Erfolgreiches erstes Jahr

Tedesco kann seine Saison auf Schalke krönen

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Klare Fingerzeige: Domenico Tedesco bei der Arbeit.

Das macht ihm so schnell keiner nach: Als Trainer-Novize steht Domenico Tedesco mit Schalke vor dem Einzug in die Champions League.

Gelsenkirchen - Die Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung, und so war Domenico Tedesco bei der Videoanalyse am vergangenen Montag froh, „sofort auf einer Wellenlänge“ mit seinen Spielern gelegen zu haben. Eine weitere Kabinenpredigt wegen des verschenkten Sieges beim 2:2-Remis beim 1. FC Köln war offenbar nicht notwendig, die tags zuvor vom Cheftrainer noch so ungewohnt offen gescholtenen Profis zeigten sich als mustergültige Angestellte: einsichtig, selbstkritisch und fokussiert.

So präsentierte sich auch Tedesco nach seinem Wutausbruch am Wochenende („arrogant“, „fahrlässig“) wieder milde, moderat und aufbauend. „Wir haben in Köln ein richtig gutes Spiel gemacht“, lobte der 32-Jährige den Auftritt beim Abstiegskandidaten. Wenn da eben nicht dieser Wucher bei der Chancenverwertung gewesen sei, der schließlich den Sieg verhindert hatte. Und der in den verbleibenden drei Saisonspielen nicht mehr auftreten soll.

Ein Sieg fehlt zur Qualifikation

Der Schritt zurück in die Königsklasse ist so gut wie gemacht, drei Zähler fehlen den Blauweißen noch, um sich sicher nach drei Jahren in der Champions League zurück zu melden. Ein Sieg heute gegen Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr) dürfte für Tedesco somit so nervenschonend wie ein Kamillentee sein. Dann hätte der Deutsch-Italiener seine erste Saison als Bundesliga-Trainer ähnlich imposant absolviert wie seine Ausbildung beim DFB als Fußballlehrer: mit Auszeichnung und mit Sternchen.

Der neue Trainer hat den Klub wieder wachgeküsst

Doch auch jetzt ist die Premieren-Saison des 32-Jährigen im Fußball-Oberhaus bereits eher im märchenhaften Bereich anzuordnen. Tedesco hat den unter seinem Vorgänger Markus Weinzierl sanft eingeschlummerten Klub wieder wachgeküsst. Die Vorurteile, ein kalkulierender und blasser Streber zu sein, widerlegte Tedesco schnell. Seine effiziente und manchmal sehr kühl wirkende Analytik macht der Jung-Coach durch viel Emotionalität und Authentizität wett. Während jedem Spiel wirkt er an der Seitenlinie im Tunnel wie ein Spieler im WM-Finale. Seine Verbindlich- und manchmal auch Herzlichkeit kommen bei den Spielern und auch den Fans gut an. So hat es der Fußball-Intellektuelle Tedesco geschafft, bei diesem extrem emotionalen Klub auch die Malocher-Facette glaubhaft abzudecken. Dass er keine Ehrfurcht vor großen Namen hat, hat Tedesco den Start auf Schalke zusätzlich erleichtert. Die Absetzung von Benedikt Höwedes als Kapitän plus Ausleihe nach Juventus Turin zu Saisonbeginn verlief zwar sehr unglücklich, war unter dem Strich aber eine nachvollziehbare Entscheidung, mit der sich letztlich auch zunächst geschockte Anhänger arrangierten.

Klagen hört man vom Deutsch-Italiener nur selten

Auch lamentiert Tedesco so gut wie nie. Die ablösefreien Abgänge von Leon Goretzka und Max Meyer werden Lücken im Kader hinterlassen, die nicht so einfach gestopft werden dürften. Klagen sind zumindest öffentlich deshalb nicht zu vernehmen. Und die Berichte von Sportvorstand Christian Heidel über die gemeinsame Kaderplanung deuten nicht darauf hin, dass dies hinter verschlossenen Türen anders ist. Tedesco wird vielmehr daran tüfteln, wie er die entstandenen Löcher stopfen wird.

Gegen die Gladbacher kann Tedesco seine Premieren-Saison mit dem Einzug in die Königsklasse krönen. Dass seinem Team zuletzt eine unattraktive Spielweise attestiert wurde, muss ihn zu diesem frühen Zeitpunkt seiner Karriere nicht tangieren. Vielmehr sind seine taktischen und personellen Finessen ein Versprechen auf eine interessante Zukunft auf Schalke.

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Quelle: wa.de

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