Nachfolger für di Matteo gesucht

Schalkes neuer Trainer soll ein bisschen sein wie Klopp

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Horst Heldt

Gelsenkirchen - Wie es um das Nervenkostüm des Managers bestellt war, zeigte sich im letzten Drittel des „außerordentlichen Mediengesprächs“, wie es Schalkes Pressesprecher Thomas Spiegel angekündigt hatte.

Von Jens Greinke

Horst Heldt bat plötzlich, drei Fotografen, die recht unauffällig vor dem Podium hockten, ihre Arbeit einzustellen. Weil ihn die Klickgeräusche der Auslöser störten.

Heldt reagierte in diesem Moment wie ein extrem angespannter Mensch, den bereits die kleinsten Bewegungen und Geräusche in seinem direkten Umfeld gehörig auf den Wecker gehen. Wie der nervige Büronachbar, der andauernd an den Fingernägeln knabbert und einen damit an bestimmten Tagen zur Weißglut treiben kann.

Tatsächlich sind es ganz bestimmte und besondere Tage auf Schalke. Wieder einmal. Am Pfingstwochenende hatte auf der Geschäftsstelle die große Aufarbeitung der Saison begonnen. „Im Laufe des Tages haben wir Einigkeit erreicht darüber, dass die Saison verkorkst war“, beschrieb Heldt den ersten Teil der gemeinsamen Analyse mit Trainer Roberto Di Matteo. Nun, um zu dieser Schlussfolgerung zu kommen, hätte es eigentlich keiner großen Diskussionen bedurft.

Die Schalker hatten mit der 0:2-Niederlage am Samstag beim Hamburger SV die schlechteste Rückrunde in der Klubgeschichte hingelegt und waren in der Abschlusstabelle auf den sechsten Rang abgerutscht. Weshalb jetzt eine störende Qualifikationsrunde für die Europa League droht, falls Borussia Dortmund am kommenden Samstag das Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg gewinnt.

Heldt (rechts) mit Trainer Roberto di Matteo bei dessen Vorstellung.

Interessanter war dann schon das zweite Teil des Gesprächs zwischen Heldt und Di Matteo. „Dann haben wir über die Planungen bezüglich der neuen Saison gesprochen. Und die Planungen, die Roberto Di Matteo vorgelegt hat, unterschieden sich sehr von meinen eigenen Planungen“, sagte Heldt. Weshalb die Tendenz an diesem Moment recht eindeutig in Richtung Trennung gegangen seien. Nach gerade einmal 228 Tagen.

Dass Heldt dann am Montagabend auch noch die erste Halbzeit des U 19-DM-Finales zwischen dem Schalker Nachwuchs und dem von 1899 Hoffenheim verpasste (Schalke gewann 3:1), dürfte wohl daran gelegen haben, dass Heldt sehr lange im Dialog mit Di Matteo Beratern versuchte, die finanziellen Konsequenzen, die die Trennung vom Trainer (Vertrag bis 2017) mit sich bringt, in Grenzen zu halten. Statt der kolportierten 5,8 Millionen Euro, die dem Italiener und seinem Trainerteam zugestanden haben sollen, ist die Abfindungssumme nun offenbar auf 1,9 Millionen Euro gedrückt worden.

Dennoch endet die Saison 2014/15 für Heldt mit einem halben Totalschaden. Heldt gesteht zwar selbst Fehler ein, unter anderen die Verpflichtung von Di Matteo („Es hat hier nicht funktioniert“), doch sieht sich der 45-Jährige selbst weiter fest im Sattel. Die Gründe für die vermurkste Saison seien mannigfaltig gewesen. „Einerseits waren es Fehler die gemacht wurden, andererseits Dinge, die wir nicht beeinflussen konnten wie die vielen Verletzten“, sagte Heldt. Seine eigene Position im Verein sieht Heldt erst einmal unangetastet: „Ich habe hier einen Vertrag bis 2016 und habe hier jetzt einen neuen Cheftrainer zu suchen.“

Die Schalker Saison im Rückblick:

Die Saison 2014/15 des FC Schalke 04 im Rückblick

Der neue Mann an der Seitenlinie soll nun vor allem eines gewährleisten: „Es ist jetzt wichtig, das er den Fußball verkörpert, den die Leute hier sehen wollen“, sagt Heldt. Also genau das Gegenteil dessen, was dieses geradezu lamoryante und blutleere Schalker Truppe in den vergangenen Wochen abgeliefert hat. Weitere wichtige Parameter seien „Disziplin“ und „Förderung der jungen Spieler“. Ein Profil, in das eigentlich Dortmunds scheidender Trainer Jürgen Klopp perfekt passen würde. „Sieben Jahre ,Echte Liebe‘ innerhalb von zwei Monaten zu verändern, würde keiner verstehen“, sagte Heldt. Und ein leises Bedauern schwang in seiner Stimme mit.

So werden nun die üblichen Verdächtigen gehandelt. Ganz vorne dabei ist offenbar Marc Wilmots, der derzeit allerdings sehr erfolgreich die belgische Nationalmannschaft coacht und bei der Euro im nächsten Jahre in Frankreich große Ziele verfolgt. Weitere Namen, die gehandelt werden: Armin Veh, Stefan Effenberg, Andre Breitenreiter oder Huub Stevens. Ausscheiden dürfte hingegen Schalkes A-Jugend-Meister-Trainer Norbert Elgert, dem keine unbeschwertes Verhältnis zur Schalker Profi-Abteilung nachgesagt wird.

Heldts Zeitplan sieht vor, den neuen Coach bis zum Trainingsauftakt am 28. Juni zu präsentieren. An diesem Tag findet auch die Mitgliederversammlung statt. „Ich rechne damit, dass die Mitglieder ihrem Frust freien Lauf lassen werden“, sagt Heldt: „Ich werde Rede und Antwort stehen.“ Wichtig sei aber auch: „Wir müssen auch die Zukunft planen.“

Quelle: wa.de

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