Pleite gegen Chelsea

Der große Schwindel des FC Schalke 04

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GELSENKIRCHEN - Am Dienstagabend hatte man in der Schalker Arena beobachten können, woher die Umschreibung „eine Halle leerspielen“ rührt. Lange vor dem Abpfiff hatten bereits Zigtausende Schalke-Anhänger das Stadion frustriert und wütend verlassen.

Es war ein Moment der tiefsten Enttäuschung. So, als ob man den mitreißenden Auftritt einer großen Rockband erwartet, letztlich aber nur die laienhafte Performance einer allenfalls mittelklassigen Schüler-Kapelle geboten bekommen hatte. Es war der große Schalker Fußball-Schwindel.

„Wir müssen uns bei den Fans entschuldigen“, wusste Mannschaftskapitän Benedikt Höwedes sofort nach Spielschluss, dass das 0:5 (0:3) gegen den FC Chelsea nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei den Anhängern traumatische Auswirkungen haben könnte. Nie zuvor seit Eröffnung der Arena im Jahre 2001 war es zu einer solchen Massenflucht von den Rängen gekommen.

Als Schiedsrichter Jonas Eriksson aus Schweden die Partie schließlich abgepfiffen hatte, hätte man sofort die Putzkolonnen auf die Tribünen schicken können, so leer waren die Ränge. Auch Trainer Roberto Di Matteo, erst sei gut acht Wochen im Amt, ahnte, dass in diesem Moment besondere Worte vonnöten waren. Der 44-Jährige entschuldigte sich ohne Wenn und Aber: „Es tut uns sehr leid, welche Leistung wir heute abgeliefert haben.“

Wobei das Wort „Leistung“ ehrlich gesagt die falsche Vokabel war. Chelseas Coach Jose Mourinho, „The special one“, betonte zwar gefühlte 27 Mal, dass seine Mannschaft ein „fantastisches und fehlerloses Spiel“ abgeliefert habe, doch mit welchem Tempo den Schalkern die Partie entglitten war, war haarsträubend. Drei Treffer durch John Terry (2.), Willian (29.) und Schalkes bemitleidenswert schlechten Jan Kirchhoff per Eigentor (44.) hatten das Schicksal der Knappen bereits vor der Pause besiegelt.

Schalke-Blamage gegen Chelsea - Heldt: "Nicht akzeptabel"

Besonders erschreckend aus Schalker Sicht war, dass Chelsea trotz gedrosselten Spieltempos noch gut und gerne fünf weitere Tore hätte erzielen können – und nicht nur die beiden durch die eingewechselten Didier Drogba (76.) und Ramires (78.). Das Schalker Team war phasenweise derart von der Rolle, dass noch nicht einmal einfachste Zuspiele funktionierten und es zu geradezu wahnwitzigen Fehlpässen kam. Einzig Atsuto Uchida, Eric Maxim Choupo-Moting und mit Abstrichen Keeper Ralf Fährmann zeigten eine Vorstellung, die weitere Einsätze rechtfertigen würde, für alle andere galt: Sechs, setzen!

„Wir haben alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Wir haben insgesamt eine blamable Leistung abgeliefert“, sagte Horst Heldt. Der Schalker Manager, der kurz nach dem Spiel via Twitter vom Ex-Schalker Jermaine Jones attackiert worden war, meinte: „Wir wurden zu Recht ausgepfiffen, wir haben es nicht anders verdient.“ Verdient haben die Schalker in einer solchen Verfassung auch nicht den Einzug ins Achtelfinale der Champions League, der zwar theoretisch noch möglich, aber praktisch wohl unwahrscheinlich ist. Beim letzten Vorrunden-Spiel bei NK Maribor (10. Dezember) dürfte es eher darum gehen, ob die Schalker wenigstens den Sprung in die Europa League schaffen.

Roberto Di Matteos Gefühlslage nach dem Spiel war recht indifferent. Auf die Frage, von welchen Emotionen er nach dieser Pleite getrieben werde, sagte der Italo-Schweizer: „Ich bin einfach überrascht.“ Nach dem 3:2-Erfolg am vergangenen Samstag habe er gedacht, „dass da mehr Selbstvertrauen im Team“ sei. Am Samstag kommt nun der FSV Mainz 05 in die Schalker Arena, und der 44-Jährige weiß, „dass es eine schwierige Arbeit ist, die wir nun zusammen machen müssen“.

Aber vielleicht überrascht ihn seine neue Mannschaft ja noch einmal. Dann positiv.

Quelle: wa.de

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