Nächster Akt: Manager-Theater überlagert das Sportliche

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Horst Heldt

Gelsenkirchen - André Breitenreiter war wahrlich nicht zu beneiden. Der Trainer des FC Schalke 04 hatte nach dem 2:2 (1:0) seiner Mannschaft in der Europa League gegen Sparta Prag die kniffeligste Aufgabe zu lösen – und scheiterte dabei, das allgemeine Interesse auf das Sportliche zu lenken.

Denn im Fokus standen zwei andere Protagonisten auf Seiten der Königsblauen – wieder einmal. Das unsägliche Theater um die Zukunft von Sportvorstand Horst Heldt ist längst zur Posse geworden. Die angekündigte Aussprache zwischen dem Manager und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies fand ausgerechnet vor der Begegnung gegen den tschechischen Rekordmeister statt und brachte – nichts. Und so wird das Thema auch die kommenden Tage beim Tabellendritten der Fußball-Bundesliga überschatten.

Tönnies, für den nach der Unterredung mit Heldt noch ein Treffen des Aufsichtsrates auf dem Programm stand, ist in der wichtigen Personalie unter Zugzwang geraten seitdem klar ist, dass Wunschkandidat Christian Heidel nicht kurzfristig vom FSV Mainz losgeeist werden kann. Während der Aufsichtsratsvorsitzende wortlos die Arena verließ, stellte sich Heldt den bohrenden Fragen. Erkenntnisgewinn? Gleich null. „Konstruktiv“ sei das Gespräch gewesen, ein zweites werde „zeitnah“ folgen. Und das werde „ergebnisoffen“ geführt.

So ist weiter fraglich, ob Heldt seinen bis Sommer laufenden Vertrag erfüllt, ob er gar – kaum vorstellbar – darüber hinaus bleibt oder vorzeitig geht, was die Planung der kommenden Saison für die Schalker zusätzlich erschweren würde. „Ich wäre vorsichtig bei allen Spekulationen“, warnte Heldt und verkündete: „Selbstverständlich wird man mich auch am Sonntag in Gladbach im Stadion sehen.“ Immerhin.

Beim ersten von zwei Kräftemessen mit den Borussen binnen vier Tagen – auf das Duell in der Meisterschaft morgen (17.30 Uhr) folgt das „Rückspiel“ im DFB-Pokal am Mittwoch (20.30 Uhr) – wird Breitenreiter abermals versuchen, das Sportliche in den Fokus zu rücken. Und wieder wird es angesichts der derzeitigen Gemengelage ein ziemlich schwieriges Unterfangen werden. Dabei läuft es auf Schalke sportlich durchaus gut, neun Siege in den vergangenen 13 Pflichtspielen stehen zu Buche.

Die Fans stehen spürbar hinter der Mannschaft, trieben das Team auch in der Schluss-Viertelstunde gegen Prag unermüdlich nach vorne. Und auch wenn die Schalker gegen Prag erstmals in der diesjährigen Europa-League-Saison den Rasen nicht als Sieger verließen – sie verteidigten die Tabellenführung in der Gruppe K. Und das trotz einer tiefgreifenden Rotation.

Zu der hatte der Coach „aus Überzeugung“ gegriffen, versicherte er. „Unser Kader ist nicht groß, aber relativ eng beisammen, was die Qualität angeht.“ Die Worte hätten – sehr verklausuliert – durchaus als Kompliment für die Arbeit von Heldt aufgefasst werden können. Aber Breitenreiter dürfte angesichts der anstrengenden Wochen eher die Schonung einzelner Spieler im Blick gehabt haben. Und das Binnenklima im Team. Für Einsatzzeiten der „zweiten Garde“ nahm er auch Abstimmungsprobleme und Fehler in Kauf.

Dennoch: Auf vielen Positionen hat sich längst eine eindeutige Hackordnung ergeben, an der für manchen Akteur derzeit nur schwer zu rütteln ist. Der Trainer unterstrich dies nach einer Stunde auch durch seine Maßnahmen, die den Wert zweier Spieler verdeutlichten. Die Einwechselung von Johannes Geis verlieh dem Spiel mehr Struktur und Zug, die Hereinnahme von Leroy Sané das benötigte Überraschungsmoment.

Letzterer hatte einmal mehr einen großen Auftritt bei seinem für ihn typischen Tor zum 2:2 (73.), das Franco di Santo allerdings mit einem feinen Pass vorbereitet hatte. Der Stürmer hatte mit seinem vierten Europa-League-Tor auch für die frühe Führung gesorgt (6.) – und scheint damit seinen Lieblingswettbewerb gefunden zu haben. „Das war wichtig für Franco und sein Selbstvertrauen. Wir wünschen ihm, dass er das auch mal in der Bundesliga umsetzen kann“, sagte Breitenreiter.

Am besten schon am Sonntag. Zumal die Schalker auch in Gladbach auf Klaas-Jan Huntelaar (Hüftprobleme) verzichten müssen. Nicht aber auf Heldt. Und das unsägliche Manager-Theater.

Quelle: wa.de

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