Protest gegen Ticket-Börse Viagogo

Stefan Barta: Ein Fan als Rebell auf Schalke

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Stefan Barta bei seinem Auftritt in der Arena am Sonntag.

GELSENKIRCHEN/HAMM - Unter den Fans des FC Schalke gibt es trotz Wechselpersonalien und Trainingslagers vor allem ein Thema: Der Sponsoren-Vertrag mit der Ticket-Börse Viagogo. Einer der Rebellen im Verein der Kumpel und Malocher ist Stefan Barta, Schalke-Fan von Kindesbeinen an.

Von Michael Girkens

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Inzwischen ist es amtlich: Der Schwarzmarkt für Tickets in der Arena auf Schalke ist legal. Das jedenfalls sagt Stefan Barta, Schalke-Fan seit Kindheit, „Jeder kann jetzt auf jeder Plattform Tickets zu jedem Preis verkaufen.“ Gründe dafür sind ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Hamburg – und der Sponsorenvertrag, den der Bundesliga-Club mit der Ticketbörse Viagogo geschlossen hat.

Der Hammer Barta hat am Wochenende mit Gleichgesinnten wie ein Löwe gegen diesen Sponsorenvertrag gekämpft, aber nur einen symbolischen Erfolg errungen. „Das OLG hat vor zwei Wochen geurteilt, dass ein Verein nicht mehr glaubwürdig gegen den Schwarzmarkt vorgehen kann, wenn er schon mal einen Vertrag mit einer Ticketbörse hatte“, sagt Barta.

Geklagt hatte in diesem Fall der Bundesliga-Club Hamburger SV gegen eine Ticketbörse. Deswegen hatte Barta gemeinsam mit Initiator Michael Eckl aus Regensburg auf der Schalker Hauptversammlung am vergangenen Wochenende versucht, den Sponsorenvertrag zu kippen – und was er an juristischen Winkelzügen dabei und im Vorfeld erlebt hat, lässt ihn an seinem Verein zweifeln. Und darum ging es: Viagogo ist jetzt offizielle Ticketbörse des FC Schalke und darf zusätzlich in einer Saison zehn Mal 300 Schalke-Tickets verkaufen.

Stefan Barta bei seinem Auftritt in der Arena am Sonntag.

Die Kritik daran: Es wird grundsätzlich weniger Karten zum Originalpreis geben als bislang. Die Nebenwirkung: „Bislang haben sich die Leute nicht getraut, ihre Tickets bei Ebay oder anderswo zu verkaufen, weil Schwarzhandel verboten war und die Gefahr bestand, dass die Tickets vom Verein gesperrt werden“, sagt Barta. Doch jetzt könne man seine Dauerkarte durch den Verkauf eines einzelnen Saisonspiels (gegen Bayern oder Dortmund) finanzieren. Die Fernwirkung: „Die Preisspirale wird sich weiter nach oben drehen, so dass sich immer weniger Menschen das Fußball-Event Schalke leisten können“, so Barta. Und er befürchtet, dass die jetzige Entwicklung in Zukunft zu „dynamic Pricing“ führt – das heißt: „Die ersten Tickets, die zu einem Spiel verkauft werden, kosten den Normalpreis, und je weniger Karten noch zu haben sind, desto teurer wird es.“

Barta und Eckl hatten zunächst eine außerordentliche Hauptversammlung gefordert – dazu brauchten sie etwa 8000 Unterschriften von Schalke-Mitgliedern. 7000 haben sie bekommen – obwohl der Verein das Sammeln der Unterschriften auf dem Vereinsgelände untersagte, und im Zusammenspiel mit der Stadt auch das Sammeln vor dem Vereinsgelände. Schalke untersagte auch das Verteilen von Flyern – und wer es dennoch tat, wurde des Stadions verwiesen – mit der Drohung: Das Verbot könne man auch ausweiten.

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So versuchten Barta und Eckl, Anträge auf der ordentlichen Hauptversammlung am vergangenen Samstag zu stellen. Aber ach: Alle zehn Anträge zum Thema wurden vom Aufsichtsrat um Clemens Tönnies ebenso nicht zugelassen wie die 25 weiteren. Formale Gründe mussten dafür herhalten – „wir hatten keine Chance“, sagt Barta.

Letzte Chance, sich auf der Hauptversammlung Gehör zu verschaffen, sei es gewesen, per Abstimmung ein Stimmungsbild der Vereinsmitglieder einzuholen – und selbst das versuchten die Juristen des Vereins zu verhindern. Die Gruppe um Barta und Eckl hatte aber selbst juristischen Beistand und setzte die Probeabstimmung schließlich durch – rund 80 Prozent der Mitglieder votierten gegen den Viagogo-Deal. Allerdings ohne bindende Wirkung.

Höhepunkt für Barta, war aber die Rede, die er vor 9000 Vereinsmitgliedern hielt – emotional und in Überlebensgröße übertragen. Die zehn Mal 300 Tickets sollten nicht an Viagogo gehen, forderte er, „sondern zehn Mal 300 Eintrittskarten für Menschen aus Gelsenkirchen, für Kumpel und Malocher, die sich das moderne Fußball-Event Schalke 04 nicht mehr leisten können.“ Von den Schalke-Chefs Tönnies, Peter Peters und Co. wollte Stefan Barta wissen, warum sie Viagogo den Malochern vorzögen. Eine Antwort hat er nicht erhalten.

Quelle: wa.de

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