Schalke-Bayern als Bruderduell

Kevin-Prince: "Samstag für 90 Minuten keine Brüder"

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Kevin-Prince Boateng

GELSENKIRCHEN - Die Halbbrüder Kevin-Prince und Jerome Boateng haben das Spiel in einem schmucklosen Gitterkäfig im Berliner Wedding gelernt. Ein Bolzplatz namens Panke, so groß wie ein Sechzehner, der Boden geteert und mitleidslos. Wer hier mitspielt, muss einstecken können. Und gut sein.

Von Jens Greinke

Jerome Boateng

Beide waren besser als gut, sie eroberten von der Panke aus den Profi-Fußball. Kevin-Prince und Jerome Boateng sind zu jenen Fußball-Stars geworden, denen sie damals nachgeeifert haben. Im Spitzenspiel des Wochenendes kreuzen sich ihre Wege nun ihre Wege. Wer das Kicken im Wedding gelernt hat, der kennt auf dem Platz meist keine Verwandten. So ist es auch wenig verwunderlich, dass die beiden Halbbrüder familiäre Dinge außen vorlassen werden, wenn der FC Schalke 04 am Samstag (18.30 Uhr) den FC Bayern München empfängt.

Kevin-Prince, 26 Jahre und seit dieser Saison Schalker, sagt: „Am Samstag werden wir für 90 Minuten keine Brüder sein.“ Und Jerome, eineinhalb Jahre jüngerer Triple-Sieger von den Bayern, entgegnet: „Ich versuche es ohne Umhauen. Aber wenn es nicht anders geht, mache ich es.“ Wie damals im Gitterkäfig.

Natürlich sind die Stiefgeschwister, die vom selben Vater abstammen, gereift während ihrer bisherigen, bemerkenswerten Karrieren. Dies gilt vor allem für Kevin-Prince, der in den zurück liegenden Jahren vor allem gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner antreten musste: seinem Image als „Bad Guy“, das er sich durch zahlreiche Eskapaden hart erarbeitet hatte. „Du wirst älter, du denkst häufiger nach“, sagt Kevin-Prince, der heute versucht, „jedem Menschen mit einem Lächeln entgegen zu treten“. Mit dieser Art und Weise sei es ihm in den vergangenen drei Jahren „gut ergangen“.

Horst Heldt hatte Boateng während dessen Zeit beim AC Mailand stets unter Beobachtung. Bereits 2006, als er noch beim VfB Stuttgart arbeitete, hatte der heutige Schalke-Manager Interesse an einer Verpflichtung des hoch veranlagten Profis gezeigt. „Wir haben uns damals in Berlin kennen gelernt. Ich habe beim VfB seinerzeit aber keine Befürworter für eine Verpflichtung gefunden“, erzählt Heldt. Was im Rückblick vielleicht besser war, denn Boateng hatte damals nicht nur das Image als „Ghetto Kid“, er füllte diese Rolle auch mit gewissem Genuss aus. Heldt verfolgte den Werdegang des Mannes mit den ghanaischen Wurzeln, in diesem Sommer kam es dann doch zur Liaison.

Die Lippewelle berichtet am Samstagabend live aus der Arena. Reporter ist Marko Varchmin. Hier geht es zum Internet-Stream.

Nur: Woher wusste Heldt, dass Boateng den FC Schalke nicht nur mit seinem herausragenden Talent sondern auch mit der notwendigen Professionalität beehrt? Heldt: „Wenn du in Italien drei Jahre lang Topleistungen abliefert und zum besten Spieler gewählt wirst, dann hast du dir auch abseits des Platzes nichts zu schulden kommen lassen.“ Boateng habe Heldts Erwartungen bislang „mehr als erfüllt“, doch Schalkes Manager weiß auch: „Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Es wird auch Spiele geben, in denen er nicht so präsent sein wird.“

Profitiert haben von Kevin-Prince Boateng dürfte auch Jens Keller. Der Schalker Trainer, der im Vergleich zu Spielern wie Boateng, Dennis Aogo, Jefferson Farfan oder Jermaine Jones wirkt wie ein Klavierlehrer in einer Punkband, sagt: „Kevin-Prince hat eine enorme Ausstrahlung, er gibt immer wieder Anweisungen. Es hat sich viel getan, seit er hier ist, auch in der Kabine. Er nimmt das alles ein wenig in die Hand.“

Dies wird er gegen die Bayern wahrscheinlich auch auf dem Platz wieder tun. Und dabei keine Verwandten kennen. Wie damals. Im Stahlkäfig.

Quelle: wa.de

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