1:2 in Mönchengladbach

Keller wird mehr und mehr zur „lame duck“

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Max Meyer, bedrängt von Juan Arrango und Raffael, verlor mit Schalke auch in Gladbach.

MÖNCHENGLADBACH - Jens Keller verließ gemeinsam mit Co-Trainer Sven Hübscher als letzter Schalker den Ort des nächsten Rückschlages. Der 43-Jährige schwankte nach dem 1:2 (1:2) bei Borussia Mönchengladbach zwischen Enttäuschung, Wut und Resignation. Es war eine ungesunde Mischung an Emotionen, die der Schalker Trainer preis gab.

Von Jens Greinke

Nach dem peinlichen Pokal-Aus gegen 1899 Hoffenheim am vergangenen Mittwoch verloren die Schalker in Gladbach also ein weiteres so genanntes Schlüsselspiel. Die Niederlage gegen den direkten Konkurrenten um Platz vier hatte noch keine direkten Konsequenzen, war aber gefühlt ebenfalls ein verlorenes „Endspiel“.

Horst Heldt wies zwar zurecht darauf hin, „dass sieben Punkte zum jetzigen Zeitpunkt nichts bedeuten“. Doch sind sie bereits eine schwere Hypothek. Zumal die Gladbacher aktuell eher den Eindruck erwecken, sich in einer guten, stabilen Balance zu befinden. Der Erfolg gegen Schalke war der sechste Sieg in Folge, zugleich der achte Heimsieg hintereinander.

Das Team von Trainer Lucien Favre spielt einen selbstbewussten und durchdachten Fußball, hat zudem den Vorteil, keine Doppelbelastung mehr zu haben. Alles in allem gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison. Die Schalker hingegen hadern weiter mit sich selbst und anderen.

Am Samstag konzentrierte sich der ganze Ärger auf Schiedsrichter Felix Zwayer. „Wir sind heute klar benachteiligt worden“, begann Horst Heldt seine knurrige Spielanalyse. Der Schalker Manager mokierte sich über zwei Szenen: zum einen, als Kevin-Prince Boateng in der 16. Minute von Gladbachs Julian Korb im gegnerischen Strafraum zu Boden gezogen worden war und Zwayer zwar korrekt auf Eltmeter entschied, nach Meinung von Heldt aber auch eine Rote Karte hätte zeigen müssen.

„Korb war letzter Mann, es war ganz klar die Vereitelung einer Torchance“, so Heldt, den letztlich auch nicht der Umstand tröstete, dass Jefferson Farfan den Strafstoß zur 1:0-Führung genutzt hatte. Zum anderen empfanden die Schalker die Gelb-Rote Karte samt Elfmeter ebenfalls als ungerechtfertigt, als Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes den Ball mit dem Oberarm abgewehrt hatte (45.).

Schalke unterliegt bei Borussia Mönchengladbach mit 1:2

Nachdem der Ex-Schalker Raffael in der 25. Minute den Ausgleich markiert hatte, ließ sich Max Kruse die Chance nicht nehmen und erzielte noch vor dem Pausenpfiff das 2:1, das trotz guter kämpferischer Leistung der Schalker im zweiten Durchgang bis zum Schlusspfiff Bestand hatte.

Heldt versicherte nach der Partie zwar, dass Jens Keller auch am Mittwoch im nächsten wegweisenden Spiel gegen den FC Basel auf der Bank sitzen werde. Dennoch scheint der 43-Jährige mehr und mehr zu einem Amtsinhaber zu werden, den man in der Politik als „lame duck“ bezeichnet. Also jemand, der zwar noch im Amt ist, aber als handlungsunfähig gilt, weil sein Abschied bereits beschlossene Sache ist.

Nur wenige Beobachter glauben, dass sich der Coach bis Weihnachten in seinem Job wird halten können – selbst dann nicht, wenn die Mannschaft gegen Basel den Sprung in die K.o.-Runde der Champions League schaffen sollte. „Es gilt, in den nächsten Spielen Siege einzufahren“, sagte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies.

Wahrscheinlich geht es in den nächsten Tagen aber auch darum, einen neuen Trainer für den FC Schalke 04 zu finden.

Quelle: wa.de

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