Pander will zurück in die Schalker Stammelf

BELEK ▪ Kaum ein anderer Profi-Fußballer kann ein derartig umfangreiches Kranken-Dossier vorweisen wie Christian Pander. Der gebürtige Münsteraner hat in seinen sechseinhalb Jahren beim FC Schalke 04 mehr Spiele verpasst als absolviert.

Seinen 75 Bundesliga-Einsätzen stehen monatelange Verletzungspausen wegen diverser Bänderrisse und Knieblessuren gegenüber. Am 4. Dezember hat der 27-Jährige gegen Bayern München sein Comeback nach zuletzt 17-monatiger Verletzungspause gegeben. In Belek steht der schussgewaltige Linksverteidiger wieder voll im Training und will sich so schnell wie möglich wieder an die Stammelf heran arbeiten, wie er im Gespräch mit Jens Greinke verriet.

Herr Pander, sind Sie derzeit ein glücklicher Mensch?

Pander: Ja, definitiv. Schauen Sie sich das Wetter hier an (lacht). Aber im Ernst: Ich konnte lange Zeit nicht trainieren, dementsprechend bin ich sehr zufrieden mit der Entwicklung der letzten Wochen. Es stimmt mich alles sehr positiv.

Haben Sie schon einmal zusammengerechnet, wie viele Wochen Sie in Ihrer Karriere verletzt waren?

Pander: Nee, nee, das machen andere, die führen darüber bestimmt Statistik. Es ist bei mir so, dass ich mich stets auf die jetzige Situation konzentriere. Und derzeit bin ich gesund. Alles andere, was vergangen ist, interessiert mich nicht so. Es gab da schöne und nicht so schöne Zeiten. Ich versuche aktuell, das Beste daraus zu machen, dass ich jetzt endlich einmal gesund bin.

Woher haben Sie immer wieder die Kraft für die zermürbenden Rehas genommen?

Pander: Kraft braucht man für so etwas sehr viel. Auf der anderen Seite habe ich aufgrund meiner allerersten schweren Verletzung, die mich ziemlich früh getroffen hat, schon in jungen Jahren gelernt, damit umzugehen. In dieser Beziehung bin ich recht schnell, nun ja, Profi geworden. Natürlich ist jeder erneute Rückschlag eine neue Herausforderung. Andererseits weiß ich aber auch, was ich tun muss, um den Weg zurück zu finden. Vor allem weiß ich, welche Leute ich um mich herum versammeln muss, bei denen ich mir sicher sein kann, dass sie mir helfen. Seien es Physiotherapeuten, Ärzte oder Freunde. Und es ist wichtig, sich Tag für Tag neu zu motivieren. Ich hatte auch Phasen dabei, in denen ich am liebsten die Brocken hingeworfen hätte; wo ich keine Lust hatte, morgens wieder zur Reha zu fahren. Auf der einen Seite ist es schwierig, auf der anderen Seite sitze ich jetzt hier und habe es mal wieder geschafft. Das ist im Endeffekt der Lohn für die ganze Arbeit. Diese Verletzungen gehören zu meiner Geschichte dazu und waren auch wichtig für meine Entwicklung.

Haben Sie professionelle Hilfe in Anspruch genommen, als Sie sich niedergeschlagen gefühlt haben?

Pander: Ich habe so etwas zwei Mal kennen gelernt. Einmal in der Nationalmannschaft und das andere Mal, als Ralf Rangnick noch Schalker Trainer war. Ich habe das für mich persönlich aber nie für besonders hilfreich empfunden. Ich denke, da ist jeder anders. Deshalb habe ich mir bei der jüngsten Verletzung auch nicht weiter Gedanken darüber gemacht.

Nehmen sie Dinge heute anders wahr?

Pander: Ja, klar. Wenn andere meckern über den harten Trainingstag, habe in letzter Zeit öfter den Spruch gemacht: ,Seid froh, dass ihr gesund seid.‘ Und das ist nicht nur ein Spruch. Eine Reha ist um vieles anstrengender als ein Trainingslager.

Als sie im Spiel gegen Bayern München im Dezember erstmals wieder eingewechselt wurden, erhoben sich alle Zuschauer in der Schalker Arena und jubelten ihnen zu. Wie haben Sie diesen Moment erlebt?

Pander: In dem Moment selbst habe ich das gar nicht so richtig mitgekriegt, weil ich viel zu fixiert auf das Spiel war. Ich habe mir dann im Nachhinein die Bilder nochmal angeschaut. Es war natürlich ein überragendes Gefühl. Das weiß man, wofür man das Ganze getan hat. Und man hat ein Stück weit etwas von dem zurück bekommen, was man in den letzten Monaten investiert hat.

Hat sich etwas in Ihrer Spielweise verändert? Agieren Sie im Zweikampf vorsichtiger?

Pander: Am Anfang war ich schon etwas zurückhaltender. Da habe ich die Augen offen gehalten, wenn mal so ein 50/50-Pass kam. Doch das war nach meinem Empfinden nur die anfängliche Unsicherheit, die sich von Trainingseinheit zu Trainingseinheit gelegt hat. So etwas kann man in der Reha eben nicht simulieren. Das Gefühl ist jetzt aber völlig verschwunden. Was auch damit zu tun hat, dass ich mich wieder einhundert-prozentig fit fühle.

Plant ein Spieler mit Ihrer Vorgeschichte die Karriere oder sieht er Tag für Tag?

Pander: Ich persönlich denke nicht mehr langfristig. Ich habe gelernt, dass man eine Fußball-Karriere so betrachten muss, dass sie jeden Moment zu Ende gehen kann. Ich war schon in der Situation, wo ich angefangen habe darüber nachzudenken, wie es weitergeht, falls ich den Sprung zurück nicht schaffe. Ich habe den Gedanken aber nicht weiter ausgeführt, weil ich viel zu ehrgeizig bin. Mir macht der Fußball noch sehr viel Spaß, außerdem bin ich gerade im besten Fußball-Alter. Ich bin lange noch nicht satt und müde. Aber gewisse Dinge zu planen, ist eben immer schwierig.

Wie schwer wird der Weg zurück in die Schalker Stamm-Elf?

Pander: Das kann ich schwer beurteilen. Das wird davon abhängen, wie gut ich die Belastung wegstecke und wie schnell ich wieder an die alte Klasse anknüpfen kann. In der Vergangenheit ist mir das eigentlich immer recht zügig gelungen. Ich weiß, dass ich im Moment noch keine Ansprüche stellen kann. Ich werde versuchen, mich im Training aufzudrängen. Alles andere wird sich ergeben.

Felix Magath hat nach Ihrer jüngsten Verletzung keinen neuen Linksverteidiger gekauft, sondern immer gesagt, dass er auf Ihre Rückkehr warte. Wie wichtig war Ihnen dieses Verhalten?

Pander: Natürlich ist es immer schön, wenn man eine gewisse Wertschätzung genießt. Auf der anderen Seite glaube ich schon, dass wir die Linksverteidiger-Position auch ohne Neuzugang adäquat haben ausfüllen können. Es war ja nicht so, dass ein Rechtsverteidiger auf die linke Seite gestellt werden musste. Aber ich bin natürlich froh, dass in gewisser Weise auf mich gewartet worden ist und gesagt wurde: Wir vertrauen darauf, dass er wieder zurückkommt. Das freut mich und gibt mir eine gewisse Extramotivation.

Sie haben zur Nationalmannschaft gehört. Träumen Sie schon davon, bald wieder im DFB-Trikot aufzulaufen?

Pander: Ich bin keiner, der träumt. Ich in Realist. Ich befinde mich im Hier und Jetzt. Und jetzt gerade geht es mir sehr gut. Alles andere ist Zukunftsmusik. Aber jeder, der mal irgendwo war, wo es ihm gefallen hat, der will da auch wieder hin.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare