Trainer Keller angezählt

Schalker Auf und Ab ist "unbegreiflich"

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GELSENKIRCHEN - Es wäre nicht unbedingt weit her geholt, die Mannschaft des FC Schalke 04 als derzeit größtes Mysterium im deutschen Profi-Fußball zu bezeichnen. Mal spielt sie einen Fußball, der durchaus mitreißen kann, dann wieder ähneln ihre Auftritte einer Slapstick-Show, die mehr Fassungslosigkeit als Amusement zurücklässt.

Von Jens Greinke

Manch einer sagt allerdings auch, dass die Mannschaft schlicht keinen guten Charakter habe.  Horst Heldt gehört ohne Zweifel zu den Menschen, die dank ihres Hintergrundwissens in der Lage sein müssten, eine exakte und genaue Einschätzung dieses Teams abzugeben. Aber der Manager sagt zumindest offiziell zum Auf und Ab: „Es ist auch mir unbegreiflich.“ Inoffiziell dürfte der 43-Jährige allerdings längst erkannt haben, wo die Probleme liegen, die den gesamten Verein derzeit immer wieder durchrütteln wie das Orkantief Xaver die deutsche Küste.

Eine Spur führt zu Jens Keller. Der 43-Jährige scheint mehr und mehr zu resignieren. „Eine Erklärung fällt mir unheimlich schwer“, sagte der gebürtige Schwabe nach dem 1:3 gegen 1899 Hoffenheim, das das Schalker Aus im DFB-Pokal bedeutet hatte. Um dann anzufügen: „Ich habe keine.“ Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, die immer bedrohlicher werdende Schlagseite zu beseitigen.

Mit dem Ausscheiden im DFB-Pokal-Achtelfinale wurde das erste Minimalziel der Saison verpasst, am Mittwoch droht in der Champions League ebenfalls das nach Vereinsverständnis zu frühe Aus gegen den FC Basel. Und auch im Spiel bei Borussia Mönchengladbach am Samstag könnte eine fatale Weichenstellung erfolgen: Im Falle einer weiteren Niederlage würde der Abstand der Schalker auf den anvisierten vierten Tabellenplatz auf sieben Punkte anwachsen.

Kellers Position im zuletzt nicht gerade homogenen Kader wird von Woche zu Woche schwächer. Risse innerhalb des Teams werden immer wieder deutlich, wie nach dem 0:0 in Bukarest, als es in der Mannschaftskabine ganz offensichtlich zu einer heftigeren Auseinandersetzung gekommen sein muss. Auch der Appell einiger Profis an die Teamkameraden, im nächsten Spiel doch endlich mal 100 Prozent zu geben, lassen gewisse Verwerfungen erahnen. Und Jens Keller scheint es nicht zu gelingen, diese zu glätten. Zudem drängt sich mehr und mehr der Verdacht auf, dass Keller ein Autoritätsproblem gewissen Spielern gegenüber hat.

Horst Heldt macht keinen Hehl daraus, dass ihm so langsam die Lösungsmöglichkeiten ausgehen. „Wir sind am Anschlag dessen, was die Alternativen angeht“, gibt der Manager unumwunden zu. „Normalerweise hat man den großen Hebel, das Personal zu tauschen, doch das ist bei uns aufgrund der vielen Ausfälle derzeit nicht möglich“, sagt Heldt weiter. Dass es noch einen größeren Hebel gibt, ist Heldt durchaus bewusst. Doch noch hält er Keller die Treue, gibt ihm zumindest Zeit bis zum Ende der Hinserie. „Wir werden die Situation nach dem letzten Hinrunden-Spiel gegen Nürnberg aufarbeiten“, sagt Heldt. Doch in dieser Beziehung ist vielleicht der Wunsch Vater des Gedankens. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, der gerne markig und öffentlichkeitswirksam auf den Tisch haut, soll am Dienstag nach dem 1:3 gegen Hoffenheim nur wenig amüsiert die Arena verlassen haben.

Wenn der Unternehmer aus Ostwestfalen eher den Daumen senkt, weil er weitere Saisonziele in Gefahr sieht, droht Keller jedenfalls eine frühere, nun ja, Aufarbeitung der Situation.

Quelle: wa.de

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