"Hunter" mit drei Toren

Heldt: Mannschaft hat "Klasse gezeigt"

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Drei Tore und ein Fehlschuss: Klaas-Jan Huntelaar.

GELSENKIRCHEN - Als ein Mitarbeiter der Presseabteilung Klaas-Jan Huntelaar den Spielball übergab, den er zuvor dem Schiedsrichter abgeluchst hatte, huschte ein Lächeln über das Gesicht des Torjägers. Der Ball war an diesem Tag Huntelaars Freund gewesen – sieht man von einer kurzfristigen Entfremdung in der 31. Minute ab, als die Kugel einmal seltsamerweise nichts ins Netz gewollt hatte.

Von Jens Greinke

Mit seinen drei Toren (6./28./79.) war der „Hunter“, wie sie ihn auf Schalke nennen, letztlich der gefeierte Mann. Dass sich der 30-Jährige in der 31. Minute den verschwenderischen Luxus gegönnt hatte, einen Foulelfmeter zu vergeben, interessierte nachher so gut wie niemanden mehr. Sein etwas zu cooler Lupfer vom Kreidepunkt aus landete postwendend in den Armen von Hoffenheims Keeper Koen Casteels. „Wenn er einen Elfer verschießt, aber drei Tore macht, dann können wir ihm verzeihen“, meinte der ebenfalls stark aufspielende Julian Draxler nachher mit gönnerhaftem Schmunzeln.

Dem Torinstinkt des Niederländers war es am Samstag jedenfalls zu verdanken, dass die zuletzt so arg gebeutelte Schalker Mannschaft offenbar wieder die Fährte wiederfand, die sie zu Beginn der Rückrunde mit vier Siegen in Folge aufgenommen hatte. „Es war heute vor der Partie schwierig einzuschätzen, in welcher Verfassung sich die Mannschaft präsentieren würde“, gab Horst Heldt unumwunden zu. Schalkes Manager hatte keine Ahnung, wie sich die beiden desaströsen Niederlagen gegen Real Madrid (1:6) und Bayern München (1:5) auf das Gemüt der Mannschaft niedergeschlagen hatten. Doch der 44-Jährige durfte die Partie schließlich mit zunehmend sinkenden Ruhepuls von der Tribüne aus verfolgen. Die Hoffenheimer, die den Schalkern in der Hinrunde noch ein 3:3 abgerungen hatten und sie im DFB-Pokal-Achtelfinale sogar mit 3:1 im eigenen Stadion besiegt hatten, konnten dieses Mal nicht viel entgegen setzen. „Ich muss der Mannschaft ein Kompliment aussprechen, sie hat heute ihre Klasse gezeigt“, sagte Heldt. Nicht nur in Person von Huntelaar und Draxler, sondern beispielsweise auch beim Treffer zum 3:0, der von Kevin-Prince Boateng mit einem lässigen Zuspiel vorbereitet wurde und den Chinedu Obasi mit einem noch lässigeren Flachschuss vollendet hatte (65.). Ein ziemlich cooles Tor.

Für Julian Draxler, der nach seiner langen Verletzung immer besser in Form kommt („Ein paar Spiele werde ich aber noch brauchen“), war vor allem die „harte Arbeit in der vergangenen Woche“ die Grundlage dieses wichtigen Erfolges der Schalker gewesen. Und: „Es war wichtig, dass die Mannschaft eine Reaktion zeigt.“ Mitverantwortlich dafür dürfte auch ein Besuch von Clemens Tönnies vor dem Anpfiff in der Kabine gewesen sein. Nach Auskunft von Draxler habe der Aufsichtsratschef zwar keine Ansprache gehalten, doch allein seine Anwesenheit wirkte offenbar Wunder. „Er ist natürlich eine Erscheinung“, sagte beispielsweise Keeper Ralf Fährmann, selbst beeindruckende 1,96 Meter groß und durch nichts so leicht zu erschüttern.

Die aktuelle Tabelle spendete den Schalkern am Ende dieses Arbeitstages nicht nur Trost, sondern neues Selbstbewusstsein. Vor allem, dass auch der ambitionierte VfL Wolfsburg es nicht hatte verhindern können, im eigenen Stadion sechs Gegentreffer gegen den FC Bayern München zu kassieren, bestätigte Horst Heldt in seiner These, „dass die Münchner derzeit in einer anderen Liga spielen“. Die auch von Kevin-Prince Boateng gestützt wurde: „Wir haben gegen die beiden derzeit besten Mannschaften der Welt verloren. Und Hoffenheim gehört, bei allem Respekt, eben nicht zu den besten Mannschaften der Welt.“

Quelle: wa.de

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