Nach Saison-Kehraus:

Schalke feiert: Tönnies-Attacke im Überschwang der Gefühle 

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Der Blick geht nach oben: Schalkes Sportvorstand Christian Heidel (links) und Aufsichtsratschef Clemens Tönnies.

Nach dem letzten Saisonspiel gibt es bei Vizemeister Schalke 04 nur glückliche Gesichter. Und eine Kampfansage von Aufsichtsratschef Tönnies.

Gelsenkirchen- Man hatte Clemens Tönnies bereits in der Halbzeitpause relativ beschwingt durch die Arena laufen sehen. Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender schritt mit gewohnt dynamischem und dieses Mal auch leicht federndem Gang durchs Foyer des Stadions, spitzte Lippen, als würde er ein lustiges Liedchen pfeifen und warf den Kopf in den Nacken. Nach dem Schlusspfiff der mit1:0 (1:0) gewonnenen Partie gegen Eintracht Frankfurt schien Schalkes Boss dann völlig losgelöst.

Als die Schalker Mannschaft zum Feier-Parcours in den VIP-Bereich „La Ola“ eingelaufen war, schnappte sich Tönnies das Mikrofon für eine offensichtliche Stehgreif-Rede, die er mit einem atonal gesungenen „Die Nummer eins im Pott sind wir“ einleitete. „Danke, dass ihr mir und dem Aufsichtsrat vertraut habt“, lobte der Fleischfabrikant aus Rheda sein eigenes Wirken. Er schnappte sich Domenico Tedesco und nahm den jungen Schalker Trainer halbwegs in den Würgegriff, während er den anwesenden Fans mitteilte: „Der weiß alles über Fußball.“ Er lobte sodann die Mannschaft („Ihr als Team auf dem Rasen habt eine Leistung gezeigt, die einzigartig war“) sowie die operative Führung des Klubs („Ihr seid der beste Vorstand der Liga“). Um dann im Überschwang der Gefühle und ungeachtet der 21 Punkte Rückstand auf Meister Bayern München in den Saal zu rufen: „ Jetzt greifen wir vorne an in der Liga!“ Und hätte man Tönnies an eine diabolische Orgel gesetzt, wären die Weltbeherrschungsfantasien vielleicht mit ihm durchgegangen.

Tönnies ließ das alte, laute Schalke aufblitzen

Die sportlich Verantwortlichen nahmen den emotionalen Ausbruch des Aufsichtsratsvorsitzenden mit einem scheinbar verständnisvollen Lächeln hin, doch herrschte bei dem ein oder anderen Anhänger im Saal auch leichtes Befremden. Denn mit dem Auftritt von Tönnies war ein wenig das alte, das laute Schalke aufgeblitzt, mit dem sich der Verein in der Vergangenheit immer wieder selbst ein Bein gestellt hatte. Unter dem zwar ebenfalls emotionalen, aber eben auch sehr rational denkenden Christian Heidel und dem sehr besonnenen Domenico Tedesco war dieser Klub in dieser Saison zur Überraschung vieler zum Vize-Meister aufgestiegen. Der sportlich zwar belanglose, aber dennoch beeindruckend heraus gespielte 1:0-Sieg über Eintracht Frankfurt zum Saison-Kehraus hatte noch einmal bewiesen, wie seriös die Arbeit auf Schalke auf und neben dem Platz mittlerweile abgeliefert wird. 

Schlusspfiff für Heidel der emotionalste Moment

Auf die Frage, welcher der emotionalste Moment an diesem Nachmittag gewesen sei, sagte Heidel nach längerem Nachdenken: „Der Schlusspfiff.“ Weder die Verabschiedung von Leon Goretzka, Marko Pjaca und Max Meyer (in Abwesenheit), noch die 90-minütigen Jubelgesänge von den Rängen hatten den 54-jährigen Sportvorstand derart angefasst, wie das letzte Kommando von Schiedsrichter Frank Willenborg. Vor exakt einem Jahr hatten die Schalker Fans beim letzten Saisonspiel in Ingolstadt noch ein sarkastisches Transparent mit der Aufschrift „Wir danken der Mannschaft, dass sie uns auch in dieser Saison so zahlreich hinterhergereist ist“ aufgehängt. Was Heidel am Samstag zu der schmunzelnden Aussage verleitete: „Heute hätten sie auch mal ein Transparent raushängen können, dass es auch anders herum geht.“ Doch der Sportvorstand wollte nicht undankbar sein und dankte dem Anhang: „Wenn ein ganzes Stadion feiert, dann hat man das Gefühl, dass man auf dem richtigen Weg ist.“

Team-Abschlussfahrt nach Barcelona

Bevor die Schalker Spieler in den Urlaub aufbrechen, absolvieren sie noch eine Saison-Abschlussfahrt nach Barcelona, um die Qualifikation für die Champions League und die Vizemeisterschaft zu feiern. „Unsere Saison war einfach geil“, sagte Team-Nestor und Abwehrchef Naldo mit breitem Lächeln und Kapitän Ralf Fährmann ergänzte: „Ich denke, dass wir heute ziemlich viele Leute glücklich gemacht haben.“

Auf den Aufsichtsratschef Clemens Tönnies traf diese Vermutung auf alle Fälle zu.

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Quelle: wa.de

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