Die Schalker verteilen in Leverkusen bittere Pillen

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LEVERKUSEN - Kevin-Prince Boateng marschierte durch den Kabinengang der BayArena und machte eigentlich einen ganz tiefenentspannten Eindruck. Bis der 26-Jährige plötzlich einen markerschütternden Urschrei losließ, der auch die letzte Hostess im Mannschaftstrakt verstört zurückließ.

Von Jens Greinke

Es war an diesem Abend der einzige Kommentar von Schalkes Führungsspieler Boateng, doch er war durchaus aussagekräftig. Denn wie er selbst strotzt sein Team weiter vor Energie, Siegeswillen und Selbstbewusstsein. Der 2:1 (1:0)-Erfolg bei Bayer Leverkusen am Samstagabend war der vierte Sieg im vierten Rückrunden-Spiel. Eine makellose Bilanz, die die Blauweißen innerhalb kürzester Zeit wieder in die Spitzengruppe der Liga katapultiert hat. Der Abstand auf das Werksteam, das den zweiten Platz verteidigen konnte, ist auf drei Punkte geschrumpft. Und auf den drittplatzierten BVB haben die Knappen nur zwei Zähler Rückstand. Dennoch geht der Blick der Verantwortlichen in die andere Richtung. „Wir brauchen nicht nach oben zu schielen. Wir müssen weiter nur auf uns schauen“, sagte Manager Horst Heldt, der zugab: „Das war ein glücklicher Sieg heute. Aber das ist vollkommen wurscht.“

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Tatsächlich hatte Leverkusen in diesem Spitzenspiel ebenfalls die Chance, den Platz als Sieger zu verlassen. Trainer Sami Hyypiä meinte sogar: „Wir waren die bessere Mannschaft und hatten die besseren Torchancen.“ Diese wurden allerdings nicht genutzt. Was einerseits am überragenden Schalke-Keeper Ralf Fährmann lag, dessen Leistung sein Trainer Jens Keller nachher verzückt mit „Weltklasse“ bezeichnete. Andererseits scheiterten die Leverkusener auch immer wieder an ihren eigenen Nerven, wie Gonzalo Castro, der beim Stande von 1:1 in der 72. Minute eine unfassbare Chance zur Führung vergab. Und nicht nur Leverkusen-Maskottchen „Brian“, ein eh schon kränklich wirkender Löwe, der aus irgendeinem Versuchslabor entlaufen scheint, schlug in diesem Moment geschockt die Hände über seinem blass-gelben Plüschschädel zusammen.

Wie Nervenstärke auf dem Platz aussieht, hatte Schalkes Nachwuchs-Talent Leon Goretzka in der 28. Minute beim Treffer zur 1:0-Führung gezeigt (siehe Text auf dieser Seite). Kurios war in der 66. Minute dann der Ausgleich gefallen: Nachdem Felipe Santana zunächst einen Kopfball von Sebastian Boenisch auf der Linie klärte, bugsierte der Schalker Innenverteidiger die nachfolgende Ecke unglücklich ins eigene Tor. „Der Ball sprang mir vor das Knie, ich konnte nichts machen“, haderte Santana mit dem Schicksal. Doch in der 73. Minute war es dann Klaas-Jan Huntelaar, der einen Freistoß von Jefferson Farfan mit dem Rücken zum Tor und per Kopf zum 2:1-Siegtreffer ins Tor verlängerte. Quasi ein Treffer mit verbundenen Augen, den der „Hunter“ nachher so erklärte: „Das hat man im Gefühl.“

So sind die Schalker derzeit die Mannschaft der Stunde. Und Horst Heldt tut alles, damit das möglichst lange so bleibt. Die große Kunst wird es für Verantwortlichen nun sein, die Spannung im Team aufrecht zu erhalten. „Wir reden jetzt über gar nichts, außer über das nächste Spiel gegen Mainz“, mahnt der 44-Jährige und ergänzt: „Ob wir Dritter oder Vierter sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht wichtig,“ Dass die Knappen mittlerweile sechs Punkte Vorsprung auf das Verfolgerfeld haben, dürfte allerdings auch Heldt ein klein wenig beruhigen.

Quelle: wa.de

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