Huntelaar: "Der Titel ist machbar"

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Die Autogramme von Klaas-Jan Huntelaar sind in Katar sehr begehrt.

DOHA - Klaas-Jan Huntelaar kommt im Sachen Prominenz Superstar Raul sicherlich am nächsten. Der Holländer war in der Hinrunde eine der größten Stützen im Team. Vor der Abreise aus Katar nahm sich der 28-jährige Zeit für ein Gespräch mit Jens Greinke.

Hier sind es heute über 25 Grad, morgen warten in Deutschland einstellige Temperaturen. Angst vor einer Erkältung?

Huntelaar: Wenn ich fliege, habe ich in den ersten zwei Tagen immer ein bisschen eine verstopfte Nase. Vielleicht gibt es eine kleine Erkältung, aber die geht auch schnell wieder weg.

Wie ist Ihr Eindruck vom Trainingslager?

Huntelaar: Wie haben sehr gut gearbeitet. In den Weihnachts-Ferien bin ich nur gelaufen, hier hattest du zwei Mal Training. Die ersten beiden Tage hast du noch Power, danach wird es weniger und weniger. Aber es war gut.

Wo steht die Mannschaft gut eine Woche vor dem Rückrunden-Start?

Huntelaar: Unser Ziel ist es zunächst, uns für die Champions League zu qualifizieren. Wenn wir das erreichen, haben wir eine richtig gute Saison gespielt. Aber natürlich will man als Sportler immer das Höchste erreichen, also die Bundesliga gewinnen. Wir sind derzeit drei Punkte hinter den Bayern.

Sie haben mit 15 Treffer in der Hinrunde eine enorme Torquote in dieser Saison. Ist der Rekord von Schalke-Legende Klaus Fischer, der 29 Mal getroffen hat, in Gefahr?

Huntelaar: Ja, das ist ein schönes Ziel. Aber als Erstes zählt der Erfolg mit der Mannschaft. Danach kann man den Fokus auf persönliche Dinge legen. Aber es ist natürlich eine zusätzliche Motivation.

Klaus Fischer selbst traut es Ihnen zu, seinen Rekord zu knacken.

Huntelaar: Das ist schön zu hören. Ich versuche es. Mal schauen, was passiert.

Welche persönlichen Ziele haben Sie sich sonst noch gesetzt?

Huntelaar: Für mich ist es wichtig, in jedem Spiel möglichst entscheidend zu sein. Ob mit einem Tor oder einem Assist. Das ist in jedem Spiel mein Ziel.

Warum läuft es in Schalke so viel besser als bei Ihren vorherigen Stationen Real Madrid und AC Mailand?

Huntelaar: Stabilität ist da ganz wichtig. Ich weiß genau, was ich in Schalke habe und was ich machen muss. In jedem Verein wird anders gearbeitet. Es hat in Schalke einfach gut geklappt. Ich fühle mich wohl, ich weiß, wie es hier läuft. Und wenn du immer spielst, dann kommst du auch in den Rhythmus, den du brauchst.

Manager Horst Heldt hat kürzlich gesagt, dass er Ihren bis 2014 laufenden Vertrag gerne verlängern würde?

Huntelaar: Ich habe davon gehört. Aber dazu kann ich heute noch nicht viel sagen. Das bringt jetzt auch nichts. Ich schaue, was passiert. Ich kann allerdings sagen, dass ich mich sehr wohl fühle.

Wäre es für Sie vielleicht ein wichtiges Signal, wenn ein Spieler wie Raul seinen Vertrag verlängert?

Huntelaar: Raul ist ein Spieler, der viel erreicht hat. Wichtiger ist, dass er unverändert auf hohem Level spielt. Das ist auch gut für andere Spieler. Das macht es mir einfacher. Alles, was vom Klub gemacht wird, ist ein Signal. Alle wissen, dass Raul ein guter Spieler ist. Aber ich bin Profi und kein Manager. Vielleicht werde ich das einmal später.

Welches Potenzial bietet Schalke auf längere Sicht?

Huntelaar: Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Wen wir uns Schritt für Schritt verbessern, dann können wir auch etwas Schönes erreichen. Vielleicht in den nächsten sechs Monaten, vielleicht in den nächsten Jahren. Aber da müssen wir hart arbeiten und die Schritte auch machen. Wenn wir diese junge Mannschaft zusammenhalten und neue frische Leute dazu kommen, kann es funktionieren.

Also ist für Sie die Meisterschaft mit Schalke kein Traum, sondern machbar.

Huntelaar: Wenn alles optimal für uns verläuft: Ja, natürlich.

Welche Fortschritte muss die Mannschaft in der Rückrunde machen?

Huntelaar: Die Mannschaft muss stabiler werden. Beim 5:0 gegen Werder Bremen waren wir überragend, doch das Heimspiel gegen Kaiserslautern war wieder eine ganz andere Geschichte. Bei den Bayern fragen sich die Leute immer nur, wie hoch sie gewinnen. Bei uns geht es darum, ob wir überhaupt gewinnen. Das ist ein kleiner Schritt, den wir noch machen müssen.

Wie sehen Sie Borussia Dortmund in dieser Beziehung?

Huntelaar: Die Bayern und der BVB sind sicher am weitesten von allen Mannschaften. Trotzdem stehen die Dortmunder punktgleich mit uns in der Tabelle. Das muss uns ein gutes Gefühl geben und zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind. Dennoch haben uns diese beiden Teams noch etwas voraus, was wir in den beiden Niederlagen in der Hinrunde auch gesehen haben.

Wie sehen Sie die Schalker Chancen in der Europa League?

Huntelaar: Wir haben in der vergangenen Saison in der Champions League gezeigt, dass wir in Europa sehr gut mithalten können. Man braucht natürlich auch ein bisschen Glück. Und wenn du in der K.o.-Phase mal einen schlechten Tag hast, dann musst du trotzdem gewinnen. Das ist eine Stabilität, die wir derzeit noch entwickeln müssen. Du musst dran glauben und alles dafür tun.

Und Sie haben jetzt mit Huub Stevens einen Trainer, der es ja schließlich schon geschafft hat mit Schalke.

Huntelaar: Ja, er hat es 1997 geschafft. Er ist jemand, der immer gewinnen will. Er ist sehr leidenschaftlich, manchmal besessen. Er tut alles für den Sieg. Er will immer, dass mit Herz gespielt wird. Das ist ihm am wichtigsten, dann kann man auch mal verlieren. Wenn du mit Herz spielst, hast du mit diesem Trainer keine Probleme. Wenn du es nicht machst, dann hast du ein Problem.

Verfügt die Mannschaft über ausreichend Spieler, die mit Herz spielen?

Huntelaar: Ja, ich denke, das haben wir in der Hinrunde bewiesen. Das wollen wir in der Rückrunde auch zeigen. Dann schauen wir, was passiert.

Die Bayern aus München haben nebenan trainiert. Waren Sie mal drüben, um beispielsweise Ihren Landsmann Arjen Robben zu treffen?

Huntelaar: Nein, ich hatte kein Bedürfnis, dort rüber zu gehen. Ich habe mich aber einmal mit Manuel Neuer getroffen, das war sehr schön.

Bei der EM im diesen Jahr treffen Sie mit der niederländischen Nationalmannschaft in der Vorrunde auf Deutschland. Waren Sie nach der Auslosung geschockt?

Huntelaar: Nein, wir waren nicht geschockt, wir wussten, dass das passieren kann. Wir haben Respekt, aber keine Angst.

In Hamburg gab es zuletzt eine 0:3-Niederlage für Oranje.

Huntelaar: An diesem Tag haben wir nicht gut gespielt und zu Recht verloren.

Hinkt der Vergleich oder kann man sagen, dass die deutsche Mannschaft das neue Holland im Weltfußball ist?

Huntelaar (lacht): Ich muss zugeben, dass das deutsche Team im vergangenen Jahr sehr gut gespielt hat – vor allem nach vorne. Trotzdem ist das Team aus meiner Sicht immer noch beim Konterspiel am besten. Da liegen die größten Qualitäten der deutschen Mannschaft.

Quelle: wa.de

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