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Hildebrands Glück - Unnerstalls Vorteil

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Time Hildebrand in Doha. © Foto: dpa

DOHA - Für Schalkes Keeper Lars Unnerstall hatte sich das Feld der Konkurrenten beim Vormittags-Training ausgedünnt. Lediglich Mathias Schober nahm am Torwarttraining mit Bernd Dreher teil, von Timo Hildebrand hingegen keine Spur. Der Ex-Nationallkeeper hatte am frühen Morgen die vorzeitige Heimreise nach Deutschland angetreten.

Aus gutem Grund: Hildebrand hatte in der Nacht einen Anruf bekommen, dass seine Lebensgefährtin Verena kurz vor der Geburt des gemeinsamen Kindes stehe - gestern Nachmittag war Hildebrand bereits Vater eines Jungen. So freudig der Grund für die Abreise auch war, torpedierte sie doch die Hauptintention des 32-jährigen Ex-Nationalkeepers im Winter-Trainingslager: „In Katar will ich richtig angreifen“, hatte Hildebrand Ende des vergangenen Jahres angekündigt.

Somit steht Lars Unnerstall das Schicksal mal wieder ein bisschen zur Seite, was seine bislang exzellenten Leistungen

Nicht nur für Timo Hildebrand, sondern auch für Lewis Holtby hat das Trainingslager gestern ein abruptes Ende genommen: Beim 21-jährige Nationalspieler brach die Verletzung im linken Sprunggelenk wieder auf, die gerade erst auskuriert schien. Holtby musste das Vormittags-Training vorzeitig abbrechen und wurde auf dem Elektro-Golfwagen mit dick bandagiertem Knöchel ins Mannschaftshotel gefahren. Angeschlagen ist auch Neuzugang Chinedu Obasi. Der Nigerianer hatte im Testspiel am Samstag gegen einer katarische Militär-Auswahl einen Schlag gegen das Knie erhalten und dürfte heute (16 Uhr MEZ) beim Testspiel gegen den asiatischen Champions-League-Sieger Al-Sadd fehlen.

allerdings nicht schmälern soll. Zunächst verhalf ihm im Oktober 2011 der Kreuzband-Einriss von Ralf Fährmann in die Schalker Startformation. Nun muss er in Doha auch den angekündigten Angriff auf die Nummer eins durch Hildebrand nicht mehr abwehren. Noch einen Tag zuvor hatte Unnerstall gesagt: „Das ist ein offener Kampf, jeder hat hier seine Chance.“ Dass er schon vor Hildebrands Abreise die größten gehabt hat, ist ein offenes Geheimnis.

Wobei dem 100-Kilo-Hünen sicherlich nicht bange geworden wäre vor einem Angriff Hildebrands. Der gebürtige Münsterländer hat seine Chance bislang besser genutzt, als die meisten es erwartet haben – auch innerhalb des Vereins. „Er ist schon cool“, beschreibt Manager Horst Heldt das gelassene Wesen des 21-Jährigen. „Ich bin ein ruhiger Typ“, sagt Unnerstall, „das liegt bei uns in der Familie.“ Und da Westfalen auch äußerst stur sein können, sagt der Mann, der ursprünglich nur ein Platzhalter für Ralf Fährmann sein sollte: „Ich habe auf jeden Fall den Anspruch, die Nummer eins zu sein. Den habe ich auch in der nächsten Saison.“

Derzeit gäbe es auch keinen Anlass, Unnerstall das Vertrauen zu entziehen. Der 1,98 Meter große Keeper zeigte in seinen 15 Pflichtspielen (davon neun Bundesliga-Partien) weitaus mehr Stärken als Schwächen. Lediglich im Pokal-Achtelfinal-Aus in Mönchengladbach (1:3) kurz vor Weihnachten zeigte er erste nennenswerte Fehler.

Im Gegensatz zu Fährmann, der manchmal nervös und ängstlich erschien, geriert sich Unnerstall auf dem Platz wie ein Routinier. Fährmann hatte allerdings die Last der direkten Nachfolgerschaft von Manuel Neuer zu tragen. Dies blieb Unnerstall erspart. „Das kann vielleicht ein Vorteil gewesen sein“, sagt der 21-Jährige, der beim SV Uffeln mit dem Fußball begann und über Preußen Münster nach Schalke kam.

Doch die Position des Torwarts bleibt auf Schalke jefenfalls weiter umkämpft. Auch wenn der 15-jährige Mossa, der das Torwarttraining aufmerksam beobachtete, noch keine Konkurrenz darstellen dürfte. Der junge Katarer ist allerdings schon so gut, dass er am Vortag eine Viertelstunde am Training hatte teilnehmen dürfen. Unnerstall wird dennoch nicht zittern. Dafür ist er zu cool. - Jens Greinke

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