Schalke-Manager Heldt: "Qualität halten und Konsolidierung fortsetzen"

+
Horst Heldt.

Sportdirektor Horst Heldt muss bei Schalke 04 einen schwierigen Spagat schaffen: Stars wie Raul halten und gleichzeitig die enormen Personalkosten senken. Im Interview äußert er sich zu Personalien und Perspektiven.

Von Thomas Lipinski

Herr Heldt, Ihr Torjäger Klaas-Jan Huntelaar hat gesagt, Schalke kann in diesem Jahr Meister werden. Das haben Sie nicht so gerne gehört, oder? Das sollte doch geheim bleiben...

Horst Heldt: Natürlich ist das vom aktuellen Tabellenbild her möglich, da hat Klaas-Jan vollkommen recht. Die Hinrunde hat allerdings gezeigt, dass wir in den direkten Duellen gegen Bayern München und Borussia Dortmund chancenlos waren. Ich gehe nicht davon aus, dass beide in der Rückrunde patzen werden. Deswegen bleibt der FC Bayern der absolute Favorit und Dortmund der größte Konkurrent. Wir fühlen uns in unserer Rolle ganz wohl.

Ein Platz in der Champions League ist aber realistisch - und aus wirtschaftlicher Sicht auch notwendig?

Heldt: Als zweitgrößter Verein in Deutschland sollte es unser Anspruch sein, dauerhaft international dabei zu sein. Die Champions League ist das Nonplusultra. Bei allem, was wir künftig planen, wären die Zusatzeinnahmen natürlich hilfreich.

Dann wäre auch die finanzielle Konsolidierung leichter...

Heldt: Dann wäre es leichter, den Weg zu gehen, den wir uns vorgenommen haben: Sportliche Qualität in den eigenen Reihen zu halten, Qualität hinzuzubekommen und gleichzeitig die bereits eingeschlagene Konsolidierung fortzusetzen.

Die Personalkosten waren 2010 mit 78,1 Millionen Euro extrem hoch. Wie weit müssen Sie sie herunterschrauben?

Heldt: Wir haben schon im Sommer viel umgesetzt. Aber dieser Prozess kann nicht in einer Transferperiode durchgeführt und abgeschlossen werden. Die Maßgabe ist unverändert, die Personalkosten zu senken. Denn sie sind nach wie vor hoch, gleichzeitig haben wir aber nicht mehr die Einnahmen aus der Champions League. Das ist es ja, was Vereine oft in Schwierigkeiten bringt.

Sie könnten ja Benedikt Höwedes an Bayern München verkaufen...

Heldt: Unser Ziel ist es, Qualität im Kader zu halten. Es wäre aber unseriös, wenn wir versprechen würden, dass wir in Zukunft keine Abgänge mehr verzeichnen, die schmerzhaft sind. Wir sollten aber so selbstbewusst sein zu wissen, dass sich gerade bei einem Traditionsklub mit der Attraktivität und der Anziehungskraft von Schalke 04 immer wieder etwas Neues entwickelt.

Also geht Höwedes genauso wie im letzten Jahr Manuel Neuer?

Heldt: Ich sage ganz klar: Wir wollen ihn nicht abgeben. Er ist ein Schalker Junge, der hier Kapitän geworden ist, der sich sehr, sehr gut entwickelt hat. Wir haben uns in den vergangenen Wochen und Monaten die Freiheit erarbeitet, auch mal sagen zu können: Nein, das machen wir nicht.

Kann Schalke es sich finanziell überhaupt leisten, mit Raul und Jefferson Farfan zu verlängern?

Heldt: Selbstverständlich könnte Schalke sich das leisten. Wir haben dafür natürlich Rahmenbedingungen definiert. Damit müssen die Spieler einverstanden sein.

Stimmt die Prognose: Raul bleibt, Farfan geht?

Heldt: Die Signale, die der Verein und Raul einander gesendet haben, sind positiv. Aber die Verhandlungen sind noch zu führen, Detailfragen zu klären. Bei Jeff sind wir nach wie vor gesprächsbereit. Unsere Vorstellungen lagen bislang zu weit auseinander. Aber er ist ein erstklassiger Spieler, und wir könnten uns weiterhin sehr, sehr gut vorstellen, mit ihm zu verlängern.

Hat Farfan nicht mit seiner Handgeld-Forderung alle Sympathien verspielt?

Heldt: Es ist sein gutes Recht, die Möglichkeiten auszuloten, seine eigene Prioritätenliste aufzustellen. Das machen grundsätzlich alle Profis, das sollte man nicht verurteilen. Man sollte ihn nach seiner Leistung auf dem Platz beurteilen. Wenn die Leute damit zufrieden sind, werden sie das honorieren, da bin ich mir sicher.

Wann unterschreibt Raul?

Heldt: Wir haben die Gespräche für Januar angekündigt, und der Monat hat ja noch ein paar Tage. Es ist gut und völlig nachvollziehbar, dass diese Personalie großes mediales Interesse hervorruft, das zeigt den Stellenwert des Spielers und des Vereins. Aber wir werden die Verhandlungen nicht in aller Öffentlichkeit führen.

Kommt im Sommer Lukas Podolski?

Heldt: Mein Kenntnisstand ist, dass es ausschließlich Gespräche zwischen dem 1. FC Köln und Lukas Podolski gibt. Die muss man abwarten. Wenn sie sich einigen, dann ist ohnehin alles geklärt. Nur für den Fall, dass dies nicht geschieht, gibt es die Möglichkeit, dass wir uns zunächst einmal wieder dahingehend mit der Personalie beschäftigen, ob wir unsererseits die Sache weiterverfolgen. Aber ganz klar: Derzeit gibt es von unserer Seite aus weder Kontakt zum 1. FC Köln noch zum Spieler.

Ist es nicht eigentlich schade, dass Felix Magath bei seiner Einkaufstour in Gelsenkirchen nicht vorbeigekommen ist und Ihnen die eine oder andere Altlast abgenommen hat?

Heldt: Jeder Trainer und Manager hat seine Philosophie, jeder kennt seinen Verein am besten und weiß, was nötig ist und was nicht.

Die Rückrunde beginnt gegen den VfB Stuttgart. Was trauen Sie Ihrem Ex-Klub noch zu? Schafft er noch das internationale Geschäft?

Heldt: Ich war sieben Jahre da, vier Jahre als Spieler, drei als Manager. Ees war eine tolle Zeit mit großen sportlichen Erfolgen, ich habe entsprechend intensive Kontakte zum VfB. Der Verein hat sich nach der letzten Saison positiv weiterentwickelt und ist in ruhigem Fahrwasser. Der Abstand zu einem Europapokalplatz ist derzeit noch groß - das ist für uns sogar gut so. Ich wünsche den Stuttgartern aber, dass es ihnen noch gelingt, sich für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren - wenn wir am Ende vor dem VfB stehen. - sid

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare