Heimkehr nach 70 Jahren

Schalker Legende Adolf Urban "zuhause" beigesetzt

GELSENKIRCHEN - Eine Schalker Legende ist zurück in der Heimat: Rund 70 Jahre nachdem Adolf „Ala“ Urban, legendärer Linksaußen, auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs in Russland gefallen ist, hat der Verein seine sterblichen Überreste am Mittwoch nach Gelsenkirchen umbetten lassen.

Von Jens Greinke

Als der Sarg mit den sterblichen Überresten von Adolf „Ala“ Urban aus der kleinen Kapelle des Friedhofs getragen wird, seufzt ein Saxofon melancholisch das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich dich“. Auf Schalke geht selten etwas ohne Emotion, und so verwunderte es nicht, dass die Umbettung des ehemaligen Meisterspielers Urban zu einer bewegenden Trauerfeier wurde.

Gut 500 Menschen waren gekommen, um die Gebeine des 1943 an der Ostfront gefallenen und in Russland begrabenen Urban an seine endgültige Ruhestätte zu begleiten. Darunter viele Schalker Ehemalige wie Willi Koslowski, Klaus Fischer, Ingo Anderbrügge oder Erwin Kremers. Kurz bevor der Sarg Urbans im Mittelkreis des Schalker Fanfeldes im Stadtteil Beckhausen/Sutum abgesenkt wurde, hatte Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies zu der Umbettung gesagt: „Ich bin stolz darauf, dass wir es gemacht haben.“

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Schalke-Legende Adolf Urban in Gelsenkirchen beigesetzt

Adolf Urban (undatiertes Archivbild)

Ungewollter Initiator der Aktion ist der 89-jährige Karl Brockmann. Der Schalke-Fan hatte 1943 miterleben müssen, wie sein Kamerad „Ala“ Urban an der Ostfront schwer verletzt wurde. Brockmann stand neben Urban, als ihn ein Schuss in die Lunge traf. Sämtliche Bemühungen in der Sanitätsstation Akexino blieben letztlich vergeblich, den prominenten Soldaten zu retten. 

Urban verstarb am 27. Mai 1943 im Alter von nur 29 Jahren. Er wurde auf dem Soldatenfriedhof bei Korpowo bestattet. Sogar die britische BBC vermeldete damals den Tod des Linksaußen der legendären Breslau-Elf, die 1937 sämtliche Spiele mit verblüffender Verve gewonnen hatte. In 21 Länderspielen hatte Urban 11 Mal für die Nationalmannschaft getroffen, auf Schalke war die Quote noch größer: Dort traf er 79 Mal in 80 Punktspielen. Seine Spezialität: Schrägschüsse, bei denen man nach Aussage von Zeitzeugen Angst haben musste, „dass sie das Stadiondach abrissen“. Als Mitglied des sagenumwobenen Schalker Kreisels gewann Urban fünf Mal die Deutsche Meisterschaft.

Brockmann hatte bereits 2001 und 2006 beim FC Schalke versucht, zumindest einen Gedenkminute für Urban durchzusetzen. Doch die Schreiben an die Geschäftsstelle blieben ohne Antwort. Für Tönnies später ein Moment „zum Fremdschämen“. Am 27. Mai 2013 versucht es Brockmann noch einmal. Dieses Mal wird er zu Tönnies durchgestellt. 

Der Unternehmer, für den der Begriff Pathos nicht unbedingt zu den Fremdwörtern gehört, reagiert prompt: „Mir war in dem Moment sofort bewusst, dass wir handeln müssen. Ich sagte: Wir holen Ala heim.“ Im Juni führte Tönnies eine vierköpfige Schalker Delegation an, die Urbans Grab an der ehemaligen Ostfront ausfindig machte.

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski erinnerte nun bei der Trauerfeier an „die bittere Ironie, dass Schalke seine beste Mannschaft in einer Zeit hatte, die wir in Deutschland als unsere dunkelste bezeichnen“. Der FC Schalke 04 sei im „Dritten Reich“ „nicht schlimmer als andere Vereine, aber leider auch nicht besser“ gewesen, so Baranowski weiter: „Die Lebensgeschichte von Adolf Urban muss eine Verpflichtung für uns sein.“

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Archiv-Bilder vom Schalker Fan-Feld:

Blau und Weiß, ein Leben lang... und darüber hinaus

Quelle: wa.de

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