Schalke unterliegt Bayern klar mit 0:4

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Schalke-Keeper Timo Hildebrandt kann nicht mehr hinsehen.

GELSENKIRCHEN - Ein Gespräch mit Kevin-Prince Boateng in der Mixed Zone erinnert schnell an Dialoge, die man aus Filmen kennt, die in irgendwelchen New Yorker Hinterhöfen spielen. Frage Journalist: "Kevin, wo siehst du Schalke nach dieser Niederlage gegen Bayern?" Antwort Boateng: "Ich sehe Schalke heute in Gelsenkirchen und am nächsten Mittwoch in Darmstadt." Und der Zuhörer sagt sich: Diese Antwort ist jetzt nicht unbedingt zielführend, aber schon irgendwie cool.

Obwohl die Schalker seit dieser Saison einen wie Boateng haben, also jemanden, der in jeder anständigen Jugendgang sofort zum Anführer gewählt werden würde, fehlt es ihnen weiter am notwendigen Mut, um gegen das Establishment der Branche erfolgreich zu rebellieren. Die 0:4 (0:2)-Niederlage gegen den FC Bayern München war unter dem Strich sogar das, was ein 0:4 eben ist. "Eine Klatsche", wie es Trainer Jens Keller treffend formulierte.

Gut 20 Minuten hatten die Schalker den Eindruck erweckt, sie könnten dieses Mal den großen FC Bayern tatsächlich ernsthaft in Bedrängnis bringen. "Doch wir haben unsere richtig gute Phase am Anfang nicht genutzt", gab Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes nachher zu. Ein Defensiv-Patzer von Boateng nach einer Ecke von Arjen Robben hatte das 0:1 durch einen Kopfball von Bastian Schweinsteiger eingeleitet. Und nur wenige Sekunden nach Wiederanpfiff durfte David Alaba in aller Seelenruhe auf den völlig frei stehenden Mario Mandzukic flanken, der zum 0:2 einnickte. "Diese Tore waren der Genickbruch für uns", bemühte Höwedes ein recht drastisches, aber stimmiges Bild. In der zweiten Halbzeit hatten Franck Ribery (75.) und Claudio Pizarro (84.) dafür gesorgt, dass dieses Spiel sogar historische Dimensionen annahm: Das 0:4 war die höchste Schalker Heimniederlage seit Eröffnung der Arena im Jahre 2001.

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Schalke verliert 0:4 gegen Bayern

Zudem war es eine Pleite, die viele der Schalker Schwächen recht gnadenlos aufzeigte. Einige Beispiele waren dabei besonders prägnant. Zum einen wurde am Samstag deutlich, dass Adam Szalai zwar ein guter Stürmer sein mag, aber einen Klaas-Jan Huntelaar nur schwer ersetzen kann. Szalai war dem anspruchsvollen Spiel seiner Partner in der Offensive (Boateng, Julian Draxler und Jefferson Farfan) zu keiner Minute gewachsen und ließ so die eine oder andere Chance versanden. Zum anderen war Atsuto Uchida mal wieder das Schalker Negativ-Beispiel in der Defensive. Der Japaner hinterließ auf der rechten Abwehrseite regelmäßig Lücken von scheinbar mehreren Hektar Größe, war in der Rückwärtsbewegung äußerst kommod und in einigen Situationen so weit vom Geschehen entfernt, dass man auf den ersten Blick befürchtete, er hätte zwischenzeitlich aus irgendwelchen dringenden Gründen den Platz verlassen müssen. Und im Schalker Tor fehlte Timo Hildebrand das, was seinem Gegenüber Manuel Neuer im Überfluss gegeben ist: eine unglaublich souveräne Aura gepaart mit einer beispiellosen und reaktionsschnellen Spieleröffnung.

Jens Keller begründete die Sollbruch-Stellen in seinem Team in erster Linie mit der unbestreitbaren Klasse des Gegners, den er als "beste Mannschaft der Welt" bezeichnete. Am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD und Sky) geht es für die Schalker nun im DFB-Pokal zu Darmstadt 98, ein Team aus dem Mittelfeld der 3. Liga.

Für die Meisterschaft bedeutete das 0:4 für die Schalker einen empfindlichen Rückschlag, der laut Benedikt Höwedes allerdings keine Auswirkungen aufs Gemüt haben wird. "Wir waren vor dem Spiel auf einem guten Weg. Daran sollten wir im nächsten Spiel wieder anknüpfen und die heutigen 70 Minuten ausklammern", sagte Schalkes Kapitän.

Da war es natürlich weitaus cooler, was Kevin-Prince Boateng abschließend zu sagen hatte. Angesprochen auf das Duell mit seinem Halbbruder Jerome meinte der 26-Jährige: "Er hat heute 4:0 gewonnen. Doch ich habe ihm gesagt, dass wir uns wiedersehen." - Jens Greinke

Schweinsteiger: Chef in Bayerns Mittelfeld

Nach 78 Minuten war sein Arbeitstag beendet. Im Gefühl des sicheren Sieges durfte Bastian Schweinsteiger das Feld verlassen und sich die letzten Minuten des 4:0-Triumphes genüsslich von der Bank anschauen. Zuvor hatte er eindrucksvoll bewiesen, wer der Chef im Mittelfeld der Bayern ist.

Bastian Schweinsteiger

Erstmals seit seiner Verletzung Ende August stand Schweinsteiger wieder von Beginn an auf dem Platz. Da zuletzt auch Javi Martinez und Thiago verletzungsbedingt ausfielen, füllte in den vergangenen Partien stets Philipp Lahm Schweinsteigers angestammte Position auf der "Sechs" aus. Gegen Schalke gab Lahm erneut den Abräumer vor der Viererkette, Schweinsteiger fand sich in der offensiven Mittelfeldreihe in Pep Guardiolas 4-1-4-1-System wieder. Von Beginn an forderte der Vize-Kapitän die Bälle und war überall auf dem Platz zu finden. Wurde Anfang der Saison noch über Schweinsteigers sehr defensive Auffassung der einzigen "Sechser"-Position im Bayern-Spiel diskutiert, war er gegen Schalke der Takt gebende Mann in der Offensivabteilung. 105 Ballkontakte standen bei seiner Auswechslung für Schweinsteiger zu Buche, mit einem davon brachte er seine Mannschaft nach verhaltenem Beginn auf die Siegerstraße. Nach einer Ecke köpfte Schweinsteiger die Münchner nach 21 Minuten in Führung und zog gemeinsam mit Mario Mandzukic und dessen 2:0 eine Zeigerumdrehung später den Stecker aus dem Schalker Spiel.

Der 29-Jährige sprühte vor Spielfreude, war überall auf dem Feld zu finden. "Er ist das Hirn unserer Mannschaft", so Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer. Schweinsteiger gefiel in der offensiveren Rolle, stark vor allem sein feiner Pass auf David Alaba vor dem 3:0 durch Franck Ribery. "Meine neue Rolle gefällt mir sehr gut. Es ist nur eine kleine Veränderung zum Vorjahr", erklärte Schweinsteiger und lobte das Kollektiv: "Wir sind das Spiel von der ersten Minute an sehr seriös angegangen, die Mentalität war da. Phasenweise war es schon sehr gut." Er selbst blieb bescheiden, in dem Wissen seinen Stellenwert für den FC Bayern einmal mehr bewiesen zu haben. - Sven Westerschulze

Quelle: wa.de

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