Schalke nach müdem Kick in Prag wirklich "bereit fürs Derby"?

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Prag/Gelsenkirchen - Die Schalker Fans in der Prager Arena waren nach dem Schlusspfiff längst in Derbylaune gewesen und gröhlten ihre Schmähgesänge in Richtung des ungeliebten Erzfeindes BVB.

Derweil standen die Profis unten auf dem Rasen und erweckten nicht unbedingt den Eindruck, dass sie Dortmunder am Sonntag wie einen Fünftligisten aus deren eigenen Stadion schießen werden. Eher das Gegenteil war der Fall. Die Schalker Kicker klatschten pflichtbewusst, aber sehr zurückhaltend mit. Und viele von ihnen dürften sich gefragt haben, ob sie den Ansprüchen des Anhangs am Wochenende wohl gerecht werden können.

Denn das 1:1-Remis am Donnerstagabend bei Sparta Prag war nicht unbedingt ein Fingerzeig darauf, dass die Schalker mit überbordendem Selbstbewusstsein in dieses wie immer spezielle Spiel gehen werden. Schließlich war in der tschechischen Hauptstadt das erhoffte Erfolgserlebnis erneut ausgeblieben. Nur ein Sieg in mittlerweile sieben Spielen, dazu auch gegen eine maximal durchschnittliche Prager Mannschaft eine zähe Vorstellung – die Indizien, dass der FC Schalke 04 beim BVB Bäume ausreißen wird, sind wenig überzeugend.

„Von solchen Gefühlen müssen wir uns loseisen“, empfahl Leon Goretzka, in Prag der beste Schalker. Und ergänzte im Brustton der Überzeugung: „Das ist auch nicht besonders schwierig. Wir werden mit einem absolut positiven Gefühl in das Spiel gehen.“ Torwart Ralf Fährmann assistierte und meinte: „Wir sind bereit fürs Derby.“ Doch angesichts der zurückliegenden Wochen klang das alles nach dem Rufen im Walde. Auch viele Fans blicken mit großer Sorge in Richtung Sonntag und sind erfüllt von großer Skepsis.

Die platitüdenhaften Beteuerungen der Spieler, dass das Derby eben doch ein besonderes Spiel sei, dürften die Zweifel nur schwer zerstreuen. Zumal Trainer André Breitenreiter diese selbst noch vor einer Woche geschürt hatte. Seine Aussage, dass die nächsten drei Meisterschaftsspiele gegen Dortmund, Bayern München und Bayer Leverkusen doch eher „Bonusspiele“ für die Schalker seien, war im Verein nicht gut angekommen. Sein hastiges und auf Druck vor allem von Manager Horst Heldt zustande gekommenes Zurückrudern drei Tage später konnte die entstandende Empörung nicht großartig mindern. Und sollten die Schalker in den kommenden drei Partien tatsächlich erfolglos bleiben, könnten diese für Breitenreiter zu wahren „Malusspielen“ werden.

So ist es eine brisante Gemengelage, durch die sich der Klub aktuell zu manövrieren versucht. Neben der Ergebniskrise hält auch die offenbar beschlossene Trennung von Horst Heldt den Klub weiter in Atem. Der 45-Jährige selbst versucht sich in „Business as usual“, weiß aber auch, dass er diese Illusion nicht über Monate aufrecht erhalten kann. Immerhin gelingt es Heldt derzeit durch öffentlich zur Schau gestellten Loyalität, das Beste aus seiner geschwächten Situation zu machen. „Siege helfen immer“, sagte er in Prag. Einer in Dortmund wäre für den FC Schalke 04 derzeit geradezu unbezahlbar.

Quelle: wa.de

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