Nur noch Mitläufer

Schalkes Boateng: Vom Leitwolf zum Sündenbock

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MADRID - Kevin-Prince Boateng kam als Leitwolf zu Schalke 04 und ist zum Mitläufer geworden. Die Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied des Großverdieners halten sich hartnäckig.

Von Thomas Lipinski

Horst Heldt holte tief Luft. "Ich kann nicht in die Glaskugel schauen", sagte der Sportvorstand von Schalke 04, als er zum wiederholten Mal nach der Zukunft von Kevin-Prince Boateng gefragt wurde. Der Zehn-Millionen-Einkauf, vor anderthalb Jahren als Leitwolf geholt, fehlte bei der Champions-League-Reise der Königsblauen nach Madrid - wegen einer Sperre.

Spekulation über Boateng-Abschied

Ob er noch einmal Europacup für Schalke spielt, ist ein heißes Thema. Hartnäckig halten sich die Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied des Großverdieners, der nur selten die hohen Erwartungen in Gelsenkirchen erfüllte.

Nach der 0:3-Blamage im Revierderby in Dortmund der größte Sündenbock, bei der 3:1-Wiedergutmachung gegen 1899 Hoffenheim 90 Minuten auf der Bank, während sein Ersatz Max Meyer mit zwei Toren zum Matchwinner wurde: Boatengs Prinzenrolle ist derzeit eine unbefriedigende - für alle. "Er ist in einer höheren Gehaltskategorie. Natürlich verlangt man mehr von ihm als von anderen", sagte Heldt und gewährte einen Blick ins Innenleben des 28-Jährigen: "Dass Kevin daran zu knabbern hat, ist doch klar."

Italienische Medien vermeldeten zuletzt, dass Rekordmeister Juventus Turin Interesse am Deutsch-Ghanaer habe. Trainer Massimiliano Allegri soll sich für eine Verpflichtung seines früheren Weggefährten aus Zeiten beim AC Mailand einsetzen. Sofort wurde auf Schalke kolportiert, der Klub wolle sich zum Saisonende von Boateng trennen.

Ablösefreier Wechsel?

Gar von einem ablösefreien Wechsel, um das hohe Gehalt des gebürtigen Berliners einzusparen, war die Rede. "Er hat einen Vertrag über die Saison hinaus", betonte Heldt am Rande des Achtelfinalrückspiels bei Real Madrid mit Blick auf das Arbeitspapier bis 2016, "es gibt keine Planung, ihn abzugeben, und auch nicht den Wunsch von Kevin, uns zu verlassen."

Angebote anderer Klubs, hatte der Manager schon zuvor erklärt, gebe es nicht. Boateng, einst als "Bad Boy" verschrien, aber gereift als Führungsspieler nach Deutschland zurückgekehrt, polarisiert noch immer. Als er nach seiner Verpflichtung im August 2013 dazu beitrug, Schalke nach katastrophalem Saisonstart wieder in die Champions League zu bringen, wurde er als "Leader" gefeiert. Wenn es nicht läuft, ist er derjenige, der die schärfste Kritik abbekommt.

Di Matteos Hoffnungen enttäuscht

Trainer Roberto Di Matteo setzte nach seinem Amtsantritt im Oktober vor allem auf die Erfahrung Boatengs, seine Ruhe am Ball, seine Fähigkeit, den tödlichen Pass zu spielen. Doch der ghanaische WM-Teilnehmer enttäuschte den Coach häufig. Dass er zudem oft den Vorzug vor dem Publikumsliebling Meyer erhielt, brachte die Fans zusätzlich auf. Am Samstag sah Boateng von der Bank aus und beim Aufwärmen am Spielfeldrand, wie der 19-Jährige die schwächelnde Schalker Offensive wiederbelebte.

In der ersten Saison brachte es Boateng noch auf sieben Tore und vier Vorlagen in Bundesliga und Champions League - trotz immer wiederkehrender Knieprobleme. In der laufenden Spielzeit stehen lediglich drei Assists in 20 Pflichtspielen zu Buche. Obwohl der vermeintliche Anführer nach vielen Verletzungsproblemen in der Hinrunde die komplette Winter-Vorbereitung mitmachte, ist keine Trendwende in Sicht. Aber der Abschied im Sommer? - sid

Quelle: wa.de

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