Erstaunliche Entwicklung

Schalke demonstriert Selbstbewusstsein, Abgeklärtheit und Routine

Doppeltorschütze Klaas-Jan Huntelaar und Max Meyer besaßen allen Grund zum Feiern.

Nikosia - Max Meyer wehrte vorzeitige Glückwünsche rigoros ab. „In Deutschland habe ich noch keinen Geburtstag, auch wenn es hier schon nach Mitternacht ist“, sagte der Schalker Profi in den Katakomben des GSP-Stadions in Nikosia mit dem korrekten Hinweis auf die einstündige Zeitverschiebung zwischen Zypern und der Heimat.

Grund zum Feiern hätte der bald 20-Jährige allerdings schon gehabt – egal, wo er die Datumsgrenze an diesem Abend auch verortete. Denn Meyer war beim3:0 (2:0)-Erfolg der Blauweißen im ersten Gruppenspiel der Europa League über Apoel Nikosia einer der auffälligsten Akteure gewesen. Ein Treffer blieb ihm letztlich zwar verwehrt, doch sein Lattenknaller aus 20 Metern in der 8. Spielminute wurde allenthalben wie einer Tor bewertet.

„Durch die Aktion von Max haben wir besser ins Spiel gefunden“, bewerte André Breitenreiter den Schuss ans Gebälk letztlich wie einen regulären Treffer. Tatsächlich hatte Meyers Lattenknaller wie eine Dosis K.o.-Tropfen für den letztlich ziellosen Hochgeschwindigkeitsfußball der Gastgeber bedeutet, der zwar für viel Krach und Euphorie bei den Nikosia-Fans gesorgt hatte, ansonsten aber verpufft war.

Schalker Nervenstärke und Qualität

Danach setzte sich die Schalker Nervenstärke und vor allem Qualität durch: Die Treffer durch Joel Matip (28.) und zweimal Klaas-Jan Huntelaar (35./71.) waren fast zwangsläufig gefallen. „Wir haben absolut verdient und souverän gewonnen“, urteilte nachher auch ein gut gelaunter Horst Heldt. Schalkes Manager („Apoel ist ja ein Stück weit der FC Bayern von Zypern“) wollte dennoch „nicht von einem Hoch reden“, sondern meinte: „Wir haben unsere Aufgabe erfüllt.“

Erstaunliche Entwicklung

Sidney Sam (l.) setzt sich hier gegen Nikosias Kostakis Artymatas und Carlão durch.

Doch diese beiläufige Äußerung über die scheinbare Selbstverständlichkeit solcher Siege barg eine erstaunliche Entwicklung, die die Schalker Mannschaft in den vergangenen Wochen genommen hat. Denn dass auf dieser Schalker Mannschaft ein extrem großer Druck lastet, davon war auf Zypern nicht mehr viel zu sehen. Ganz im Gegenteil: Das Selbstbewusstsein, die Abgeklärtheit und die Routine dieser jungen Mannschaft war bemerkenswert. Und in Nikosia klang immer mehr durch, wer dafür einen Großteil der Verantwortung trägt. Keiner der Spieler, die am Donnerstagabend aus der Kabine kamen, vergaß den Trainer zu erwähnen.

Viel Lob für den Trainer

Der überragende Johannes Geis (22 Jahre) sagte: „Der Trainer macht es unheimlich gut. Er quatscht viel mit uns, er nimmt den Druck weg und stellt und perfekt ein. Das ist seine Handschrift, da kann man ein Lob aussprechen.“ Auch Max Meyer sucht die Gründe für die momentane Spielfreude des Schalker Teams beim Coach: „Das liegt zum großen Teil an ihm. Einige von uns waren zuletzt verunsichert, doch jetzt ist die vergangene Rückrunde aus den Köpfen raus. Das hat der Trainer geschafft durch die Gespräche, die er mit jedem einzelnen geführt hat und sein Verhalten im Training. Er versucht, Spaß reinzubringen.“ Da scheint es Meyer sogar egal, dass er derzeit nicht auf der Prestige-trächtigen zentralen Mittelfeldposition eingesetzt wird, sondern auf der linken Angriffsseite. Der 20-Jährige bezeichnet die 10 zwar weiterhin als „meine Heimatposition“, doch bricht ihm kein Zacken aus der Krone, diese aktuell nicht besetzen zu dürfen.

Breitenreiter erlebt "einen besonderen Moment"

Und Breitenreiter? Der erlebte seinen ersten Auftritt als Trainer auf internationaler Bühne mit jener Emotionalität, mit der er auch die Schalker Mannschaft zu infiziert haben scheint. „Für mich war es heute ein besonderer Moment“, sagte der 41-Jährige in Nikosia: „Das erste Mal werde ich immer in positiver Erinnerung behalten.“ Klingt nach einer schönen Liebesgeschichte.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare