieses Mal spät fallen. Aber wir müssen in größeren Zyklen denken und nicht nur von Saison zu Saison. In fünf Jahren muss Schalke mindestens zwei Mal in der Champions League und einmal in der Europa League spielen. Dann sind wir auf dem richtigen Weg und kriegen alles unter einem Hut, was wir uns vorgenommen haben: Nämlich Verbindlichkeiten abzubauen und konkurrenzfähig zu bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: wa.de

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