Unvermeidbare Diskussion

Kellers Zukunft nach Pokal-Aus ungewiss

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Peinlich, peinlich: Die Schalker Kevin-Prince Boateng und Jermaine Jones (rechts) nach dem Schlusspfiff.

GELSENKIRCHEN - Konstant ist nur die Inkonstanz. Schalkes Saison ist wie eine Achterbahnfahrt. Klasse-Spielen folgen Katastrophen-Auftritte. Nach dem 1:3-Pokal-Knockout gegen Hoffenheim sind Manager Heldt und Trainer Keller rat- und fassungslos.

Von Jens Greinke

Während die Schalker Profis aus der Mannschaftskabine kamen und sich der Reihe nach öffentlich und schamvoll für die gerade abgelieferten, miserableb 90 Minuten entschuldigten, fragten sich viele der blauweißen Fans auf ihrem nächtlichen Heimweg, was noch alles passieren muss, bis eben jene Spieler endlich mit Konstanz und Gewissenhaftigkeit ihrem Job nachgehen werden. Der ganz nebenbei ja auch nicht ganz so schlecht bezahlt wird.

Die unter dem Strich peinliche 1:3-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim und das damit verbundene Aus im Achtelfinale des DFB-Pokals spülte den FC Schalke 04 am Dienstag in ein neues Tal der Tränen. Zum wiederholten Mal enttäuschte die Mannschaft auf ganzer Linie und bot vor allem in der ersten Halbzeit „eine völlig indiskutable Leistung“, wie Manager Horst Heldt knurrig anmerkte, um danach in einer wahren Suada die Leistung des Teams en Abend in Grund und Boden zu schimpfen: „Das war desaströs. Nach dem 0:1-Rückstand haben wir Harakiri gespielt. So eine Partie habe ich noch nicht erlebt. Ich bin einfach maßlos enttäuscht. Mehr Antworten kann ich heute nicht geben.“

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Jens Keller war nicht nur rat-, sondern auch sichtlich fassungslos nach dem Auftritt seiner Mannschaft, die nur drei Tage zuvor beim 3:0-Erfolg über den VfB Stuttgart noch sämtliche Schalke-Symphatisanten entzückt hatte. „Die erste Hälfte war völlig indiskutabel. Ich hätte in der Halbzeit zehn Spieler auswechseln können“, sagte der völlig niedergeschlagene 43-Jährige, dessen Zukunft als Schalker Trainer mehr denn je in den Sternen steht. „Ich kann es nicht vermeiden oder beeinflußen, ob die Diskussion losgeht“, sagte Keller, dem die eigene Mannschaft mehr und mehr zum großen Mysterium zu werden scheint.

Mittlerweile drängt sich immer stärker der Verdacht auf, dass der recht unerfahrene Keller mit diesem Kader schlicht überfordert ist. „Keiner setzt um, was wir uns vorgenommen haben“, sagte der Coach am Dienstag resignierend. Was dechriffiert heißen könnte: Große Teile der Mannschaft interessiert es schlichtweg nicht, was der eigene Trainer erzählt. Dazu passt auch die bisweilen arrogante Einstellung der Mannschaft am Dienstag, die auch bei Keller den Eindruck hinterlassen hatte, „dass wir das Spiel hier heute mit links gewinnen“. Nach recht schwungvollem Auftakt mussten die Schalker innerhalb einer Viertelstunde den K.o. hinnehmen. Den Hoffenheimer Toren von Kai Herdlingh (21.), Kevin Volland (32.) und Roberto Firmino (35.) waren teils haarsträubende Fehler der Schalker voraus gegangen. „Wenn man so einen Scheiß spielt, kann man nicht weiterkommen. Es ist jedes Mal der gleiche Scheiß und dasselbe Blabla“, urteilte nachher Julian Draxler und spielte damit auf die Beteuerungen seiner Mannschaftskameraden ab, beim nächsten Mal doch wieder „100 Prozent zu geben“, wie es der völlig indisponierte Jermaine Jones ankündigte.

Für Jens Keller wird es langsam mehr als eng. Am Samstag steht das schwierige Duell beim direkten Tabellennachbarn Borussia Mönchengladbach an, den Mittwoch darauf kommt es in der Gelsenkirchener Arena zum „Endspiel“ gegen den FC Basel um den Einzug in die K.o.-Runde der Champions League.

Jens Keller könnte der Knockout hingegen schon eher ereilen. Seit Dienstagabend ist es jedenfalls mehr als fraglich, ob er am 16. Dezember sein „Einjähriges“ als Schalker Cheftrainer feiern kann.

Quelle: wa.de

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