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Schalke vor dem Derby: Wo ist die Philosophie?

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SCHALKE - Nach gut zehn Monaten Dienstzeit von Trainer Jens Keller fällt es weiterhin schwer, eine Handschrift des 42-Jährigen zu erkennen. Viele Schalker Fans gehen daher bestenfalls mit gemischten Gefühlen in das Derby.

Von Jens Greinke

Im Sommer dieses Jahres erlebte man im Schalker Trainingslager in Donaueschingen einen gelösten und recht heiteren Horst Heldt. Schalkes Manager hatte damals unter anderem gerade den Transfer des hoch talentierten Leon Goretzka unter Dach und Fach gebracht und nicht nur dafür Lob von vielen Seiten erhalten. Der FC Schalke 04 schien gut aufgestellt. Vielleicht ließ sich Heldt auch deshalb dazu hinreißen zu behaupten: „Der Abstand zu Borussia Dortmund ist ja nicht exorbitant groß.“

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Wird Heldt nun, gut drei Monate später, auf diesen Satz angesprochen, sagt er nur: „Ich ärgere mich über mich selber, dass ich das damals gesagt habe. Deswegen werde ich mich dazu nicht mehr äußern.“ Muss er auch nicht. Die Antwort auf die Frage, wie groß der Abstand zwischen den beiden Revierrivalen in dieser Saison ist, gibt bereits die aktuelle Tabelle, in der die Dortmunder acht Zähler Vorsprung vor den Knappen haben. Weitere Aufklärung verspricht das direkte Duell in der Arena am Samstag (15.30 Uhr). In das viele Schalker Fans bestenfalls mit gemischten Gefühlen gehen. Was nach der Performance der Mannschaft in dieser Spielzeit aber kein Wunder ist. Es bestehen begründete Zweifel, dass die Schalker momentan mit den Spitzenteams der Liga Schritt halten können. Darüber kann auch der 2:0-Sieg über Bayer Leverkusen nicht hinweg täuschen.

Die Lippewelle berichtet am Samstag ab 15 Uhr live vom Derby. Reporter ist Matze Dröge. Hier geht es zum Webradio der Lippewelle.

Nach gut zehn Monaten Dienstzeit von Trainer Jens Keller fällt es weiterhin schwer, eine Handschrift des 42-Jährigen zu erkennen. Die Spielphilosophie des Schalker Teams ist oftmals rätselhaft. Mithin beschleicht den Betrachter das Gefühl, das Konzept bestehe ausschließlich darin, sich irgendwie zum Sieg zu wursteln. Was durch individuelle Klasse wie die eines Kevin-Prince Boateng auch beizeiten gelingt. Weshalb die Behauptung stimmen könnte, dass diese Mannschaft per se zu gut ist, um richtig schlecht zu spielen.

Auffällig ist zudem, dass die Entwicklung einiger Spieler bestenfalls stagniert. Profis wie Roman Neustädter, Joel Matip oder sogar der erfahrene Benedikt Höwedes zeigen wenig Konstanz. Auch ein so hoch talentierter Spieler wie Julian Draxler, der aufgrund seiner enormen Veranlagung normalerweise gar nicht in der Lage sein dürfte, ein richtig übles Spiel abzuliefern, zeigt seltsame Schwankungen. Etwas frei geschwommen hat sich in der laufenden Saison lediglich Max Meyer. Der 18-Jährige profitiert dabei aber vor allem dadurch, dass er aufgrund der vielen Verletzten zu mehr Spielpraxis kommt. Einsatzzeiten, die sich wahrscheinlich auch Leon Goretzka wünschen würde. Doch der Bochumer stand bislang erst ein Mal in der Startelf, am dritten Spieltag gegen Hannover 96. Von dem gesunden Selbstbewusstsein, das ihn als Stammspieler beim VfL Bochum auszeichnete, ist bei seinen Kurzeinsätzen als Einwechselspieler nicht mehr viel zu sehen.

Stutzig machen zudem immer wiederkehrende Fehler wie beispielsweise bei Standardsituationen, der stockende Spielaufbau, der oft schon bei Torwart Timo Hildebrand beginnt, sowie die wackelnde Defensive.

In dieser Gemengelage verwundert es nicht, dass die Zweifel an der Arbeit von Jens Keller nicht abreißen. Dem 42-Jährigen fällt es weiterhin schwer, bei diesem chronisch aufgeregten Klub so richtig anzukommen.Vielleicht auch, weil sich grundverschiedene Temperamente nur selten synchronisieren lassen. Keller wirkt wie ein Kaltblüter, den man vor einen Renn-Sulky gespannt hat. Auf Schalke hoffen viele, dass er langsam mal losgaloppiert. Am liebsten am Samstag, im Derby.

Quelle: wa.de

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