Schalke 04: Zum Erfolg mit alltäglichen Dingen

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GELSENKIRCHEN - Die Schlacht war schon gut eine Stunde geschlagen, da verriet Roman Neustädter, dass sich auch der vielleicht am wenigsten prominente Neuzugang des FC Schalke 04 bereits voll integriert hat. Und das, obwohl er gar nicht gespielt hatte.

Von Jens Greinke 

Zum Einsatz war der Ersatz-Keeper Christian Wetklo dennoch gekommen, wie Neustädter berichtete: „Ich habe ihn heute das erste Mal auf der Bank erlebt. Mensch, der hat fast den Schiri aufgefressen.“

Wetklos Appetit auf den Unparteiischen muss ebenso groß gewesen sein wie der der Schalker Mannschaft, als sie am Samstag zum ersten Saison-Heimspiel in die Arena einlief. Das 1:1 (0:1)-Remis gegen den FC Bayern München war nämlich Resultat eines vor allem kämpferischen und hungrigen Auftritts des Keller-Teams, das von einem überragenden Benedikt Höwedes angeführt wurde.

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Schalke verbucht 1:1 gegen Bayern München

„Ich muss als Kapitän voran gehen“, sagte der 24-Jährige nachher mit gewohntem Understatement. Höwedes, der gemeinsam mit Julian Draxler von der Schalker Vereinsführung noch eine Ehrung als Fußball-Weltmeister erhalten hatte, war nicht nur Antreiber, Ideengeber und schier unüberwindbares Hindernis in der Schalker Abwehr gewesen. Er hatte auch den 1:1-Ausgleichstreffer in der 62. Minute erzielt.

Ausgleich ein Tor des Willens

Es war ein Tor des Willens gewesen, als er einfach in den Befreiungsschlag von Xabi Alonso hineingelaufen war und den Ball mit Körper und Arm über die Linie gedrückt hatte. Bayern-Keeper Manuel Neuer echauffierte sich zwar auch noch lange nach dem Spiel („Das war eindeutiges Handspiel“), doch sagte Höwedes zurecht: „Wenn ich aus 30 Zentimetern angeschossen werde und der Ball geht ins Tor, dass ist das für mich ein regulärer Treffer.“

Ähnlich sah es Schalke-Coach Jens Keller, der sagte: „Wir sind in der Schiedsrichter-Schulung vor der Saison noch einmal darauf hingewiesen worden, dass es kein Handspiel ist, wenn keine unnatürliche Bewegung vorliegt. Das war hier der Fall.“

Erleichterung bei Jens Keller

Keller selbst war am Samstag die Erleichterung über diesen von vielen nicht erwarteten Teilerfolg am deutlichsten anzusehen. Der Schalke-Trainer absolvierte den Interview-Parcours meist mit einem Lächeln und ruhte in sich selbst.

Der 43-Jährige hatte nur in der Anfangs-Viertelstunde befürchten müssen, dass seine Mannschaft einen ähnlich trost- und erfolglosen Auftritt wie in den ersten beiden Pflichtspielen der Saison gegen Dresden und Hannover hinlegt. Die Bayern hatten dies zwar zum 1:0 durch Robert Lewandowski nutzen können (10.), doch insbesondere im zweiten Durchgang waren die Schalker näher am Sieg als der Rekordmeister.

Ein Marionetten-Spieler auf Speed

Pep Guardiola wirkte phasenweise wie ein Marionetten-Spieler auf Speed, als er seine Mannschaft von der Seitenaus-Linie zu dirigieren versuchte, doch mehr als ein Punkt sprang am Ende für den Rekordmeister nicht heraus.

„Jetzt haben wir erst einmal zwei Wochen Ruhe“, zeigte sich Roman Neustädter erleichtert. Der Ex-Nationalspieler war erst in der 37. Minute für den verletzten Kirchhoff eingewechselt worden, übernahm vom ersten Ballkontakt an die Philosophie, die die Schalker am Samstag zum Remis trieb: „Wir haben um jeden Ball gekämpft und als Mannschaft zusammengestanden.“

Keller: "Das Publikum war wieder weltklasse"

Manchmal sind es eben die alltäglichen Dinge, die im Fußball zum Erfolg führen. Und die insbesondere auf Schalke gut ankommen. „Das Publikum war heute wieder Weltklasse“, sagte Keller. Und es jubelte beim Schlusspfiff, als hätten die Schalker gewonnen.

Quelle: wa.de

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