Ausfall aber unwahrscheinlich

Matchwinner Szalai: Verdacht auf Kahnbeinbruch

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Adam Szalai

THESSALONIKI - Es waren nur noch einige Augenblicke zu spielen, da hatte einer der wenigen Schalker Fans im Geisterstadion von Toumba einen Moment der fast absoluten Stille genutzt und „Auf geht‘s, Zähne zusammenbeißen, Schalke!“ ins fast menschenleere Rund geschrieen.

Von Jens Greinke

Dass wenige Sekunden später ausgerechnet der von Schmerzen geplagte Adam Szalai mit dem Treffer zum 3:2 die allerletzten königsblauen Zweifel verscheuchte, passte wie so vieles an diesem Abend ins Bild. Horst Heldt erschien wenige später als erschöpfter Mann zur Spielanalyse, und es war nicht nur die Sauna-Atmosphäre in den überhitzten Katakomben des Stadions von PAOK Saloniki, die dem Schalker Manager so zusetzte.

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„Dieser Abend hat sehr viel Kraft gekostet“, sagte der 43-Jährige, der tapfer in sein Klub-Sakko schwitzte. Damit meinte Heldt nicht nur die Spieler auf dem Platz, sondern auch sämtliche Schalker Verantwortlichen und Fans, die auf der Tribüne wahre Seelenqualen hatten überstehen müssen. Die Partie gegen Saloniki war ein Spiegelbild der bisherigen Schalker Saison in Zeitraffer, ein ständiges Auf und Ab, das nicht nur bei Heldt („Ich habe heute einige Kilo verloren“) arg an den Nerven gezerrt hatte. Auch Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies, der extra an den Thermaischen Golf gereist war, verließ das Stadion sichtlich aufgewühlt – aber erleichtert.

Es war vor allem zwei Männern zu verdanken, dass am Donnerstag bei der Auslosung der Gruppenphase der Champions League (17.30 Uhr) ein Zettel mit dem Aufdruck FC Schalke 04 im Lostopf liegen wird: Julian Draxler und Adam Szalai, der Ersatz für den verletzten Klaas-Jan Huntelaar. Während Draxler beim Stande von 1:1 und nach der Gelb-Roten Karten von Jermaine Jones (64.) das Spiel an sich gerissen und die Schalker Mannschaft in bestechender Form endgültig in die Königsklasse geführt hatte, war Szalai als eiskalter Vollstrecker zur Stelle (43./90. + 2) gewesen.

Der Ungar, in der Sommerpause vom FSV Mainz 05 verpflichtet, amortisierte somit die acht Millionen Euro Ablösesumme recht schnell. Und auch dies in beeindruckender Weise, da der 25-Jährige mit einer äußerst schmerzhaften Handverletzung ins Spiel gegangen war. Im Abschlusstraining hatte Szalai einen Schuss auf die rechte Hand bekommen, es besteht der Verdacht auf einen Kahnbein-Bruch. „Aber auf dem Platz brauche ich ja nur meinen Kopf und meine Füße“, sagte der wuchtige Stürmer. Die genaue Diagnose will das Schalker Ärzteteam nun in Gelsenkirchen stellen. Nach Angaben des Mannschaftsarztes würde Szalai aber selbst im Falle einer Operation wohl nicht ausfallen, sondern bei den nächsten Spielen mit Schraube und Schiene im Einsatz sein.

Überhaupt nicht vorstellbar wäre aus Schalker Sicht derzeit ein Ausfall von Julian Draxler. Der Jungstar bewies in Griechenland erneut sein außergewöhnliches Talent. Sein Führungstreffer zum 2:1 (67.) nach einem Traumpass des eingewechselten Max Meyer war letztlich der Schlüssel in diesem Spiel für die Schalker gewesen. Zwar gaben sich die Griechen nicht geschlagen, glichen durch Katsouranis (78.) noch einmal aus, doch war es vornehmlich Draxlers große Klasse, die Schalke letztlich als glücklichen Sieger aus diesem Play-off-Duell entließ. „Die Atmosphäre heute hier war ja wie bei einem Jugendspiel – und die sind bei mir ja noch nicht so lange vorbei“, witzelte der 19-jährige nach dem Geisterspiel.

Trotz des für Geist und Portemonnaie wichtigen Erfolges waren sich die Schalker in der lauen griechischen Nacht darüber bewusst, „dass nicht alles Gold ist, was glänzt“ (Draxler). „Wir müssen auch nach diesem Spiel noch einiges aufarbeiten“, sagte Horst Heldt angesichts der Fehler, die dem Schalker Team vor allem in der Defensive wieder unterlaufen waren.

„Es sind viele kleine Baustellen, die zusammen ein große ergeben“, sagte Heldt weiter, der angesichts der zu erwartenden 20 Millionen Euro Mehr-Einnahmen nun auch auf dem Transfermarkt tätig werden kann. „Ja, wir überlegen, in der Defensive nachzulegen“, sagte Heldt, der einen möglichen Transfer von Dennis Aogo zumindest nicht dementieren wollte. Der 26-Jährige, beim Hamburger SV zuletzt nur auf der Bank, wäre ein Kandidat für die linke Außenverteidiger-Position.

Quelle: wa.de

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