Erste PK mit neuem Trainer

Roberto Di Matteo: "Viel Arbeit vor mir"

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Schalkes neuer Trainer Roberto Di Matteo (l.) und Geschaftsführer Horst Heldt.

GELSENKIRCHEN - Der neue Schalker Trainer Roberto Di Matteo stellte sich am Dienstagnachmittag erstmals bei einer Pressekonferenz in Gelsenkirchen den Fragen der Journalisten.

Von Jens Greinke

Dass Roberto Di Matteo neben vielen anderen Qualitäten auch einen Sinn für einen guten Humor hat, bewies Schalkes neuer Cheftrainer bereits nach wenigen Minuten Amtszeit. Als er während der Pressekonferenz auf das Zitat seines Ex-Spielers Lucas Piazon angesprochen wurde, dass er ein Typ wie BVB-Coach Jürgen Klopp sei, entgegnete der 44-Jährige so trocken wie ein guter Chianti: „Da war er wahrscheinlich betrunken.“

Es war ein viel versprechender Auftritt, den der Italo-Schweizer im rappelvollen Pressesaal der Schalker Arena hinlegte. Di Matteo präsentierte sich in seiner ersten Fragestunde als besonnener, aber auch extrem bestimmter Trainer-Charakter. Ein Umstand, den Horst Heldt bereits kurz zuvor in der Kabine hatte feststellen dürfen. Als Di Matteo seine neue Mannschaft begrüßt hatte, habe der Schalker Manager in die Runde geschaut und vor allem eines gesehen: „Sehr wache Gesichter.“

Dass sich einiges auf Schalke ändern wird, dürfte nach dem ersten Auftritt des Nachfolgers des glücklosen Jens Keller klar sein. Di Matteo führte bei seinem ersten Treffen mit den Spielern sogar mit einigen Profis Einzelgespräche, die wohl auch zum Thema gehabt haben dürften, wer in der Kabine das Sagen hat. „Es gibt in jeder Mannschaft Hierarchien“, sagt Di Matteo, ergänzt aber: „Es gibt nur einen Boss.“ Und dass sich dieser unter seine Regie nicht in den Reihen der Mannschaft finden lässt, daran ließ der gebürtige Schweizer keinen Zweifel.

Dienstantritt von Roberto Di Matteo auf Schalke

Horst Heldt fand bereits nach wenigen Stunden der Zusammenarbeit mit seinem neuen Cheftrainer, „dass es sehr gut ist, wie man das Ganze anpacken will“. Zu diesem großen Ganzen dürfte vor allem Strategie und Psychologie gehören. Di Matteo will dem Schalker Team eine neue „Organisation und Selbstvertrauen“ einhauchen. „Dies ist eine gute Mannschaft mit viel Potenzial nach vorne, die aber in der Defensive einige Probleme hat“, hat der 44-Jährige bei der Vorbereitung per Videostudium auf seinen neuen Job festgestellt.

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Der ehemalige italienische Nationalspieler kündigte für die nächsten Tage „ein intensives Training“ an und fordert zudem: „Das Team muss als Mannschaft auftreten. Individuell muss jeder Spieler seinen Beitrag leisten.“ Auch das ein klarer Wink in Richtung der Schalker Profis. Die werden sich nun an einige Neuerungen gewöhnen müssen, die nicht immer sehr angenehm sein dürften. So ist Di Matteo nach eigener Auskunft zwar ein „Befürworter der Sozialen Medien“: „Aber es wird gewisse Regelungen geben, was das angeht.“

Als relativ sicher gilt auch, dass sich die Trainingsintensität auf Schalke erhöhen wird. Von seiner Spielphilosophie ist Di Matteo ein Verfechter des 4-2-3-1- oder 4-3-3-Systems, aus seinem Faible für eine stabile Abwehr macht er keinen Hehl. Seinen Stil allerdings nur auf das gewonnen Champions-League-Finale 2012 zu reduzieren, als er als Trainer eines wahnsinnig mauernden FC Chelsea den Favoriten Bayern München besiegt hatte, verbittet sich Di Matteo: „Dieses Finale war ein Spiel, in dem ich diese Taktik angewandt habe. Ansonsten haben meine Mannschaften immer viele Tore geschossen.“

Seinen ersten Tag auf Schalke nutzte Di Matteo vor allem, um den Verein und seine Angestellten kennen zu lernen. „Ich habe einen sehr positiven Eindruck und der Infrastruktur und dem Personal“, befand Di Matteo, der nach seinem Rücktritt beim FC Chelsea zuletzt zwei Jahre ohne Trainerjob war. Diese Pause begründete er folgendermaßen: „Am Anfang wollte ich eine Pause machen, danach habe ich mich weiter gebildet. Ich habe viel gelesen und Kurse besucht. Ich habe gewartet, bis die Situation kommt, in der ich wieder einsteigen wollte.“ Diese ist nun eingetreten. Und ganz Schalke ist gespannt, ob Roberto Di Matteo nicht vielleicht sogar der bessere Klopp ist.

Quelle: wa.de

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