Metzelder imponiert Magaths Arbeitsweise

„Der Wechsel nach Schalke war die größtmögliche Herausforderung“, sagt Christoph Metzelder. ▪

BELEK ▪ Seit dem 5. November 2010 gehört Christoph Metzelder zu den bei Trainer Felix Magath privilegierten Profis, die ab ihrem 30. Lebensjahr auch schon mal eine Trainingseinheit aussetzen dürfen. Den sportlichen Ehrgeiz des gebürtigen Halterners hat das nicht gemindert.

Mit dem Wechsel des ehemaligen Mannschaftskapitäns von Borussia Dortmund über die Zwischenstation Real Madrid (2007-2010) zum FC Schalke 04 hatte die Saison 2010/2011 eines ihrer spannendsten Kapitel erhalten. Nach teilweise heftiger Ablehnung des Schalker Anhangs zu Beginn der Saison hat sich der Innenverteidiger aufgrund von zuletzt starken Leistungen Respekt erarbeitet. Christoph Metzelder sprach mit Jens Greinke im Trainingslager in Belek.

Passt das Schalke-Trikot mittlerweile? Oder zwickt es noch irgendwo?

Metzelder: Ich denke schon, dass es passt. Es war für mich ein sehr aufregendes erstes Halbjahr, das ich mir anders gewünscht hätte. Aber wer sich meine Karriere als Ganzes anschaut, der weiß, dass diese nie wirklich gradlinig verlaufen ist. Sie war durchsetzt mit zum Teil schweren Prüfungen. So passt mein Start auf Schalke ganz gut in dieses Schema.

Waren die ersten Monate auf Schalke, in denen sie von den Fans teilweise heftig angefeindet wurden, eine der schwersten Prüfungen Ihrer Karriere?

Metzelder: Ich glaube, wenn man 21 Monate (Anmerkung der Redaktion: Achillessehnen-Operation im Jahr 2002) verletzt ist und um die Fortsetzung seiner Karriere kämpft, ist das etwas ganz Besonderes. Zumal man diesen Kampf meist alleine führt. Hier habe ich ja Unterstützung aus der Mannschaft erhalten. Das ganze Team hatte zu Beginn der Saison Probleme und hat sich nun gemeinsam herausgekämpft.

Wie gut tut es, wenn man von einem sehr kritischen Publikum irgendwann Anerkennung erhält?

Metzelder: Ich glaube, dass ist für jeden Menschen wichtig, egal, in welchem Beruf er arbeitet. Wenn er Anerkennung erhält für das, was er macht. Ich kann nach gut elf Jahren Profi-Fußball mittlerweile aber auch Strömungen ganz gut einschätzen, egal in welche Richtung sie gehen.

Die erste Reaktionen auf ihren Wechsel nach Schalke hatten teilweise hysterische Züge angenommen.

Metzelder: Hysterie ist, glaube ich, schon der richtige Ausdruck. Ich weiß aber, wie gewisse Mechanismen funktionieren, auch in die andere Richtung. Das habe ich als junger Spieler erlebt. Deshalb bin ich schon jemand, der für sich eine gewisse Mitte gefunden hat. Trotzdem gebe ich zu, dass das keine einfachen Wochen waren.

Diese ablehnenden Reaktionen waren am Anfang in gewisser Weise zu erwarten. Hat Sie diese Herausforderung vielleicht sogar besonders gereizt?

Metzelder: Es gab verschiedene Gründe für meinen Wechsel nach Schalke. Aber klar: Es war die größtmögliche Herausforderung, die ich annehmen konnte. Als Spieler von Real Madrid hätte es andere Optionen geben können. Ich wollte ganz bewusst diese Herausforderung annehmen – auch in dem Wissen, dass es nicht einfach werden wird.

Wie hat sich das Verhältnis zwischen Ihnen und den Schalker Fans gewandelt?

Metzelder: Für mich ist es wichtig, dass die Fans meine Leistung respektieren. Ob sie meine Spielweise jetzt mögen oder nicht, ist dabei nicht so wichtig. Wichtig ist, dass sie anerkennen, ob sich ein Spieler reinhängt oder nicht. Dass auch diejenigen Leute, die vielleicht sagen, als Spieler gefällt er mir nicht so, erkennen: der setzt sich ein, grätscht hinten die Bälle weg und zeigt den Einsatz, den wir sehen wollen. Das ist auch für mich wichtig. Und mittlerweile schlägt sich dies im täglichen Kontakt mit den Fans nieder. Ich merke, dass sie mich respektieren.

Die Winterpause kam Ihrer Mannschaft, die zuvor einen sehr guten Lauf hatte, nicht besonders entgegen.

Metzelder: Dem Start am Samstag gegen Hamburg kommt natürlich eine ganz besondere Bedeutung zu. Mit einem guten Auftakt würden wir dieses Gefühl der letzten Wochen vor der Winterpause erhalten.

Sie haben schon viele Trainer erlebt. Wie beurteilen Sie die Arbeitsweise von Felix Magath?

Metzelder: Einer der Hauptgründe für meinen Wechsel nach Schalke war Felix Magath. Ich hatte mir unter anderen erhofft, eine gewisse Stabilität in meinen Körper zu bekommen, nachdem ich jahrelang immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Dieser Plan ist bisher, toi, toi, toi, voll aufgegangen. Ich merke, dass das Training unter Magath meinen Körper stabilisiert hat. Zudem ist Magath jemand, der unbedingt Erfolg haben will. Mit allen Mitteln.

Also geht er unbeirrbarer durch die Welt als andere Trainer.

Metzelder: Ja, absolut. Er ordnet dem Erfolg alles unter.

Macht es denn Spaß, mit so einem Trainer zu arbeiten?

Metzelder (lacht): Es ist immer eine Frage, was ich selber will. Profi-Fußball ist ein Beruf. Jeder einzelne von uns hat angefangen als kleines Kind, dem dieser Sport Spaß gemacht hat. Dieser Spaß ändert sich in dem Moment, wenn aus dem Hobby ein Beruf wird. Dann müssen andere Dinge in den Vordergrund treten. Zum Beispiel, Erfolg zu haben. Ich habe in meiner Karriere zwar schon viel erreicht, aber ich habe auch drei Finals verloren (Anm. der Red.: WM 2002, EM 2008 und Uefa-Cup 2002). Jetzt noch einmal einen Trainer erleben, der diesen absoluten Erfolg will, der das Finale nicht verlieren will – das ist etwas, was ich noch einmal mitmachen wollte.

Von welchem Finale reden wir da?

Metzelder: Wir sind noch in zwei Wettbewerben vertreten (Anm. der Red.: Champions League, DFB-Pokal), in denen es nach dem K.o.-System weitergeht. Das sind Spiele, in denen es auch auf die Tagesform ankommt. Aber auch darauf, welche Mannschaft den größeren Willen hat.

Sie haben wie erwähnt zwei Finals im DFB-Trikot verloren. Träumen Sie auch in dieser Beziehung von einer neuen Chance?

Metzelder: Ich finde, dass man als Sportler Träume haben muss. Aber ich bin auch Realist. Die Nationalmannschaft hat einen großen Umbruch hinter sich und verfügt jetzt über viele junge, sehr gut ausgebildete Spieler. Deshalb ist das Thema für mich derzeit weit weg. Ich hatte auch seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr mit Bundestrainer Joachim Löw. Ich muss einfach akzeptieren, dass die Fußballer-Karriere ein Zyklus ist. Und ich mich mittlerweile im Herbst oder Winter befinde. Aber das ändert nichts an meinem Ehrgeiz.

Quelle: wa.de

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