Nach Pleite in Leverkusen

Schalker auf der Suche nach dem zweiten Ball

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LEVERKUSEN - Die beiden Schalker Weltmeister kamen mit großer Verspätung aus der Kabine, der Mannschaftsbus war schon längst im fiesen Leverkusener Nieselregen verschwunden.

Von Jens Greinke

Die lästige Dopingprobe hatte Benedikt Höwedes und Julian Draxler so lange aufgehalten, dass sie schließlich mit dem PKW eines Schalke-Mitarbeiters die Heimfahrt antreten mussten. Lust, sich zu den zurückliegenden 90 Minuten zu äußern, hatten die beiden am Samstagabend um kurz vor 22 Uhr nicht mehr.

Es war nicht so einfach, die passenden Worte zu finden, so ging es vielen Schalkern nach dieser 0:1 (0:0)-Niederlage bei Bayer Leverkusen. Der neue Trainer Roberto Di Matteo hatte erneut auf volle Defensive gesetzt – und am Ende die erste Niederlage in seiner Amtszeit kassiert. Ein herrlicher Freistoß von Hakan Calhanoglu, den der Deutsch-Türke über die Mauer zirkelte, hatte das Schalker Konzept in der 53. Minute über den Haufen geworfen. Die Knappen schafften es danach nicht mehr, den Schalter umzulegen und den Gegner unter Druck zu setzen. Am Ende stand ein Spiel ohne jegliche Torchance der Knappen. „Wir wollten nach vorne mehr bieten, aber das ist uns nicht gelungen“, sagte Di Matteo nach der Partie.

Etwas unverständlich schienen allerdings die Wechsel des Italo-Schweizers. War die Hereinnahme des offensiven Sidney Sam kurz nach dem Gegentreffer noch nachvollziehbar, so stutzte der ein oder andere Beobachter, als er in der 70. Minute Defensiv-Mann Jan Kirchhoff statt Max Meyer brachte. Das 19-jährige Mittelfeld-Talent kam erst in der 89. Minute. Zu den ein oder anderen zählte Meyer selbst: „Keine Ahnung, warum ich nicht eingewechselt wurde“, sagte das 19-jährige Mittelfeldtalent und ergänzte: „Es ist schwer, noch etwas zu bewegen, wenn man so spät kommt.“

Schalke verliert 0:1 bei Bayer Leverkusen

Auf die Frage, warum er in den drei Spielen unter Di Matteo bislang erst so wenig Einsatzzeit erhalten hat (knapp 40 Minuten), sagte Meyer: „Das ist eine Entscheidung des Trainers, die muss ich akzeptieren.“ Di Matteo meinte: „Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich hatte gedacht, dass die beiden Spieler, die ich zuvor gebracht habe, mehr bewirken können.“ Vor allem von Jan Kirchhoff verspricht sich Di Matteo viel: „Er ist ein Spieler mit gutem Auge, der allerdings lange verletzt war und noch etwas Zeit benötigt. Er ist jemand, der uns demnächst sehr helfen wird.“

Als Schalke-Manager Horst Heldt auf die offensichtliche Disharmonie zwischen Trainer und Jungstar angesprochen wurde, versuchte er, ein wenig zu beschwichtigten: „Ich weiß, dass das interessant ist“, sagte der 44-Jährige zu den Journalisten, ergänzte aber: „Für uns ist das nicht wichtig.“ Auch Heldt hatte in Leverkusen „bemerkt, dass wir keine Offensiv-Aktionen hatten“. Vor allem „der zweite Ball“ sei meist nicht gewonnen worden. „Das Aufbauspiel war auch nicht gut“, sagte Heldt, der letztlich um Zeit bat: „Das sind Dinge, die wir nicht von heute auf morgen verändern können. Das sind Prozesse, die brauchen Zeit.“

Die wird Di Matteo in dieser Woche haben. Durch das Erstrunden-Aus im DFB-Pokal steht dem Trainer fast eine ganze Arbeitswoche zur Verfügung, um die Mannschaft auf das Spiel gegen den FC Augsburg (Freitag, 20.30 Uhr) vorzubereiten. „Da können wir auf dem Trainingsplatz einige Dinge verbessern“, sagt der Coach. Was das Verhältnis zum Max Meyer angeht, dürfte sich auch ein Gespräch abseits des grünen Rasens geradezu aufdrängen.

Quelle: wa.de

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