Existenz bedroht?

"Die Lage ist sehr ernst und kritisch" - S04-Marketingchef Jobst über die Folgen der Corona-Krise

Marketingchef Alexander Jobst hat über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den FC Schalke 04 gesprochen. Anlass zu Optimismus sah er dennoch.

  • Schalke 04 verzeichnet den zweithöchsten Umsatz der Vereinsgeschichte.
  • Investitionen in die Jugend müssen dennoch gekürzt werden. Zudem meldete der Klub Kurzarbeit an.
  • Marketingchef Alexander Jobst spricht von einer "kritischen" Situation.

Update vom 9. April, 14.11 Uhr: Die finanziellen Mittel hat der FC Schalke 04 weitestgehend eingegrenzt und an die aktuelle Corona-Krise angepasst. Pläne zur Förderung der Knappenschmiede müssen vorerst ruhen, Transferaktivitäten für die kommende Saison wurden auf Eis gelegt. Zudem hat der Klub Kurzarbeit für zahlreiche Mitarbeiter angemeldet (siehe Update vom 1. April, 11.59 Uhr).

An der "potenziell existenzbedrohenden wirtschaftlichen Situation", auf die die Knappen bereits hingewiesen hatten, hat sich dennoch nichts geändert. Schalkes Marketingchef Alexander Jobst wolle zwar keine Ängste schüren, wie er in einem Live-Chat mit Fans des Fußball-Bundesligisten erklärte. Dennoch betonte Jobst: "Die Lage ist sehr ernst und kritisch." S04 denkt über eine Ausgliederung der Profi-Abteilung nach. Die Vor- und Nachteile dieser umstrittenen Reform.

Schalke 04: "Sehr ernst und kritisch" - Jobst über die Folgen der Corona-Krise

Wie kritisch, beweisen die Zahlen des vergangenen Geschäftsjahres und die Folgen der Katastrophensaison mit Platz 14 in der Fußball-Bundesliga. Zwar machte S04 mit 275 Millionen Euro den zweithöchsten Umsatz der Vereinsgeschichte. Dieser bedeutet jedoch ein Minus von 26,1 Millionen Euro im Vergleich zum vorherigen Kalenderjahr.

Allein die Kosten für den Lizenzspielerbereich liegen bei etwa 100 Millionen Euro. Auch für das laufende Geschäftsjahr war vor der Einstellung des Spielbetriebs mit einem Fehlbetrag im niedrigen zweistelligen Millionenbereich gerechnet worden. Aufgrund der Corona-Krise wird sich dieser ein weiteres Mal erhöhen. Besonders dann, sollte Schalke 04 noch die Teilnahme am europäischen Pokal verspielen.

Schalke 04: Gestärkt aus der Corona-Krise gehen

Marketingchef Jobst sieht dennoch Anlass für Optimismus. Nicht nur, weil die Spieler zu einem Verzicht ihres Gehalts bereit sind. Sondern auch, weil die S04-Partner dem Klub in dieser schwierigen Zeit nicht den Rücken kehren. "Da kann man doch ein Stück Zuversicht haben, dass wir Schalke 04 durch diese Situation manövrieren und wir gestärkt aus der Krise gehen", so Jobst.

'Gemeinsam' ist das Motto, ähnlich der in den vergangenen Tagen ins Leben gerufenen Aktion '#NurImWir'. Die Fans von Schalke 04 können auf eine Rückerstattung erworbener Tickets oder Dauerkarten verzichten und ihren Verein somit finanziell unterstützen - und zugleich von S04 belohnt werden.

Coronavirus: S04 meldet Kurzarbeit an - Mitarbeiter dennoch sorgenfrei 

Update vom 1. April, 11.59 Uhr: Finanzielle Mittel sind aktuell begrenzt bei Schalke 04 aufgrund des Coronavirus. Die ungewisse Zukunft durchkreuzt jegliche Pläne, Sparmaßnahmen wurden bereits eingeleitet. Nun meldete der Verein gar Kurzarbeit für zahlreiche Mitarbeiter an, wie die WAZ berichtet.

Der Unmut über diese Nachricht dürfte allerdings nur von kurzer Dauer gewesen sein. Denn Schalke 04 hat vorgesorgt. Im Normalfall wäre die Kurzarbeit gleichbedeutend mit einem verminderten Lohn von 60 Prozent. Diesen jedoch müssen die S04-Mitarbeiter, die aufgrund des Coronavirus in Bereichen, in denen derzeit Arbeit wegfällt, nicht befürchten. Davon betroffen sei besonders der Fan-Shop sowie das Catering.

Denn, wie die WAZ weiter berichtet, haben sich rund 70 Mitarbeiter dazu bereit erklärt, auf Gehalt verzichten und somit den betroffenen Mitarbeitern helfen zu wollen. Der Verein ist somit dank der Ersparnis in der Lage, das volle Gehalt trotz Kurzarbeit weiter auszuzahlen.

Bereits in der vergangenen Woche haben sich die Schalker Profis sowie einige offizielle dazu bereit erklärt, auf ihr Gehalt verzichten zu wollen. Sie sind gar zu weiteren Schritten bereit.

Schalke 04: Coronavirus durchkreuzt Pläne - Knappenschmiede betroffen

Gelsenkirchen - Die Sorgenfalten bei den Verantwortlichen des FC Schalke 04 werden größer. Öffentliche Trainingseinheiten wurden gestrichen, die Spieler umgehend nach Hause geschickt. Zwar räumte die UEFA mit der Verlegung der für diesen Sommer geplanten Europameisterschaft auf das Jahr 2021 den Verbänden etwas mehr Zeit ein. Ob und wann die Fußball-Bundesliga fortgesetzt werden kann, ist nach wie vor allerdings völlig offen.

Die Aussetzung des Spielbetriebs macht sich bemerkbar. In den Stadien herrscht gespenstische Stille, in den Führungsetagen der Bundesligavereine hingegen reges Treiben - und die Sorgenfalten auf der Stirn werden größer. "Die Auswirkungen der aktuellen Situation zeigen aber auch, dass es um die Existenz des FC Schalke 04 und der Klubs der 1. und 2. Bundesliga geht", hatte Schalkes Vorstandsmitglied Alexander Jobst noch am Montag auf der vereinseigenen Homepage mitgeteilt. Mit Blick auf die Zahlen des Jahres 2019 erhält seine Warnung einen völlig neuen Beigeschmack.

Schalke 04: Coronakrise durchkreuzt Pläne - tiefe Sorgenfalten bei S04

Als Schalkes Finanzvorstand Peter Peters am Dienstag Bilanz aus dem vergangenen Jahr zog, war die Ernüchterung groß. Zwar machte S04 mit 275 Millionen Euro den zweithöchsten Umsatz der Vereinsgeschichte. Dieser bedeutet jedoch ein Minus von 26,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Knappen hatten im Kalenderjahr dank 350,4 Millionen Euro Umsatz einen Überschuss von 40,5 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Revierklub bekommt die vergangene Katastrophensaison mit Platz 14 in der Bundesliga und die Nicht-Teilnahme am europäischen Geschäft deutlich zu spüren.

In Zeiten des Coronavirus, in der Geisterspiele und fehlende TV-Vermarktung die Einnahmen weiter einbrechen lassen, alles andere als eine gute Basis für eine blühende Zukunft. "Wir leben in einer Zeit großer Ungewissheit. Keiner kann sagen, wie es weiter geht", wird Schalkes Finanzvorstand Peter Peters von den Ruhr Nachrichten zitiert. "Es ist auf Dauer existenzgefährdend, wenn wir keinen Fußball spielen."

Schalke 04: Knappenschmiede leidet unter den Folgen des Coronavirus

Der Coronavirus hat den Schalker Plänen einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Das gilt nicht nur für die Profi-Abteilung, sondern auch für das in den vergangenen Jahren so erfolgsversprechende Fundament. "Es war unsere klare Intention, mehr Geld in den Nachwuchs zu investieren. Aber natürlich haben wir, wie alle Fußballvereine, heute eine andere Situation als vor vier Wochen", so Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider gegenüber der Bild.

Die Knappenschmiede sollte ursprünglich aufgerüstet, die Schalker Scouting-Abteilung ausgebaut werden - mit finanziellen Mitteln, die aufgrund der aktuellen Situation wegzufallen drohen. "Wir müssen abwarten, welche Auswirkungen die weltweite Coronakrise insgesamt auf Schalke 04 haben wird", zeichnet Jochen Schneider eine düstere Zukunft. "Erst wenn sich das präziser skizzieren lässt, können wir bewerten, wie die nächsten Schritte aussehen werden."

Schalke 04: Verträge laufen aus - Todibo wohl zu teuer

Die nächsten Schritte betreffen auch die Profi-Abteilung. Nach zuletzt sechs sieglosen Partien in der Bundesliga droht Schalke 04 aus den internationalen Rängen zu rutschen. Den schnellsten Weg über den DFB-Pokal haben die Knappen mit dem Ausscheiden gegen den FC Bayern verpasst. Eine Teilnahme an der Europa League und die damit einhergehenden finanziellen Mittel sind essentiell für die Kaderplanung für die kommende Saison.

Der Vertrag von Daniel Caligiuri läuft ebenso aus wie der von Benjamin Stambouli. Barcelona-Leihe Jean-Clair Todibo soll fest verpflichtet werden für 25 Millionen Euro. Viel Spielraum bleibt nicht, um sich in naher Zukunft personell unter den Top-Teams in Deutschland zu etablieren. Schalke 04 steht vor einer ungewissen Zukunft. Auch, aber nicht nur, aufgrund der Coronakrise.

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © dpa / picture alliance

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