Schalke: Gereiztes Knie, gereiztes Klima

GELSENKIRCHEN - Ohne ihn fehlte es gegen Bukarest an Ideen: Kevin-Prince Boateng ist am Samstag gegen Stuttgart einsatzfähig. Trotzdem bleibt das Klima auf Schalke gereizt.

Von Jens Greinke

Hinter der Theke der Rezeption im Therapie-Zentrum „Moterium“ in Unterhaching steht eine recht große Buddha-Figur, auch ansonsten verbirgt die Einrichtung ihre südostasiatische Ausrichtung nicht. Bambus-Pflanzen und asiatische Schriftzeichen sorgen für ein exotisches und angenehmes Ambiente.

Kevin-Prince Boateng ist hier mittlerweile Stammgast. Der Deutsch-Ghanaer, den der FC Schalke 04 in diesem Sommer für rund zwölf Millionen Euro vom AC Mailand kaufte, kommt seit einiger Zeit wöchentlich sozusagen zum Inspektions-Termin in die Gemeinde des Landkreises München. Boateng lässt sich hier von dem Spezialisten Ralph Frank die Körperstatik richten, um sein linkes, chronisch gereiztes Knie betriebsbereit zu halten. Franks Fähigkeiten scheinen dabei so einzigartig, dass Boatengs die Reisestrapazen auf sich nimmt. Gestützt wird dies durch einen Erfahrungsbericht einer gewissen Katharina K. aus München, die sagt, dass es im „Moterium“ einen „echten Heiler“ und einen „Mann mit den magischen Händen“ gibt.

Als die Behandlung in der jüngsten Länderspiel-Pause ausfiel, weil Boateng mit der ghanaischen Nationalmannschaft unterwegs war, streikte das Knie prompt, so dass der 26-Jährige für Schalke in der Champions-League-Partie bei Steaua Bukarest ausfiel. So gut die Behandlung für Boateng auch sein mag, so belastend ist sie sowohl für den Spieler selbst als auch für den Klub. Manager Horst Heldt reagiert mittlerweile so empfindlich wie Boatengs Knie, wenn er darauf angesprochen wird.

Bilder vom Spiel in Bukarest

Magerkost beim 0:0 des FC Schalke 04 in Bukarest

In Bukarest sagte Heldt, dass die Frequenz der Behandlung wohl bis zum Saisonende beibehalten werden muss. Alternativen scheint es nicht zu geben. „Das können eben nur wenige“, so Heldt, der die Exklusivität der Behandlung dadurch zu unterstreichen versucht, dass er Ralph Frank als „Biostatiker“ und nicht nur schlicht als Physiotherapeuten bezeichnet. Dabei den Umstand verkennend, dass sich jeder Physiotherapeut auch Biostatiker nennen kann, wenn er es denn mag.

Vor einigen Monaten begab sich übrigens auch der damalige Dortmunder Mario Götze wegen eines Muskelfaserrisses in die Behandlung von Ralph Frank. In der Hoffnung, dass dieser seine Verletzung bis zum Champions-League-Finale erfolgreich behandeln könne. Was bekannterweise nicht klappte: Götze verpasste das Endspiel von Wembley gegen seinen neuen Arbeitgeber Bayern München.

Am Samstag im Spiel gegen den VfB Stuttgart (18.30 Uhr), soll Boatengs Körperstatik wieder so gut ausgerichtet sein, dass Trainer Jens Keller mit ihm in der Startformation plant. Ansonsten halten sich die guten Nachrichten für den Schalker Coach in Grenzen. Die oftmals gut begründete Kritik an seiner Arbeit reißt nicht ab, auch knapp ein Jahr nach seiner Einstellung als Cheftrainer sucht der Beobachter weiterhin eine aussagekräftige Handschrift. Zudem stag-nieren nicht nur die meisten Spieler in ihrer Entwicklung, sondern auch Keller selbst. Seine öffentlichen Auftritte sind weiterhin so spröde wie am ersten Tag, seine Aussagen „von erschütternder Belanglosigkeit“, wie die Süddeutsche Zeitung zuletzt geradezu erschrocken konstatierte. Zudem verschließt sich Keller fast jeglicher Kritik und verweist immer wieder darauf, dass die Schalker in dieser Saison noch keines ihrer Ziele verspielt haben. Als der 43-Jährige in Bukarest mit der gemessen an den Schalker Zielsetzungen völlig korrekten Aussage konfrontiert wurde, dass der aktuelle Punktestand in der Liga derzeit nur „suboptimal“ sei, reagierte er geradezu beleidigt.

Die Gefahr, dass in naher Zukunft das eine oder andere Saisonziel aus den Augen verloren werden könnte, ist in den kommenden Wochen jedoch groß. Nach dem Heimspiel gegen Kellers und Heldts Ex-Klub VfB Stuttgart folgt am Dienstag die DFB-Pokal-Partie gegen 1899 Hoffenheim, danach geht es zum direkten Konkurrenten um den vierten Tabellenplatz Borussia Mönchengladbach. Schließlich kommt es am 11. Dezember zu einem echten „Endspiel“ um den Einzug ins Achtelfinale der Champions League gegen den FC Basel, das die Schalker gewinnen müssen.

Quelle: wa.de

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