"Viel zu negativ berichtet"

Schalkes Trainer Keller vor Chelsea-Spiel gereizt

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Jens Keller

LONDON - Jens Keller kam vermeintlich gut gelaunt zur kleinen Presserunde vor dem Abflug nach London und sagte mit gewisser Inbrunst über die anstehende Begegnung mit den FC Chelsea: "Das ist ein Highlight-Spiel, wir freuen uns wahnsinnig." Es dauerte allerdings nicht lange, da war der Schalker Trainer zwar nicht wahnsinnig, aber doch ziemlich gereizt.

Von Jens Greinke

Auf recht harmlose Fragen wie zum Beispiel nach den schwankenden Leistungen seiner Mannschaft reagiert der 42-Jährige mittlerweile dünnhäutig. Grund für Kellers Ärger: "Mir wird viel zu negativ über uns berichtet."

Dass auch nach dem 2:0-Auswärtserfolg bei Hertha BSC am vergangenen Samstag in der öffentlichen Wahrnehmung nicht alles eitel Sonnenschein war, scheint für Keller ein Mysterium. Auch in der Einschätzung der Heim-Niederlage gegen den FC Chelsea vor zwei Wochen war Keller die Mannschaft zu schlecht weg gekommen: "Immerhin hatten wir 58 Prozent Ballbesitz", führt der Coach statistische Belege für eine zumindest gleichwertige Leistung seines Teams an - ungeachtet dessen, dass diese am Ende mit 0:3 verloren hatte.

Die Kritik, die zuletzt auf ihn selbst niedergeprasselt war, nimmt Keller nicht an, ganz im Gegenteil. "Wenn ich diese unsachlichen Dinge an mich ranlassen würde, würde ich ja aus dem Fenster springen. Doch dafür ist mir mein Leben zu schön."

Der Schalker Anhang erwartet derweil mit Spannung, welches Gesicht die Mannschaft im Auswärtsspiel beim FC Chelsea (Mittwoch, 20.45 Uhr/Sky) zeigen wird. Der Auftritt in Berlin ließ tatsächlich zarte Hoffnung aufkommen. Zumindest bewies die Mannschaft in Sachen Einsatz und Kampfgeist bislang selten gezeigte Qualitäten.

Bilder vom Hinspiel:

Schalke verliert 0:3 gegen FC Chelsea

Die Laufleistung des Teams war gleich um mehrere Kilometer angestiegen, zudem stand die Abwehr endlich so stabil, dass sie am Ende ohne Gegentor geblieben war. Auch dank der bislang wohl besten Saisonleistung von Torwart Timo Hildebrand.

"Wenn wir auch gegen Chelsea lange die Null halten, käme uns das sicherlich entgegen", sagt Mannschaftskapitän Benedikt Höwedes, der in Berlin ebenfalls einen starken Auftritt hingelegt hatte. Für den Umstand dass die Schalker in dieser Saison allerdings auch immer wieder Spiele mit zu vielen Gegentoren gezeigt hatten, will der Abwehrchef nicht die alleinige Verantwortung übernehmen: "Wenn du viele Gegentreffer kassierst, hast du natürlich nicht viele Argumente. Aber ich habe schon sehr oft meinen Mann gestanden und stehe ja auch nicht allein auf dem Platz", sagt Höwedes.

Eine zusätzliche Motivation für das Spiel gegen Chelsea könnte erneut Clemens Tönnies sein. Der Aufsichtsratsvorsitzende hatte nach der 1:3-Pleite gegen Borussia Dortmund im Revierderby diverse Telefonate mit Trainer Jens Keller und einigen Spielern geführt und so offenbar zusätzliche Kräfte geweckt.

Tönnies lässt es sich jetzt nicht nehmen, auch an die Stamford Bridge zu reisen und das Wirken des FC Schalke 04 auf englischem Rasen zu verfolgen. Und wer Tönnies kennt, weiß, dass auch er sich wahrscheinlich wahnsinnig auf dieses Highlight freut. Und wohl ziemlich gereizt reagieren dürfte, wenn nun plötzlich wieder eine weitere Enttäuschung folgt.

Quelle: wa.de

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