Trainer Breitenreiter dennoch zufrieden

Schalke nur 1:1 - Darmstadt ausgebufft wie Alte Herren

Gelsenkirchen - Am Ende hätte Schiedsrichter Benjamin Brand in seiner ersten Bundesliga-Partie die Nachspielzeit auch gut und gerne in den zweistelligen Minutenbereich aufstocken können.

Doch auch die verhängten fünf Minuten „Extra Time“ machten deutlich, dass sich der 25-Jährige Spielleiter aus Bamberg in seinem Premieren-Spiel nicht an der Nase herumführen lassen wollte. Und da die enervierende Spielverzögerung des SV Darmstadt 98 weiterging, gewährte Brand selbst der Nachspielzeit eine Nachspielzeit und pfiff erst um 17.23 Uhr Gelsenkirchener Ortszeit ab.

„Wir waren ein ekliger Gegner“, sagte Darmstadts Marco Sailer nach dem Schlusspfiff gut gelaunt, lächelte in seinen Furcht einflößenden Vollbart und kündigte an: „Das werden wir in jedem Spiel so machen, da können sich alle drauf freuen.“

Nun ja, die Freude wird sich bei den meisten wahrscheinlich in engen Grenzen halten, falls der Bundesliga-Aufsteiger seinen Spielstil tatsächlich dergestalt fortführen wird, wie es am Samstag in Gelsenkirchen der Fall war. Das Team von Trainer Dirk Schuster agierte gegen den FC Schalke 04 nicht wie ein unerfahrener Aufsteiger, sondern wie eine ausgebuffte Alte-Herren-Mannschaft, die im Rahmen des geltenden Regelwerkes sämtliche Register zog, den Spielfluss zu unterbrechen und die Minuten von der Uhr zu spielen. Ein Umstand, vor dem Schalke-Trainer André Breitenreiter vor der Partie ausdrücklich gewarnt hatte, nachdem er die Bundesliga-Einsätze der „Lilien“-Spieler zusammengezählt hatte, auf die Zahl von „über 700“ gekommen war und daraus geschlussfolgert hatte, dass Darmstadt „deutlich mehr Erfahrung hat“ als beispielsweise Breitenreiters vorherige Mannschaft vom SC Paderborn.

Schalke trennt sich von Darmstadt 1:1

Nach Betrachtung des Darmstädter Auftritts am Samstag besteht zudem der Verdacht, dass Schuster seinen Spielern in der Vorbereitung das Buch des ehemaligen US-Tennisprofis Brad Gilbert mit Titel „Winning ugly“ als Pflichtlektüre mitgegeben hat, in dem der US-Amerikaner im Jahre 1997 erklärt hatte, wie man mittels mentaler Kriegsführung weitaus bessere Spieler schlagen kann. Gilbert gelang dies unter anderen gegen John McEnroe, Jimmy Connors und Boris Becker.

Zum Sieg reichte es für die Darmstädter am Samstag zwar nicht, was auch unverdient gewesen wäre. Denn die Schalker hatten die gesamte Spielzeit versucht, spielerisch eine Lösung gegen diese physisch extrem robuste und mit allen Wassern gewaschene Mannschaft zu finden. Doch das 1:1 (0:1)-Remis des Aufsteigers nötigte schließlich auch vielen Schalkern Respekt ab, da die Gastgeber selbst erneut eine gute Performance abgeliefert hatten. Nach der frühen Darmstädter Führung von Konstantin Rausch (9.) hatte Julian Draxler zwar kurz nach dem Seitenwechsel (47.) den Ausgleich erzielt, doch retteten die Gäste dieses Ergebnis ins Ziel.

Die Enttäuschung hielt sich auf Schalker Seite schließlich in Grenzen – auf und auch neben dem Platz. „Weil man „der Mannschaft heute keinen Vorwurf machen konnte“, wie Manager Horst Heldt meinte: „Wir hatten Chancen, viel Ballbesitz, aber leider auch ein bisschen Pech“, sagte der 45-Jährige weiter und verwies auf die eine oder andere gute Torchance wie durch Klaas-Jan Huntelaar in der 58. Minute oder dem Freistoß des erneut starken Neuzugangs Johannes Geis an die Latte (74.). Am Ende lagen die Blauweißen nur in der Statistik vorn mit 21:9 Torschüssen und einem Ballbesitz von rund 78:22 Prozent.

Am kommenden Freitag geht es für die Schalker zum VfL Wolfsburg und die Fans dürfen gespannt sein, mit welchem Personal die beiden Teams antreten werden. Die Wechselfrist endet drei Tage später, und es ist kein Geheimnis, dass die Wolfsburger den Abgang von Kevin De Bruyne und die Schalker den von Julian Draxler befürchten. Als Heldt am Samstag erneut auf einen möglichen Transfer des 21-jährigen Draxlers zu Juventus Turin angesprochen wurde, reagierte Schalkes Manager in etwa so genervt wie auf das destruktive Spiel der Darmstädter: „Es gibt nach wie vor keinen Kontakt zu Juventus“, sagte Heldt. Und Draxler? Der sagte nur „Hallo“ und verschwand dann kommentarlos mit dem Hinweis auf den Geburtstag seines Bruders.

Quelle: wa.de

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