Schalke wirkt bei 0:1 gegen Hoffenheim wie leblos

+
Wortkarg nach Schlusspfiff: Felix Magath. ▪

GELSENKIRCHEN ▪ Manuel Neuer als ein Fossil zu bezeichnen, wäre erstens nicht besonders höflich und zweitens auch ungerecht. Der junge Mann machte am Samstag zwar eine recht versteinerte Miene, wirkte aber ansonsten noch recht lebendig. Von Jens Greinke

Allerdings: Als Fossil bezeichnet der Paläontologe jegliches Zeugnis vergangenen Lebens. Und so gesehen könnte Neuer dann doch so tituliert werden. Denn er dürfte in Kürze der letzte Spieler aus jener Schalker Mannschaft sein, die in den vergangenen sechs Jahren fünfmal unter den ersten vier der Liga landete und drei Mal Vizemeister wurde. Aktuell spielt Neuer in einem Team, das so leblos wirkt wie ein versteinerter Flugsaurier. Und hätte der Nationalkeeper gegen 1899 Hoffenheim nicht mehrere Male in höchster Not gerettet, wäre sein Team mit einer weitaus höheren Heimpleite als nur einem 0:1 (0:1) nach einem Treffer von Vorsah (4.) abgefertigt worden. „Das war wohl nix“, sagte Neuer frustriert.

Der Frust steigt auch im Umfeld des Vereins immer weiter an. Zwar stehen die Schalker im Halbfinale des DFB-Pokals sowie im Viertelfinale der Champions League, doch wird mittlerweile deutlich, dass konzeptionell einiges schief läuft. Nachdem Felix Magath, der als Trainer und Manager sämtliche Fäden in der Hand hält, Ende der Woche bereits Ivan Rakitic zum FC Sevilla ziehen ließ, droht nun auch der Verlust von Jefferson Farfan an den VfL Wolfsburg. „Ich habe hier noch einen Vertrag, aber ich weiß nicht, ob ich bleibe“, sagte der Peruaner am Samstag. Farfan, ein streitbarer, aber hoch veranlagter Fußballer, wäre der 26. Spieler, der die Schalker während der bislang eineinhalbjährigen Amtszeit Magaths verlässt. Gleichzeitig hat Magath 33 neue Akteure geholt, weshalb auch der engagierte Fan in Sachen Personal leicht den Überblick verlieren kann. So tauchte am Samstag als Reserve-Spieler auf einmal wieder der längst verschollen geglaubte Sergio Escudero auf, während sich für 13-Millionen-Einkauf Jose Manuel Jurado nicht einmal ein Plätzchen auf der Ersatzbank fand. Nach welchem Plan er ein- und verkauft, hat Magath bislang noch nicht plausibel erklären können. Für Rakitic holte er den Ghanaer Anthony Annan von Rosenborg Trondheim, als Ersatz für Farfan steht offenbar der Frankfurter Patrick Ochs ganz oben auf der Wunschliste.

Angesichts der enormen Fliehkräfte auf Magaths Personal-Karussell scheint auch den Spielern immer wieder unwohl zu werden. Dass die Mannschaft keine Konstanz zeigt, ist angesichts der dauernden Veränderungen nicht verwunderlich. Doch es wird mehr und mehr deutlich, dass den Profis mehr und mehr der Spaß an ihrem Beruf vergeht. Gelacht wird beim Training unter Magath und seinem Stab im Vergleich zu anderen Mannschaften nur selten.

Der Coach zeigte sich am Samstag einsilbig und schmallippig. Hatte der 57-Jährige eine Woche zuvor nach dem 1:0 über Hannover 96 noch die Aufholjagd auf die Europapokal-Plätze ausgerufen, sagte er nun: „Darüber denke ich nicht nach.“ Auf die Frage, wie er sich die schwache Leistung seiner Mannschaft am Samstag erkläre, antwortete Magath knapp: „Vielleicht setzt sich der ein oder andere zu sehr unter Druck.“ Warum das der ein oder andere nach zwei Siegen in Folge und vor einem Spiel gegen den Tabellen-Achten 1899 Hoffenheim tun sollte, verriet Magath nicht.

Druck gibt es nun allerdings zu Genüge. Nicht nur, weil am Freitag das Revierderby beim BVB ansteht.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare