Experte über Königsblau

Krisen-Manager über „ramponiertes“ Schalker Image: In dieser Hinsicht ist sogar der VfL Bochum besser

Schalke 04 kämpft derzeit gegen ein Negativ-Image an - sagt auch ein Krisen-Manager. Dazu könnte S04 von Jose Mourinho lernen - und vom VfL Bochum.

Hamm - Immer wieder ist davon die Rede: Ein Verein wie Schalke 04 gehört in den oberen Bereich der Bundesliga. Zu den Top-Klubs in Deutschland. Doch die Realität ist aktuell eine ganz andere.

VereinFC Schalke 04
TrainerManuel Baum
Stadion/ArenaVeltins Arena
OrtGelsenkirchen

Die Königsblauen warten in der Meisterschaft seit mittlerweile 23 Spielen auf einen Sieg. Abstiegskampf statt Fight um die europäischen Plätze ist die Gegenwart, mit dem sich der S04-Kader herumschlagen muss - in der Hoffnung, dass die Mannschaft von Trainer Manuel Baum diese Negativ-Serie am Samstag im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/live im TV und Stream) beendet.

Schalke: Krisen-Manager spricht über „ramponiertes“ Image der Königsblauen

„Das Image des Vereins ist ramponiert“, sagt Krisenmanager David Rölleke (38) im Gespräch mit der WAZ: „Sie versuchen, mit recht hohem finanziellen Aufwand für irgendetwas zu kämpfen, aber es kommt eben wenig dabei herum. Sie stehen in der Tabelle unten drin und sind im Derby gegen Borussia Dortmund kein ernstzunehmender Gegner mehr.“

Dabei spielte auch das für viele Fans peinliche Schalker TikTok-Video nach dem Derby beim BVB eine Rolle. Mit diesem Clip, „in dem mit einer Kinderstimme nach tröstenden Worten gefragt wurde, hat sich die Social-Media-Abteilung ein klassisches Eigentor geschossen“, urteilt Rölleke.

Nach Ansicht des Krisen- und PR-Managers mache Schalke einen ganz anderen entscheidenden Fehler - und schickt einen Rat hinterher. Er hat mit Star-Trainer Jose Mourinho zu tun.

Schalke braucht nach Ansicht des Krisen-Managers einen Mourinho-Effekt

Rölleke: Die Schalker „sollten aus meiner Sicht auf den Mourinho-Effekt setzen. José Mourinho hat als Trainer seinen damaligen Verein FC Porto komplett umgekrempelt, von der Jugend bis hin zu seinen Profis dasselbe Pressing-System eingeführt. Er hat eine schlecht zusammengestellte Mannschaft übernommen und dort die Möchtegern-Stars durch harte Arbeiter aus der Region ersetzt. Das kam bei den Fans hervorragend an.“

Mit diesem Effekt habe Mourinho verloren gegangene Sympathien zurückgeholt - wie es Schalke auch gebrauchen könnte. „Das ganze Drumherum hat wieder funktioniert, auch wenn er sicherlich ein spezieller Typ ist“, sagt Rölleke: „Aber er hat dem FC Porto den Erfolg zurückgebracht, holte dort die Meisterschaft, den Uefa-Cup und gewann die Champions League.“

Den Schalkern rät er, nicht auf „fußballerische Exoten“ zu setzen und diese in ihren Kader einzubauen, sondern: „Sie müssen harte Arbeiter holen und ihre Jungs aus dem eigenen Talent-Reservoir einbauen. Dann holen sie sich auch ihre Fans zurück.“

Schalke fehlen Typen wie Rudi Assauer oder Clemens Tönnies

Die Königsblauen hätten auch das Problem, dass ihnen die die Typen ausgehen. „Und genau solche Leute, die sagen, wo es lang geht, braucht man im Revier“, sagt Rölleke: „Aus meiner Sicht fehlen da Respektspersonen. Früher hatte Schalke 04 Rudi Assauer als Manager, Huub Stevens als Trainer, Clemens Tönnies als Aufsichtsrat. Da ist niemand nachgerückt, der eine ähnliche Rolle einnehmen könnte.“

Trainer Manuel Baum (Mitte) sucht mit seiner Schalker Mannschaft den Weg aus der Krise.

Ein Aspekt, die Fans wieder ins Boot zu holen, ist nach Ansicht des Experten auch: Ehrlichkeit und Transparenz. „Sie sollen ehrlich sagen: Es geht uns scheiße. Wir stecken im Abstiegskampf, unser Ziel lautet Klassenerhalt, dafür brauchen wir alle Unterstützung unserer Fans und Mitglieder. Sie müssen die Leute mit ins Boot holen.“

Krisen-Manager: VfL Bochum ist für Investoren klarer als Schalke

Ins Boot holen wollen und müssen die Schalker ihre Fans auch beim höchst umstrittenen Thema Ausgliederung der Profi-Abteilung. Grundsätzlich sei dieser Schritt laut Rölleke sicher kein falscher, aber der Zeitpunkt muss dafür passen. Wenn sie das in der aktuellen Phase durchziehen, dann droht nicht nur der Verlust des harten Fan-Kerns, sondern auch die Abkehr des Fans, der seit 50 Jahren zu den S04-Spielen geht.“

Für Investoren sei Schalke aktuell eher eine Wundertüte, glaubt Rölleke. Er zieht dabei einen Vergleich mit einem Revier-Nachbarn: „Wenn ich zum VfL Bochum gehe, dann weiß ich als Sponsor, was ich habe und was ich bekomme. Bei Schalke müsste die Frage beantwortet werden: Wofür steht der Klub eigentlich? Sie müssen wieder dahin kommen, eine ganze Region zu begeistern.“

Dafür brauchen sie aber zunächst Erfolgsergebnisse und eine Richtung, die die Fans überzeugt.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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