Pokalspiel ist Highlight in der Geschichte des SV Darmstadt

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DARMSTADT - Eigentlich müssten sie bei Darmstadt 98 vor dem DFB-Pokalspiel gegen Schalke 04 mit stolzgeschwellter Brust und äußerst siegessicher auftreten. Mit 6:0 wurde am Wochenende in der 3. Fußball-Liga Ex-Bundesligist Hansa Rostock vom Platz gefegt, davor beim Zweitliga-Zwangsabsteiger MSV Duisburg mit 4:0 triumphiert.

Wenn am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD und Sky) in der zweiten Runde des DFB-Pokals allerdings Champions-League-Starter Schalke 04 gastiert, sind die stolzen "Lilien" irgendwie nur das Mauerblümchen. "Die wollen von der ersten Minute an zeigen, wie die Kräfteverhältnisse sind. Alles andere als ein Weiterkommen der Königsblauen wäre eine Riesensensation", sagte Darmstadts Trainer Dirk Schuster.

Allerdings, und das dürfte dem 45-Jährigen und seinem Team Mut machen, war eben jene Sensation in der Auftaktrunde gelungen, als Bundesligist Borussia Mönchengladbach nach torlosen 120 Minuten im Elfmeterschießen bezwungen wurde. Von den zwei Kantersiegen im Liga-Alltag und der Überraschung im Pokal wollen sich Schuster und Co. dennoch nicht blenden lassen. "Schalke hat viele Nationalspieler im Kader", schwärmte Schuster, während Darmstadts Torhüter Jan Zimmermann in Gespräch mit der Offenbacher Post sichtlich angetan von einem "Champions-League-Teilnehmer mit sehr hoher Qualität" sprach: "Ich denke, dass ich sehr viel zu tun bekommen werde."

Die Rollen sind vor dem Anpfiff also klar verteilt - wie vor zwölf Jahren. Am 12. Dezember 2001 hatten sich die haushoch favorisierten Knappen in einem wahren Pokalfight in Darmstadt zu einem mageren 1:0-Sieg gemüht, Ebbe Sand erzielte damals in der 115. Minute den Siegtreffer. Die heutige Situation ist mit der kurz nach der Jahrtausendwende allerdings kaum zu vergleichen, denn die Blütezeit der "Lilien" ist längst vorbei.

Die prächtigste Phase erlebte der Klub ohnehin in den 70ern und 80ern, als zweimal der Sprung in die Bundesliga gelang. Einer der Stars war der Südkoreaner Bum-Kun Cha. Danach wurde die Vereinsgeschichte geprägt von vergebenen Aufstiegschancen und finanziellen Engpässen mit dem Höhepunkt der in letzter Minute abgewendeten Insolvenz 2008. Das Highlight mit garantierten Mehreinnahmen von etwa 600.000 Euro kommt für die Südhessen also gerade recht. "Dies ist eine tolle Plattform für den Verein, die Stadt und die ganze Region Südhessen. In der Geschichte der Lilien hat es wohl noch keine Begegnung mit einem solch großen medialen Interesse geben", sagte Präsident Rüdiger Fritsch.

Bis zu sechs Millionen Zuschauer werden die Partie vor den Bildschirmen verfolgen, das Stadion am Böllenfalltor ist mit 16.500 Fans längst ausverkauft. Die finanzielle Vergütung dürfte in Gelsenkirchen ebenfalls wohlwollend zur Kenntnis genommen werden, nach dem 0:4 am Wochenende gegen Bayern München zählt im Pott allerdings einzig der Einzug in die nächste Runde. "Unser Ziel muss es auf jeden Fall sein, das Spiel zu gewinnen", sagte Nationalspieler Julian Draxler. Deshalb werde seine Mannschaft genauso konsequent zu Werke gehen, wie in der Bundesliga. "Wir dürfen von Anfang an keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass wir unbedingt eine Runde weiterkommen wollen", sagte er. Denn im eigenen Stadion könne jeder Gegner gefährlich werden, "egal ob Erst- oder Drittligist".

Schalke bangt allerdings um den Einsatz von Draxler und des neuen Starspielers Kevin-Prince Boateng. Beide konnten wie am Vortag auch am Dienstag nicht trainieren, Angreifer Adam Szalai brach zudem das Training ab. Aufseiten der Königsblauen trainierte am Dienstag allerdings Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah, der normalerweise in der Schalke-Reserve mitwirkt, mit. - sid

Quelle: wa.de

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