Vertrag mit Ticketbörse gekündigt

Viagogo-Aus: BVB-Fans gratulieren den Schalkern

SCHALKE - Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 hat sich nach massiven Fanprotesten dem Druck der eigenen Anhängerschaft gebeugt und den Vertrag mit der Internet-Ticketbörse viagogo fristlos gekündigt. „Der Partner habe sich trotz mehrfacher Aufforderungen nicht an die vertaglich vereinbarten Spielregeln gehalten“, teilte der Verein in einer Presseerklärung mit.

Von Peter Schwennecker

„Der Vorstand des FC Schalke 04 hat seinen Vereinsmitgliedern auf der Jahreshauptversammlung sein Wort gegeben, genau zu prüfen, ob die Vertragsinhalte umgesetzt werden. Wir haben unser Wort gehalten“, erklärte Marketingvorstand Alexander Jobst.

Lesen Sie auch:

- Stefan Barta kämpft als Fan gegen viagogo-Vertrag

- Schalke: "viaNOgo" entzweit Verein und Fans

Der Vertrag mit dem Ticketpartner war erst am 1. Juli offiziell in Kraft getreten. Seit dieser Zeit sei viagogo von den Schalkern schon mehrfach abgemahnt worden, die Bedingungen einzuhalten. „Jeder der Verstöße ist frühzeitig von Mitarbeitern des Vereins registriert worden. Mein Dank gilt zudem allen Schalkerinnen und Schalkern, die uns auf konstruktive Weise auf das Fehlverhalten von viagogo aufmerksam gemacht haben, auch wenn die Fälle bei uns im Einzelnen bereits bekannt waren. Wir sind bislang nicht in die Öffentlichkeit gegangen, um unsere Rechtsposition zu wahren. Nun ist aber der Zeitpunkt gekommen, unsere Schritte offenzulegen“, betonte Jobst.

Der Aufsichtsrat des FC Schalke 04 trug die Entscheidung des Vorstandes mit: „Verträge sind dazu da, um eingehalten zu werden – das gilt immer für beide Vertragspartner“, bekräftigte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies in einer ersten Stellungnahme. „Viagogo hat durch sein Verhalten gezeigt, dass ihnen dazu der Wille fehlt. Ich habe auf der Jahreshauptversammlung gesagt, dass wir mit Argusaugen auf die Einhaltung des vereinbarten Regelwerkes achten. Daraus ziehen wir nun die Konsequenzen und beenden das Vertragsverhältnis.“

Bilder von der Schalker Jahreshauptversammlung

Hitzige Schalke-JHV

Schon vor der Jahreshauptversammlung der Schalke hatte es wochenlang massive Fanproteste gegen die Zusammenarbeit zwischen den Königsblauen und der Ticketbörse gegeben. Die Gruppe „Vianogo“, der zwölf Schalker Anhänger aus ganz Deutschland angehören, war organisiert gegen diese im gesamten Fußball umstrittene Partnerschaft vorgegangen und hatte auch bei der Mitgliederversammlung am 29. Juni in der Arena für großen Wirbel gesorgt.

Stefan Barta während der JHV.

Umso größer war am Dienstag die Freude bei den Vertretern, als sie von der fristlosen Kündigung erfuhren. „Respekt, dass der Vorstand das so durchgezogen und auf die große Mehrheit der Fans gehört hat“, erklärte der Hammer Stefan Barta, der in der Arena als Erster ans Rednerpult getreten war. „Wir freuen uns riesig über diese Entscheidung.“ Innerhalb einer Stunde registrierte Barta auf seiner Facebook-Seite mehr als 100 Glückwünsche. „Da waren sogar zahlreiche Fans von Borussia Dortmund dabei“, freute sich Barta vor allem über die positiven Reaktionen von den Anhängern des Revierrivalen.

Obwohl die Schalker Führungsriege vor und während der Jahreshauptversammlung mit allen Mitteln versucht hatte, die Aktionen von Vianogo zu stoppen, hatte die Gruppe mit ihrem Auftreten wohl maßgeblichen Anteil am Umdenken. Was auch bei einer Probeabstimmung deutlich wurde, die die Hammer Juristin Katharina Strohmeyer per Eilantrag während der Jahreshauptversammlung durchsetzte. 80 Prozent der 9000 anwesenden Mitglieder stimmten gegen den Deal mit viagogo. „Das muss den Vorstand schon etwas bewegt haben. Die Nachricht von der Kündigung hat mich richtig umgehauen“, jubelte Strohmeyer, die bereits am Dienstagnachmittag als Reporterin im Auftrag von Radio Emscher-Lippe Reaktionen am Schalker Trainingsgelände einfing. „Die Fans hier sind alle überglücklich, dass diese Zusammenarbeit noch rechtzeitig gestoppt wurde.“

Vianogo hatte direkt nach der Versammlung alle Schalker Fans aufgefordert, Verstöße der Ticketbörse sofort an den Verein zu melden. Und die gab es offenbar zahlreich. So wurden schon vor dem offiziellen Vertragsbeginn Tickets für das Abschiedsspiel des Spaniers Raul mit einem Aufschlag von mehr als 100 Prozent angeboten. „Ich glaube, dass das letztlich den Ausschlag gegeben hat, die Sache zu beenden“, meinte Barta.

Allerdings könnte für die Königsblauen die nur neun Tage andauernde Partnerschaft dennoch negative Auswirkungen haben. Denn ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg besagt, dass ein Verein nicht mehr gegen Schwarzmarkthändler im Internet vorgehen kann, wenn er selbst schon mit einer Ticketbörse zusammengearbeitet hat.

Viagogo zeigte sich von der Kündigung "sehr überrascht". In einer Mitteilung ließ das Unternehmen wissen, dass es "alle Aspekte unseres Vertrags" erfüllt habe. "Die Entscheidung ist für uns, für den Club und vor allem für die Fans sehr bedauerlich, da der Club von dem Sponsoring stark profitiert hätte", hieß es in dem Statement weiter.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare