Huntelaar wird operiert

Boatengs Physis: Heldt knurrig bei Nachfragen

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Sorgenvoller Blick: Schalkes Mannschaftsarzt Thorsten Rarreck beugt sich über den verletzten Kevin-Prince Boateng.

GELSENKIRCHEN - Horst Heldt hat angesichts der aktuellen Personal-Misere in der Schalker Offensive mittlerweile einen nicht ganz ernst gemeinten Alternativplan entwickelt.

Von Jens Greinke

„Ich denke, wir werden Adam Szalai in der nächsten Zeit in Watte packen müssen“, sagt der Schalker Manager und ergänzt mit säuerlichem Grinsen: „Ich werde ihn also bei den Trainingseinheiten zu mir hoch ins Büro holen.“

Der 43-Jährige Heldt hat seinen Humor trotz der vielen Ausfälle nicht verloren. Klaas-Jan Huntelaar, Jefferson Farfan und nicht zuletzt der Königstransfer des Sommers, Kevin-Prince Boateng, sind derzeit nicht einsatzfähig. So wird es vor allem in der Offensive äußert eng, als letzter nomineller Stürmer meldet sich derzeit eben jener Adam Szalai einsatzfähig. Hinzu kommen langzeitverletzte Spieler wie Kyriakos Papadopoulos oder Chinedu Obasi.

Besonders die erneute Verletzung von Huntelaar liegt den Schalker Verantwortlichen schwer im Magen. Der Niederländer hatte bei seiner Trainingsrückkehr nach fast achtwöchiger Pause am vergangenen Montag einen Schlag aufs Knie bekommen, woraufhin die alte Verletzung (Innenband-Dehnung) wieder aufgebrochen war. Gestern gab der Niederländer bekannt, dass er sich einer Operation unterziehen werde. „Es war schwierig, aber ich habe mich entschieden, einen Eingriff vornehmen zu lassen“, schrieb der 30-Jährige bei Twitter: „Die Genesungszeit wird drei bis vier Monate sein. Es ist ein harter, aber notwendiger Schritt.“

„Hätte ich gewusst, dass das passiert, hätte ich die zwei Wochen mittrainiert“, sagt Trainer Jens Keller scherzhaft. Was aber vielleicht auch nicht so gut gewesen wäre: Der heute 42-jährige ehemalige Abwehrspieler kommt aus jener Zeit des deutschen Profi-Fußballers, als die Bezeichnung „beinharter Verteidiger“ noch als höchste Auszeichnung galt. Wer weiß, was da noch alles passiert wäre.

Manager Heldt nimmt die Misere derweil nicht als bloße Pechsträhne hin. „Das wäre fatal. Wir werden jede einzelne Verletzung analysieren.“ So müsse man sich beispielsweise überlegen, ob es während einer Länderspielpause künftig Sinn mache, den verbliebenen Profikader mit jungen Spielern aufzufüllen, um einen normalen Trainingsbetrieb aufrecht zu erhalten. „Diese Spieler sind natürlich enorm heiß und geben im Training alles. Was aber auch verständlich ist“, sagt Heldt. Huntelaar war am Montag mit einem dieser jungen Spieler zusammengeprallt.

Als äußerst ärgerlich scheint Heldt die aufkeimende Diskussion um Kevin-Prince Boateng zu empfinden. Der 26-Jährige hatte sich beim 4:1-Erfolg über den FC Augsburg an seinem linken Knie verletzt, das er selbst als „Problemknie in Anführungsstrichen“ bezeichnet. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Schwachstelle seine Körpers, bereits als Jugendlicher hatte er an diesem Gelenk operiert werden müssen. Aufgrund eines Becken-Schiefstandes kommt es immer wieder zu Reizungen an dieser offenbar neuralgischen Stelle.

Als Heldt nun von einem Journalisten gefragt wurde, eventuell einen Langzeitverletzten eingekauft zu haben, reagierte der 43-Jährige gereizt. Angesprochen auf das Ergebnis des Medizin-Checks vor der Verpflichtung im Sommer knurrte der Schalke-Manager: „Ich glaube nicht, dass Sie das etwas angeht.“ Zudem weist Heldt auf die regelmäßigen Einsätze Boatengs bei seinem Ex-Klub AC Mailand hin. 29 von 38 möglichen Ligaspielen hatte Boateng in der vergangenen Saison bei Milan absolviert, hinzu kamen sieben von acht möglichen Einsätzen in der Champions League. Eine Quote, die tatsächlich nicht unbedingt auf einen Sportinvaliden hinweist.

Zudem ist Boateng offensichtlich derjenige aus der Schar der Schalker Verletzten, der am frühesten zurückkehren dürfte. Am Freitag war der gebürtige Berliner von der Behandlung in München immer noch nicht zurück. Ein Einsatz im Meisterschaftsspiel bei Eintracht Braunschweig am Samstag (15.30 Uhr) ist deshalb mehr als fraglich. „Wir müssen auch abwarten, ob das Sinn macht“, sagt Heldt: „Schließlich hat er zwei Wochen nicht trainiert.“

Außerdem stehen in der kommenden Woche zwei extrem wichtige Spiele an, bei denen ein Einsatz Boatengs vielleicht weitaus wichtiger sein könnte: Zunächst kommt am Dienstag der FC Chelsea in die Schalker Arena, ehe am Samstag der Erzfeind aus Dortmund seinen jährlichen Besuch abstattet. Definitiv ausfallen wird in Braunschweig Keeper Timo Hildebrand wegen eines Hexenschusses. So steht Ralf Fährmann nach gut zwei Jahren vor seinem Comeback in der Liga.

Quelle: wa.de

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