Schalke will nach Draxlers Flucht "Denkweise ändern"

Julian Draxler

Gelsenkirchen - Nach der Flucht des Weltmeisters Julian Draxler will Schalke 04 seine Fehler nicht wiederholen. Die nächsten Jungstars sollen nicht so hochgejubelt werden.

Mit wie viel Wehmut Horst Heldt den ersten Champions-League-Spieltag ohne Schalke 04 am Fernseher verfolgte, verriet der Sportvorstand nicht. Als Julian Draxler den VfL Wolfsburg gegen ZSKA Moskau zum Sieg schoss, dürfte sich der Manager der Königsblauen schon seine Gedanken gemacht haben. Der Weltmeister ist weg, die Königsklasse auch.

Die Lücke, die der teuerste Bundesliga-Transfer gerissen hat, sollen die nächsten Jungstars schließen. "Das ist die Chance für etwas Anderes, etwas Neues", sagte Heldt, der den 21-Jährigen für 35 Millionen Euro plus Nachzahlungen an den Vizemeister und Pokalsieger verkauft hat. Max Meyer (19), Leon Goretzka (20) oder Leroy Sane (19) sollen Draxler, einst als Gesicht des Vereins gehypt, vergessen machen. Doch eines sollen sie nicht werden - ein zweiter Draxler.

"Sucht jetzt nicht den neuen Julian Draxler!", bat Trainer Andre Breitenreiter: "Das ist völliger Quatsch." Schalke will seine Fehler nicht wiederholen. Dass das neben Welttorhüter Manuel Neuer größte Talent aus dem eigenen Nachwuchs seit Jahrzehnten vor dem Druck und den Erwartungen flüchtet, soll nicht noch einmal passieren. "Wir müssen die Denkweise verändern", mahnte Breitenreiter, "wir wissen alles um das Potenzial unserer hervorragenden Talente, aber wir dürfen sie nicht zu schnell zu groß machen."

Draxlers Konterfei war nach der Vertragsverlängerung vor zwei Jahren auf Kleinlastern durchs Ruhrgebiet gefahren worden, die Ausstiegsklausel mit einer festgeschriebenen Ablösesumme von 45,5 Millionen Euro publik geworden - kein Wunder, dass der hochtalentierte Mittelfeldspieler fortan besonders im Fokus stand.

Dass Breitenreiter seine schützende Hand über die jungen Spieler legen will, findet Goretzka "schön". Notwendig sei es aber nicht. "Letztlich sind wir auch in unserer Eigenverantwortung gefordert", meinte der Ex-Bochumer, der beim 2:1 gegen den FSV Mainz 05 als Kämpfer und Abräumer auf der Doppel-Sechs überzeugte. "Natürlich sind wir noch sehr, sehr jung, aber wir haben hier schon viel miterlebt. Damit werden wir schon fertig", sagte der U21-Nationalspieler.

Dem Abgang Draxlers gewann er sogar Positives ab. Erstmals seit anderthalb Jahren stand er wieder gemeinsam mit seinem Kumpel Meyer in der Startelf. "Dass wir uns darüber gefreut haben, konnte man auf dem Platz sehen", meinte er, "das war auch durch den Abgang von Jule möglich."

Meyer hat selbst erlebt, wie schnell man auf Schalke hochgejubelt werden kann. Vor zwei Jahren erdribbelte er sich als 17-Jähriger in seiner ersten kompletten Bundesligasaison schnell einen Stammplatz auf der Zehn, bekam die Rückennummer 7 des Weltstars Raul. Als er unter Trainer Roberto Di Matteo öfter auf der Bank saß, murrten die Fans und er selbst. Die Leistungskurve zeigte nach unten, auch unter Breitenreiter saß der kleine Dribbler zunächst draußen - bis Draxler flüchtete. - sid

Quelle: wa.de

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